Bei Kramer sieht Werders Neuzugang, wie sich eine Ausleihe auszahlen kann

Öztunali orientiert sich an einem Weltmeister

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Levin Öztunalis Ziel bei Werder ist klar – er will Stammspieler werden: „Das wäre optimal.“

Belek - Eigentlich ist Levin Öztunali ein eher zurückhaltender Gesprächspartner. Seine Antworten kommen wohl überlegt, manchmal zögerlich. Doch bevor die Fragerunde mit ihm beginnt, gibt es gleich eine klare Ansage für alle: Über die Themen HSV und Opa Uwe Seeler will er nicht mehr sprechen.

„Das hatten wir doch schon alles“, sagt Öztunali, und es lässt sich an der Tonart erkennen, wie genervt er davon ist, dass er – speziell in Bremen – auf diese beiden Eigenschaften reduziert wird: der Ex-Hamburger im Werder-Trikot, der Seeler-Enkel in der Bundesliga. Dabei geht es dem 18-Jährigen doch darum, während der auf eineinhalb Jahre befristeten Ausleihe von Bayer Leverkusen an den SV Werder das eigene Profil zu schärfen.

Öztunali glaubt, dass er mit Werder und Coach Viktor Skripnik die optimale Wahl getroffen hat. „Hier hat der Trainer schon bewiesen, dass er auf junge Spieler setzt. Das ist der Grund, warum ich hier bin. Ich brauche mehr Spielpraxis“, sagt der 18-Jährige. Und Werder braucht Hilfe im Abstiegskampf. Ob beide bekommen, was sie wollen?

Coach Skripnik kann zwar nicht in die Zukunft schauen, um die Frage zu beantworten. „Aber ich sehe, welche Klasse Levin hat. Ich hoffe, er kann bei uns eine gute Rolle spielen“, sagt er über den bislang einzigen Winter-Neuzugang des SV Werder. Dass der im ersten Testspiel gegen Energie Cottbus (3:2) gleich auf die Spielmacherposition gestellt wurde, mag dem Charakter des Spiels entsprechend ein Versuch gewesen sein. Doch zum einen war Skripnik sehr zufrieden mit Öztunalis Vorstellung („Er hatte sehr gute Aktionen durch die Mitte, das ist genau das, was wir wollen“), zum anderen hat Werder auf der „10“ großen Bedarf – wofür sonst, wenn nicht für diese Position, sollen die Bremer Öztunali also geholt haben?

Der Mittelfeldspieler sagt, ihn schrecke die Aufgabe nicht: „Das Zentrum liegt mir am besten. In der Jugend war ich zwar meistens ein Achter, manchmal aber auch der Zehner. In einer Raute kann ich eigentlich jede Position besetzen.“ Ihm sei es im Grunde völlig egal, wo er spielt, „ich freue mich einfach, wenn ich auf dem Platz stehe“.

Aber wie gesagt: Werder ist keine Aufzuchtstation für talentierte Fußballer. Werder ist ein Club im Abstiegskampf. Daher braucht es eigentlich gestählte Kämpfer, Männer mit Erfahrung. Kapitän Clemens Fritz mahnt jedenfalls genau das an. Mehr Erfahrung im Team „würde uns sicher gut tun“, sagt er: „Ich will uns nicht schlechtreden, wir haben Potenzial im Kader. Aber ich sage auch: Uns darf nicht viel passieren, was Verletzungen angeht.“

Und mit einem Teenie auf der wichtigsten Mittelfeldposition in die Rückrunde zu gehen, wäre ein zusätzliches Wagnis. Wenngleich auch Fritz in der ersten Trainingswoche schon ausgemacht hat, dass Öztunalis Talent das hergibt: „Ich traue ihm die Rolle zu. Levin verfügt über eine hohe spielerische Qualität. Aber wir dürfen keine Wunderdinge von ihm erwarten. Er ist noch ein sehr junger Spieler.“

Der sich mutig das Reizklima Abstiegskampf ausgesucht hat, um zu reifen. „Wenn man mal ein Spiel nicht spielt, ist das auch kein Weltuntergang“, sagt Öztunali über seine Erwartungen: „Aber ich möchte natürlich so viel wie möglich spielen.“ Und ein Stammplatz „wäre optimal“.

Diese Aussagen machen deutlich, dass sich der U19-Europameister – anders als in Leverkusen – nicht mehr hinten anstellen will. Nachdem er bei der Werkself den Spagat aus Abitur („Das war mir wichtig“) und Einstieg in den Profi-Fußball geschafft hat, soll es jetzt mit Vollgas nach vorne gehen. Raus aus der Seeler-Enkel-Ecke, rein in die Öztunali-Rolle: „In Leverkusen konnte ich mir viel abgucken und viel lernen. Jetzt ist der Punkt erreicht, dass ich selbst spielen muss und meine eigenen Erfahrungen mache.“

Wie eine Ausleihe einen jungen Spieler voranbringen kann, hat Levin Öztunali an Christoph Kramer beobachtet. Bei Bayer Leverkusen zunächst von anderen Top-Spielern blockiert, erlebte er bei Borussia Mönchengladbach eine Entwicklungsexplosion, wurde Nationalspieler, sogar Weltmeister. Am Saisonende kehrt er nun zu Bayer zurück. Als fertiger Spieler. „Er ist das beste Beispiel, wie es laufen kann“, meint Öztunali. Zwar hat Leverkusen in jeder Transferperiode das vertragliche Recht, ihn aus Bremen zurückzubeordern, aber der Spieler glaubt nicht daran: „Ich gehe davon aus, dass ich die vollen eineinhalb Jahre bei Werder bleibe.“

Positiver Nebeneffekt der Ausleihe: Er ist jetzt wieder dichter an Hamburg, kann schnell mal in die Heimat fahren. „Levin sagt, es ist sein Traum, nach dem Training nach Hause fahren zu können und am nächsten Tag zurückzukommen“, verrät Skripnik. Aber ein Dauerpendler wird aus Öztunali nicht werden: „Ich bin jetzt Bremer, also wohne ich in Bremen.“

csa

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