Obraniaks erster Tag bei Rizespor

Alles eine Nummer kleiner

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Ludovic Obraniak hat gestern zum ersten Mal mit Rizespor trainiert.

Belek/Bremen - Von Enver Dogan. Es haben sich nur wenige Zaungäste eingefunden. An einer Hand können die türkischen Fans abgezählt werden, die das dürftige Empfangskomitee bilden. Ein Kameramann und ein Fotograf sind ebenfalls erschienen auf der Sportanlage des Soho-Hotels in Belek, die nicht verbergen kann, dass sie in die Jahre gekommen ist. Also mitnichten eine großartige Begrüßung für Ludovic Obraniak, der Leihgabe von Werder Bremen, die gestern auf dem Platz mit Blick auf das Mittelmeer den ersten Arbeitseinsatz für den aktuellen Arbeitgeber Caykur Rizespor erledigt.

Obraniak strahlt dennoch, als er den Rasen betritt. Obwohl erst am Vorabend auf dem Flughafen in Antalya gelandet und spät im Mannschaftshotel angekommen, wirkt er nicht übermüdet. Der 30-Jährige will vor den Augen des Trainers Hilkmet Karaman gleich glänzen. „Ich möchte endlich wieder Fußball spielen“, sagt Obraniak und klagt: „Bei Werder hatte ich kaum eine Chance. Ich musste handeln, um nicht den Spaß am Fußball zu verlieren.“

Der polnische Nationalspieler, mittlerweile von der Nationalelf so weit entfernt wie sein neuer Verein vom türkischen Meistertitel, sagte Ja zum Leihgeschäft. Zunächst bis zum Sommer wird er für den Verein von der Schwarzmeerküste auflaufen. „Das ist kein Schritt zurück in meiner Karriere“, betont Obraniak und verweist auf sein Alter: „Das ist im Moment einfach die beste Option für mich.“

Vor einem Jahr hatte Werder 1,8 Millionen Euro Ablöse für den Linksfuß an Girondins Bordeaux überwiesen, in dieser Höhe bewegt sich nun auch die Summe der Kaufoption der Türken. Rizespor übernimmt das komplette Gehalt (circa 500 000 Euro bis Sommer) des Mittelfeldspielers, für den Bremen und die Bundesliga eine Nummer zu groß gewesen sind.

Nun ist für ihn alles eine Nummer kleiner. Seine Bremer Kollegen logierten im Regnum Carya, der neuen Nobelherberge im Touristenparadies an der türkischen Riviera. Luxus pur in jeder Hinsicht. Obraniaks türkischer Club bietet das genaue Gegenteil. Der Tabellensechzehnte der Süper Lig hat sich im „Ela Quality Resort“ einquartiert, einem All-Inclusive-Hotel der mittleren Preisklasse. Die Werder-Profis konnten zu Fuß gehen oder wurden in Golf-Carts zum Training gefahren. Die Rizespor-Spieler werden mit dem Mannschaftsbus zehn Minuten zur Soho-Anlage kutschiert, wo zuvor ein russischer Zweitligist namens Gasowik Orenburg geübt hat.

Alles zweite Kategorie, eine gewaltige Umstellung für Obraniak, der sich wie in einer anderen Welt vorkommen muss. Der 30-Jährige sagt aber: „Rizespor ist eine gute Wahl. Die Stadt, das Stadion und der Verein gefallen mir wirklich, sonst hätte ich doch nicht zugestimmt.“ Im Sommer, als eine Luftveränderung schon mal anstand, hatte er noch abgelehnt.

Auch diesmal zögerte Obraniak lange. „Erst musste ich alles mit meiner Familie regeln“, so Obraniak, der zwischenzeitlich nach Bremen geflogen war, um mit seiner Frau Lora den erneuten Ortswechsel zu diskutieren. Die Familie, zu der auch die Kinder Mary und Gabriel zählen, war erst vor Saisonbeginn an die Weser gezogen. Und bleibt bis Sommer auch dort. Obraniak: „Ich schaue mir alles an, und werde dann im Sommer entscheiden, was wird.“ Eine Rückkehr zu Werder ist nicht ausgeschlossen – und Obraniak blickt auch nicht im Zorn auf das vergangene Jahr: „Ich bereue es nicht, zu Werder gegangen zu sein. Es war eine neue Erfahrung, und jetzt wartet die nächste Erfahrung auf mich.“

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