So tickt der neue Werder-Sechser

Neuzugang Erras will sich bei Werder Bremen durchbeißen – und „seinen eigenen Weg gehen“

Bremen – 1,96 Meter groß, breite Schultern und muskulöse Oberarme – am Mittwochnachmittag trat Patrick Erras, in beeindruckender körperlicher Verfassung, erstmals vor die Mikrofone im Presseraum des Weserstadions. Doch der Neuzugang des SV Werder Bremen präsentierte sich bei seiner Vorstellung – anders als die Optik es vermuten ließe - zurückhaltend, reflektiert, fast schon unspektakulär. Von Kampfansagen oder Überheblichkeit keine Spur.

Nach insgesamt 13 Jahren beim „Club“ hat der Defensivspieler bei Werder Bremen einen Vertrag über drei Jahre unterschrieben. Wie einst der heutige Werder-Sportchef Frank Baumann wechselt Patrick Erras aus Nürnberg nach Bremen. Baumann im Sommer 1999, Erras 21 Jahre später im Sommer 2020. Genau wie Baumann wagte der jetzige Neu-Bremer erst mit Mitte 20 – Patrick Erras ist im Januar 25 Jahre alt geworden – den Sprung zu einem anderen Verein. Erras startet sein neues Kapitel an der Weser mit dem klaren Ziel, sich in der ersten Liga durchzusetzen. Denn trotz aller gebotenen Zurückhaltung, machte Erras während seiner medialen Feuertaufe zumindest eins klar: Er traut sich das Abenteuer Bundesliga in Bremen absolut zu.

Neuzugang Patrick Erras will sich bei Werder Bremen durchbeißen

„Erstmal hoffe ich, dass ich mich hier schnell zurechtfinde und an alles gewöhne. Natürlich ist der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Liga sehr groß, das ist mir bewusst. Aber ich habe schon in der Bundesliga gespielt und weiß also, was auf mich zukommt“, sagte Patrick Erras und wurde dann doch für einen kurzen Moment etwas forscher: „Ich weiß, was ich kann und ich vertraue mir auch. Ich weiß auch, dass es nicht einfach wird, aber trotzdem will ich mich durchbeißen und auf meine Einsätze kommen. Dafür muss ich mich dem Trainer im Training anbieten.“

Die erste Gelegenheit dazu bekam Erras beim SV Werder Bremen noch am Mittwochabend – als die erste gemeinsame Trainingseinheit mit den neuen Kollegen auf dem Plan stand. An den beiden Tagen zuvor hatte der Defensiv-Spezialist seine Mitspieler bereits flüchtig kennengelernt und dabei ein durchweg positives Gefühl gehabt. „Der erste Eindruck ist wirklich super. Ich wurde toll aufgenommen von der Mannschaft.“

Zwei seiner Mitspieler, Kevin Möhwald und Niclas Füllkrug, kennt der gebürtige Oberpfälzer ohnehin schon aus gemeinsamen Nürnberger Tagen. Und obwohl er große Sympathien für die „zwei super Typen, die auch fußballerisch einiges draufhaben“ hegt, habe er sich im Vorfeld seines Wechsels nicht bei ihnen über seinen neuen Club erkundigt. „Ehrlich gesagt habe ich mir keinen Rat geholt. Ich wollte die neuen Eindrücke erst einmal auf mich selbst wirken lassen, deswegen habe ich nicht bei ihnen nachgefragt.“ Und offenbar ist Patrick Erras mit diesem Kurs gut gefahren, denn nicht nur der Club und die neuen Mitspieler gefallen dem Mann mit der Rückennummer 29, sondern auch seine neue Wahl-Heimat Bremen. „Ich konnte schon ein bisschen etwas von Bremen erkunden. Mein Hotel liegt relativ zentral, deswegen war ich auch schon in der Stadt unterwegs, bin ein bisschen an der Weser entlang spaziert. Und es gefällt mir richtig, richtig gut.“

Lange allein bleiben will Erras in Bremen aber nicht. Der Plan ist, dass seine kleine Familie möglichst bald nachkommt: „Meine Frau und meine Tochter werden noch herziehen, wir haben schon ein kleines Haus gefunden und ich denke, dass wir es auch spätestens nach dem Trainingslager beziehen können.“

Werder-Neuzugang Patrick Erras schwärmt schon von Bremen

Patrick Erras ist die Vorfreude auf die neue Herausforderung bei Werder Bremen zu jeder Phase der Pressekonferenz anzumerken. Imponiert haben ihm die „super Gespräche mit Herrn Baumann und dem Trainer“ und „dass Bremen ein Top-Verein in der ersten Liga ist“, deshalb habe er mit der Unterschrift nicht lange überlegen müssen. „Diese Chance wollte ich unbedingt ergreifen.“ Sportlich traue er sich zu, der Mannschaft weiterzuhelfen. Dazu will er seine Zweikampfstärke und sein gutes Passspiel in die Waagschale werfen. Den wohl größten Pluspunkt liefert allerdings Erras mit seinen Fähigkeiten bei Standards - der großen Bremer Schwäche in der abgelaufenen Saison. „Ich glaube schon, dass ich da helfen kann. Auch defensiv ist das eine Stärke von mir, die Bälle zu klären.“ Und offensiv ist Erras‘ Kopfballstärke ebenfalls nicht zu unterschätzen. In der abgelaufenen Zweitliga-Saison erzielte er alle seine drei Tore per Kopf.

