Ousman Manneh schreibt Bundesliga-Geschichte

„Ein ganz lieber Junge“

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Ousman Manneh war am Sonnabend gefragt - bei Journalisten wie Fans.

Bremen - Von Malte Rehnert. Ousman Manneh war der gefragteste Mann. Der 19-Jährige musste am Samstagabend in der Mixed-Zone des Weserstadions vor jede Kamera, vor jedes Mikrofon, vor jeden Schreibblock. Alle wollten wissen, wie er sich denn so fühlt – als Matchwinner bei Werders 2:1 gegen Leverkusen und nach seinem ersten Bundesliga-Tor. Die Antwort des Stürmers war eigentlich immer die gleiche: „Das ist mein größter Moment. Ich weiß gar nicht, was passiert ist, ob ich träume. Es ist unglaublich.“

Die Geschichte des jungen Mannes, der 2014 als Flüchtling aus seinem Heimatland Gambia in Westafrika nach Bremen gekommen war, gleicht immer mehr einem Märchen. Vor wenigen Wochen die Beförderung in den Profikader, dann der erste Einsatz – und nun der erste Treffer eines Gambiers in der Bundesliga. „Das macht mich sehr stolz“, sagte Manneh auf Englisch und lächelte zufrieden. Für ihn hatte sich an diesem 15. Oktober 2016 aber nicht nur der Traum vom Premieren-Treffer erfüllt, er kam auch einem seinem Kindheitsidole ganz nahe: Leverkusens Javier „Chicharito“ Hernandez. „Gegen ihn zu spielen, ist unbeschreiblich“, schwärmte Manneh, der diesmal effektiver war als der mexikanische Torjäger.

Danach hatte es zunächst noch nicht ausgesehen. Manneh ließ eine Riesenchance ziemlich fahrlässig liegen. Aber dann kam die 59. Minute, die er selbst wie folgt schilderte: „Ich habe gedacht: Stell' dich einfach mal an den Elfmeterpunkt. Vielleicht kommt der Ball ja dahin.“ Kam er nach Zlatko Junuzovics abgeblocktem Schuss tatsächlich. Manneh vollstreckte im Fallen zum entscheidenden 2:1 und freute sich hinterher: „Hat doch prima geklappt mit meinen langen Beinen...“

Besonders dankbar ist der 19-Jährige seinem Coach Alexander Nouri, der ihn aus der U23 hochgezogen und dann sofort eingesetzt hat: „Seinetwegen bin ich jetzt hier. Er gibt mir das Vertrauen.“ Dieses Vertrauen zahlt er zurück – momentan quasi mit großen Scheinen. Sehr zur Freude von Nouri: „Ous ist ein absoluter Teamplayer, der den Fußball lebt und sich mit dem Tor belohnt hat.“ Bei aller Euphorie dürfe man „jetzt aber den Druck und die Erwartungen nicht zu groß werden lassen“.

Natürlich ist Manneh mit seinen gerade mal vier Bundesliga-Spielen ein Lehrling, bei dem längst nicht alles klappt. Aber er arbeitet hart daran, sich zu verbessern. „Jeder Tag ist ein neuer Tag, um zu lernen“, meinte er. Eine Einstellung, die bei Werder sehr gut ankommt. „Er ist ein ganz lieber Junge, der auf Ratschläge hört und Hilfestellungen annimmt“, sagte Kapitän Clemens Fritz: „Seine Entwicklung kommt nicht von ungefähr.“ Wie rasant es für den Shootingstar bei Werder weitergeht, wird sich zeigen – spätestens dann, wenn die Offensivstars Claudio Pizarro und Max Kruse wieder fit sind. Dann droht Manneh die Bank.

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