Ex-Bremer schreibt in seiner DeichBlick-Kolumne über Werder

„Wer den Lauten macht, wird jetzt mit Gelb verwarnt – daran müssen wir uns noch gewöhnen“

Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Thomas Schaaf, Nils Petersen, Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann und Sebastian Prödl schreiben über den SV Werder Bremen.
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Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Thomas Schaaf, Nils Petersen, Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann und Sebastian Prödl schreiben über den SV Werder Bremen.

Von Nils Petersen. Wow! Was ein Pokal-Fight – Werder Bremen hat alles reingehauen und sich am Ende belohnt. Ich wünsche den Bremern, dass der Sieg gegen den BVB einen kräftigen Schub für den Abstiegskampf gibt.

Am Ende ist Fußball tatsächlich Kopfsache – das habe ich an dieser Stelle aber schon mehrmals geschrieben und soll jetzt nicht wieder Thema sein. Wobei, irgendwie doch, denn es geht um Emotionen und den Umgang zwischen Spielern und Schiedsrichtern.

Um ehrlich zu sein, war ich mir im ersten Moment sicher: das gibt Rot für Niklas Moisander! Der Werder-Kapitän hatte BVB-Talent Giovanni Reyna am Kragen gepackt. Schiedsrichter Guido Winkmann verwarnte beide Spieler. Kein Elfmeter für den BVB, kein Platzverweis für Moisander, weil Reyna zuvor eine Schwalbe gemacht hatte. Eine nachvollziehbare Entscheidung, wie ich finde. Aber, ich kann durchaus verstehen, dass Borussia Dortmund damit nicht glücklich ist. 

Werder Bremen: Bemerkenswert, „wie ruhig die BVB-Spieler geblieben sind“

Umso bemerkenswerter, wie ruhig die BVB-Spieler nach der Moisander-Szene geblieben sind. Wohl aber auch, weil eine neue Regel besagt: Wer den Lauten macht und sich beim Schiedsrichter beschwert, wird mit Gelb verwarnt. Das ist gut und richtig, aber wir Spieler müssen uns daran auch erst mal gewöhnen.

Jetzt bin ich keiner, der auf dem Platz viel quatscht und /oder mit dem Schiedsrichter lautstark diskutiert. Aber für viele Spieler gehört das dazu, ist Teil ihres Spiels. Meistens bringt das nicht allzu viel, aber den Schiedsrichter immer wieder darauf hinzuweisen, dass man mit seiner Art zu pfeifen nicht einverstanden ist, kann ihn am Ende womöglich doch dazu bewegen, die nächste Szene (unbewusst) anders zu bewerten.

Nils Petersen: „Neue Schiedsrichter-Regel sinnvoll, aber der Umgang ist ein Prozess“

So viel zum Kalkül, die andere Sache sind Emotionen. Gerade im Abstiegskampf können schon mal die Pferde mit einem durchgehen, wenn man sich vom Schiedsrichter ungerecht behandelt fühlt. Hinzu kommt, dass es bislang ja irgendwie in Ordnung war, zu diskutieren, sich zu beschweren, mit der neuen Regel aber eben nicht mehr. Über Jahre „durften“ wir Spieler so agieren – jetzt ist damit plötzlich Schluss. Ich glaube, dass die neue Regel sinnvoll ist, aber der Umgang damit ist ein Prozess. 

Wir Spieler müssen lernen, dass die Grenzen klarer definiert sind, die Regel gleichermaßen für alle gilt - immer. Dennoch wird es oft genug Situationen geben, in denen wir unsere Emotionen nicht im Griff haben, in denen es mal knallt. Dann gibt es eben Gelb - für mich ist das okay. Das gehört jetzt zum Fußball, genauso wie die Emotionen - aber das müssen wir erst noch lernen.

Nils Petersen

Zur Person: Nils Petersen kam 2012 vom FC Bayern München zum SV Werder. Für die Grün-Weißen erzielte er in 72 Pflichtspielen 18 Tore und bereitete neun weitere vor, ehe er im Januar 2015 zum Bundesliga-Konkurrenten SC Freiburg transferiert wurde. Im Breisgau ist Petersen – wie auch schon in Bremen – Publikumsliebling. Kurz vor der WM 2018 feierte er mit 29 Jahren sein Debüt im deutschen Nationalteam.

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