Ousman Manneh macht sich für das Bundesliga-Team interessant

Auf dem Sprung

+
Schreibt Ousman Manneh an seinem ganz persönlichen Fußball-Märchen? Der Flüchtling aus Gambia klopft an die Tür zur Bundesliga.

Bremen - Von Carsten Sander. Wo er war? Nicht da. Ousman Manneh fehlte, als sich die Bundesliga-Profis von Werder Bremen am Mittwochmorgen zum Training versammelten. Dabei war er am Abend zuvor noch der Mann gewesen, der dem 7:0-Testspielsieg beim Landesligisten SV Wilhelmshaven die Würze gegeben hatte.

Vier Tore in nur einer Viertelstunde waren dem 18-Jährigen gelungen, dennoch ging es für ihn eine Nacht später zurück zur U23. Doch das Drittligateam wird für Manneh nur eine Übergangsstation sein. Er ist auf dem Sprung zu den Profis.

„Das hier“, sagte der Junge aus Gambia in Wilhemshaven, „ist das, wo ich hin will.“ Er meinte natürlich nicht das Jadestadion, auf dessen Rasen er noch stand, sondern die Bundesliga-Truppe des SV Werder. „Dafür arbeite ich hart“, meinte Manneh, der den Dienstag schon jetzt als wichtige Etappe in seinem Karriereplan verbuchen kann. Erster Auftritt im Kreis der Bundesliga-Spieler, vier Tore geschossen und jede Menge Lob eingeheimst – der Tag hätte schlechter verlaufen können. „Wenn ich eine Chance bekomme, nutze ich sie auch“, sagte Manneh – in diesem Fall waren aber tatsächlich die Chancen vor dem Tor und nicht das große Ganze gemeint.

Gepasst hätte freilich beides. Denn Manneh hatte beeindruckt – auch wenn der Gegner nur Wilhemshaven hieß. „Er hat gut auf sich aufmerksam gemacht und gezeigt, dass er auch für uns interessant ist. Wir haben ihn auf dem Zettel“, erklärte Co-Trainer Torsten Frings und hatte dabei natürlich die seit dem Weggang von Franco Di Santo mehr als angespannte Situation im Angriff im Blick: „Wir haben an Stürmern nicht die Riesenauswahl.“

Umso schöner wäre es, wenn einer aus den eigenen Reihen nachrückt. Ousman Manneh könnte zu einer echten Alternative werden – wenn seine Entwicklung mit den Erwartungen Schritt hält. „Dass er was drauf hat, ist klar. Sonst wäre er nicht bei uns. Aber er ist erst 18 Jahre alt, da muss man vorsichtig sein“, meinte Frings.

Von ihm und seinem Chef Viktor Skripnik ist nun Fingerspitzengefühl gefordert. Soll Manneh direkt in den Profi-Betrieb eingebunden werden? Oder doch noch bei der U23 heranreifen? Mannehs Abwesenheit gestern Morgen zeigt, dass wohl vorerst das Nachwuchsteam die Basis für ihn bleibt. Doch dass sich das schnell, vielleicht sogar sehr schnell, ändern kann, bestätigte Torsten Frings: „Möglich, dass er sofort bei uns mittrainiert. Die Frage ist auch, ob wir ihn mit nach London nehmen, um ihn dort zu testen.“

Am Sonntag gastiert Werder bei West Ham United – es wird der Abschluss der Saisonvorbereitung und die Generalprobe für das DFB-Pokalspiel bei den Würzburger Kickers am 8. August. Für Ousman Manneh wäre dieser internationale Vergleich ein Riesensprung. Aber wie gesagt: Entschieden ist noch nichts.

Skripnik deutete gestern an, Manneh, der in Wilhemshaven noch ohne Namenszug auf dem Trikot aufgelaufen war, eher langsam ans Bundesliga-Team heranführen zu wollen. „Wenn er sich weiter in der dritten Liga profiliert, bin ich fest davon überzeugt, dass er bei uns nicht nur trainieren, sondern auch spielen kann“, sagte der Ukrainer dem „Sportinformationsdienst“. Der Chefcoach warnte aber auch: „Jeder weiß, dass Talent nur 20 Prozent ausmacht. Er muss weiter akribisch und hart arbeiten.“

Ousman Manneh ist dazu mehr als bereit. Denn Werder Bremen ist für den West-Afrikaner die Chance seines Lebens. Vor etwas mehr als einem Jahr kam er als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Bremen. Ahnungslos, wie es für ihn, dem Talent aus der Rush Soccer Academy in der Küstenstadt Bakau, weitergehen würde. Das U19-Regionalligateam des Blumenthaler SV wurde schließlich seine erste Station, an seinem 18. Geburtstag am 10. März unterschrieb er dann bei Werders U23 einen Vertrag bis 2018. Nun klopft er an die Tür zur Bundesliga.

Sollte ihm tatsächlich eine Karriere als Profi gelingen, wird man sicherlich irgendwann vom Manneh-Märchen sprechen. Das erste Kapitel ist gerade in Arbeit, die Seiten füllen sich zusehends. Die Wilhelmshaven-Story ist erzählt – nur eins fehlt noch: die letzte Frage und die letzte Antwort im Jadestadion. Ob Werder in ihm möglicherweise schon den Nachfolger für Franco Di Santo gefunden hat, wollte ein Journalist wissen. Ousman Manneh lächelte verlegen, sagte: „Ja, vielleicht.“

Lockerer Sieg beim Landesligisten 

Mehr zu Ousman Manneh: Aus Gambia in Werders U23 - Flucht ins Glück

Mehr zum Thema:

Retter geben Hoffnung auf Lawinen-Überlebende nicht auf

Retter geben Hoffnung auf Lawinen-Überlebende nicht auf

Werder-Training am Sonntag

Werder-Training am Sonntag

Januar-Auktion des Hannoveraner Verbandes Verden

Januar-Auktion des Hannoveraner Verbandes Verden

So ergreifend war das erste Spiel von Chapecoense nach dem Flugzeug-Absturz

So ergreifend war das erste Spiel von Chapecoense nach dem Flugzeug-Absturz

Meistgelesene Artikel

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Rot für Drobny und andere Dummheiten

Rot für Drobny und andere Dummheiten

Fritz: "Müssen uns über die Niederlage ärgern"

Fritz: "Müssen uns über die Niederlage ärgern"

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

Kommentare