Djilobodji erklärt seine Kopf-ab-Geste und entschuldigt sich: „Das gehört nicht nach Europa“

„So bin ich nicht“

Kein einfacher Medientermin für Papy Djilobodji – und der Werder-Profi hat sichtlich Schwierigkeiten, die richtigen Worte nach seiner folgenschweren Kopf-ab-Geste zu finden. - Foto: nph

Bremen - Die Hände sind tief vergraben in den Taschen seiner schwarzen Hose, zu der er schwarze Schuhe mit schwarzen Schnürsenkeln, schwarze Socken und einen schwarzen Kapuzenpulli trägt. Irgendwie passend zum düsteren Thema – und zum Karfreitag. Werder-Profi Papy Djilobodji spricht zum ersten Mal über seine Kopf-ab-Geste vor einer Woche im Heimspiel gegen Mainz und der daraus resultierenden Sperre von zwei Spielen.

Der sonst so schlagfertige Senegalese zögert in der kleinen Medienrunde in den Katakomben des Weserstadions mit der ersten Antwort. Er sucht die richtigen Worte, die dann Werder-Praktikant Remi Hebbrecht vom Französischen ins Deutsche übersetzen soll. Es wird schnell klar: Diese ganze Geschichte ist dem 27-jährigen ziemlich peinlich. „Das Ausmaß der Reaktionen hat mich ein bisschen verwundert“, sagt Djilobodji als erstes. Schon direkt nach dem Spiel hatte seine auf dem Feld ungeahndete Aktion die Berichterstattung bestimmt. Im Internet gab es zum Teil wüste Beschimpfungen. Werder-Sportchef Thomas Eichin sprach sogar von einer „Kriminalisierung des Spielers“. Doch auf diese Reaktionen geht Djilobodji gar nicht näher ein, er lenkt nicht ab, sondern stellt sich lieber selbst an den Pranger: „Meine Geste war nicht normal, und natürlich hat sie auf dem Fußballplatz nichts zu suchen. Ich möchte mich wirklich dafür entschuldigen, dass ich diese Geste gemacht habe.“

Aber wie konnte es überhaupt so weit kommen? Warum hat er den am Boden liegenden Gegenspieler Pablo de Blasis derart bedroht? Was wollte er mit der Geste bezwecken? Djilobodji zuckt mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht, warum ich das gemacht habe. So bin ich nicht. Normalerweise mache ich so etwas nicht“, weicht er zunächst noch ein bisschen aus. Dann geht er aber doch ins Detail: „Es war ein harter Zweikampf. Und ich will alle Zweikämpfe gewinnen. De Blasis lag dann am Boden, er wollte wohl einen Elfmeter rausholen. Da wollte ich ihm dann wohl sagen: ,Komm, steh auf, das war nicht so wild – spiel weiter!’“

Schiedsrichter Manuel Gräfe bekam diese gestenreiche Aufforderung nicht mit, ahndete sie deshalb auch nicht. Doch die TV-Kameras hatten alles eingefangen, der DFB-Kontrollausschuss ermittelte und beantragte eine Sperre von drei Spielen. Werder stimmte nicht zu, so musste ein Einzelrichter entscheiden, und der verkürzte die Strafe auf zwei Spiele. Begründung: De Blasis habe die Geste gar nicht richtig mitbekommen und sich nicht bedroht gefühlt. Sollte er auch nicht, beteuert Djilobodji und versucht, die Bedeutung der Kopf-ab-Geste zu beschreiben: „Die Geste wird schon ab und zu mal in Afrika gemacht. Aber es bedeutet nicht, dass man jemanden töten will. Das macht man nur, um jemanden etwas Angst zu machen. Es kann mal vorkommen in Afrika, aber es gehört hier nicht nach Europa.“

Bei aller Einsicht – die Strafe dafür empfindet der Senegalese als „ein bisschen zu hart“, doch er verzichtet auf Kritik: „Der DFB hat alles getan, um das zu analysieren. Werder hat versucht, die Strafe zu verringern. Ich akzeptiere das jetzt und schaue nach vorne.“ Es ist kein ganz angenehmer Blick. Denn der Innenverteidiger weiß, wie hart sein Ausfall die Mannschaft und damit auch den Verein trifft. Ganz speziell im Abstiegskampf. „Es tut weh, nicht spielen, nicht helfen zu können.“ Dafür war er schließlich im Winter vom FC Chelsea ausgeliehen worden. Und der 27-Jährige funktionierte gleich bestens, war sofort ein Leistungsträger. Nun fällt er drei Bundesliga-Spiele aus – in Dortmund, gegen Augsburg und Wolfsburg. Denn er muss auch noch eine Gelbsperre abbrummen. Erst am 31. Spieltag kann er im Nordderby gegen den Hamburger SV wieder mitkämpfen.

Wenig später ist er möglicherweise schon wieder weg. Im Sommer endet das Leihgeschäft. Zu einer möglichen Verlängerung seiner Bremer Zeit will er sich nicht äußern. „Was ich jetzt möchte“, sagt er nur, „ich möchte, dass die Mannschaft schnell die neun Punkte holt, die wir noch brauchen.“ Das würde gewiss alle Bremer erleichtern. Djilobodji ist immerhin schon jetzt ein kleiner Stein vom Herzen gefallen. Denn es gibt keine Fragen mehr, als er höflich in die Runde schaut. Er verabschiedet sich und geht mit einem kleinen Lächeln im Gesicht davon.  kni

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