Werder Bremen-Neuzugang Patrick Erras: Nicht der Schnellste, aber zuverlässig

Es passt zu Patrick Erras reflektiertem Auftritt, dass er auch sein größtes Defizit ohne Umschweife benennt: die mangelnde Schnelligkeit. „Es ist einfach so, dass es schnellere Spieler gibt als mich. Ich glaube, ich habe trotzdem schon gute Spiele gemacht – auch in der Bundesliga. Aber an der Schnelligkeit muss ich definitiv noch arbeiten.“ Angst vor einem großen Konkurrenzkampf habe er nicht. „Das ist doch völlig normal. Das ist Bundesliga hier – da ist Konkurrenzkampf ohne Ende. Da muss ich mich einfach durchkämpfen. Es ist doch völlig klar, dass noch jemand kommt und ich mich dem Konkurrenzkampf stelle.“ Eines war ihm dabei noch wichtig: Obwohl ihm die Vergleiche zum Spieler Frank Baumann einleuchten und auch schmeicheln, „will ich bei Werder Bremen meinen eigenen Weg gehen.“ (mwi)

Letzte Meldung vom 30. Juli 2020:

Neuverpflichtung Patrick Erras: „Ich wusste sofort, dass ich zu Werder Bremen möchte“

Der Urlaub war kurz, viel Zeit zum Erholen blieb nicht, aber dennoch macht Patrick Erras einen ziemlich ausgeruhten Eindruck in dem kurzen Video-Interview, das der SV Werder Bremen mit seinem Neuzugang geführt und am Donnerstagnachmittag veröffentlicht hatte.

Mit seinem Ex-Verein 1. FC Nürnberg hatte der 25-Jährige Mitte Juli noch in der Relegation gegen den Abstieg aus der 2. Liga gespielt. „In Bremen wisst ihr ja, wie anstrengend das für den Kopf ist“, schmunzelte Patrick Erras, der mit Nürnberg letztlich die Klasse hielt, danach mit Frau und Tochter in die kurzen Ferien fuhr - und nun Feuer und Flamme ist für seine neue Aufgabe bei Werder Bremen.

Werder Bremen-Neuzugang Patrick Erras: „Ich bin voller Vorfreude“

„Ich bin voller Vorfreude darauf, dass es hier in der nächsten Woche losgeht“, sagte der defensive Mittelfeldspieler, der von der D-Jugend an 13 Jahre lang für den „Club“ gespielt hatte. „Ich hatte tolle Jahre in Nürnberg, mit vielen Aufs und Abs, aber irgendwann merkt man, dass es Zeit für etwas Neues ist.“ Und wo es sportlich für ihn weitergehen sollte, stand für Patrick Erras früh fest: „Als das Interesse von Werder Bremen kam, wusste ich dass ich das machen möchte.“ Weil der Vertrag des Spielers ausgelaufen war, wechselt Erras nun ablösefrei zu Werder Bremen.

Nach seiner Unterschrift am Mittwoch fuhr der Neuzugang erstmal zurück nach Nürnberg. Am Montag wird er dann seine neue Kollegen kennenlernen, wobei er zwei Bremer aus gemeinsamen Nürnberger Zeiten bereits kennt: Kevin Möhwald und Niclas Füllkrug.

Werder Bremen: Neuzugang Patrick Erras „will seinen Teil dazu beitragen, dass es wieder besser läuft“

Natürlich ist es auch Patrick Erras nicht entgangen, dass er zu einem Verein wechselt, bei dem im vergangenen Jahr nahezu alles schief gelaufen ist. „Werder Bremen ist ein Traditionsverein in der ersten Liga, der keine gute Saison hinter sich hat. Man merkt aber, dass das jeder hier ändern will“, hat er bereits festgestellt. Und er betonte: „Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass es wieder besser läuft.“

Davon, dass er sportlich das Zeug dazu hat, ist Patrick Erras überzeugt. Zwar mochte der 1,96-Meter-Mann während des Video-Interviews nur ungern über seine Stärken sprechen, sagte dann aber doch: „Meine Größe ist ja nicht zu übersehen. Ich bin kopfballstark und habe ein sehr gutes Passspiel.“ In der vergangenen Saison erzielte Erras drei Kopfballtore. Der schnellste Spieler sei er jedoch nicht: „Daran muss ich noch arbeiten.“ Natürlich mit einem klaren Ziel vor Augen: „Ich hoffe, dass ich den Fans viele Freude bereiten werde.“ (dco)

Quelle: DeichStube

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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