Kolumne: Nils Petersen schreibt für die DeichStube

„Das Abstiegsgespenst als Reisebegleiter? Nein, danke!“

Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Thomas Schaaf, Nils Petersen, Andreas Herzog, Rolf Fuhrmann und Sebastian Prödl.

Von Nils Petersen. Hätten wir das also auch mal wieder geschafft: Die Bundesliga hat allen Fußballjunkies zum Trotz pausiert und vermutlich die Herzen vieler Familienmütter höher schlagen lassen.

Ausflüge fernab des Weserstadions, Butterkuchen statt Bratwurst, H&M anstelle des Fanshops. So eine Länderspielpause hat für den einen oder anderen sicher seine Vorzüge, aber mir ist es dann doch lieber, wenn der Ball in der Bundesliga rollt!

Die freien Wochenenden werden von uns Spielern von langer Hand geplant. Die Flughäfen, Bahnhöfe und Autobahnen sind die Ziele nach dem letzten Training – die Koffer werden vorbildlich am Vortag gepackt, Lunchpakete beim Bäcker organisiert und direkt nach den letzten Trainingsmetern beginnt die Reise-Hektik, um keine wertvolle Minute zu verlieren. Die Verabschiedungen gleichen dann einem letzten Schultag, wenn es in die Ferien geht. Nur dass wir uns am Montag schon wiedersehen und die gefühlten Ferien – statt auf dem Pausenhof – nach dem Training in der Sauna ausgewertet werden.

Spätestens in dem Moment merkt man ja oft, dass das eigene Wochenende, ganz egal wohin es einen verschlagen hat, schier langweilig war, im Vergleich zu dem, was die anderen erlebt haben. Auf den sozialen Netzwerken von uns Kickern sieht man nicht selten Ozeane, Clubs, Jets und Shopping-Malls. Wobei Facebook, Instagram und Co. in dieser Hinsicht auch nachteilig sein können: Neid entsteht, nur die schönsten Momente werden festgehalten und die Trainer können uns ohne Detektive orten. Im Fußballjargon ein klares Eigentor und wehe dem, den es zum Wochenstart irgendwo zwickt!

Couch-Verbot, raus an die frische Luft!

Aber auch ich werde älter und ich weiß, dass es mir mein Körper dankt, wenn ich ihn wie am vergangenen Wochenende schone und die freien Tage in Freiburg verbringe. Natürlich wäre ich auch gerne in meiner Heimat gewesen, um meine Familie zu sehen, aber das war zu meinen Werder-Zeiten aufgrund der Nähe einfacher. Freiburg ist halt der letzte Zipfel auf der Landkarte.

Nur zu Hause rumlümmeln ist aber auch nicht drin! Dann bekomme ich Druck von meiner Freundin: Couch-Verbot, raus an die frische Luft! Zugegeben, ein bisschen Kultur schadet mir auch nicht – und Werder- bzw. Freiburgspieler haben wenigstens genügend Angebote vor der Haustür. Als ich noch Grün-Weißer war, bin ich oft Richtung Nordsee gefahren oder ich habe die Stadt besser kennengelernt. Ich wurde nie enttäuscht. Auf einer dieser Erkundungs-Touren habe ich übrigens erstmals Bremer Knipp probiert – eine Spezialität, die Auswärtige normalerweise wohl nur mit einer Augenbinde vernaschen würden.

Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß

Mit einem Sieg im Rücken lassen sich solche bundesligafreien Wochenenden natürlich besser genießen. Wir konnten uns gegen Hoffenheim befreien und das wünsche ich nun auch dem SVW. Gegen uns war Werder nah dran an einem Sieg, aber gegen Mönchengladbach muss der wiedergenesene und vermisste Juno vielleicht einfach mal wieder seine Freistoßkünste auspacken und die Defensive so stabil stehen, wie zuletzt – dann kann was gehen! Im Fußball heißt es oft, man müsse sich auch mal selbst belohnen. Eine Floskel, an der viel Wahres dran ist.

Wenn du so wie Werder viel investierst, aber keinen Sieg einfährst, ist das sehr frustrierend. Auf der Gegenseite braucht es oft nur diesen einen Moment, um einen positiven Trend auszulösen. Die Psyche eines Spielers ist dabei unglaublich wichtig für den Erfolg! „Wenn's läuft, dann läuft's“, ist noch so eine Floskel, die aus meiner Erfahrung häufig zutrifft. „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“, allerdings auch. Als Stürmer hatte ich oft genug Phasen, in denen der Ball einfach nicht rein wollte. Ich konnte dann nachts nicht schlafen, bin die Szenen alle noch mal durchgegangen und habe gegrübelt, woran es liegen könnte. Und dann gibt es Phasen, in denen geht fast alles wie von selbst.

Die nächste Länderspielpause kommt bestimmt...

Ich hoffe für Werder, dass die Mannschaft jetzt mal in eine solche Phase kommt, in der vieles zusammenpasst, damit gegen Gladbach drei Punkte herausspringen. Denn das nächste bundesligafreie Wochenende steht uns bereits im November bevor – und Ausflüge mit dem Abstiegsgespenst auf dem Beifahrersitz machen keinen Spaß – weder den Bremern noch den Freiburgern.

Nils Petersen

Zur Person: Der 28-jährige Stürmer kam 2012 vom FC Bayern München zum SV Werder Bremen. Für die Grün-Weißen erzielte er in 72 Pflichtspielen 18 Tore und bereitete neun weitere vor, ehe er im Januar 2015 zum Bundesliga-Konkurrenten SC Freiburg transferiert wurde. Im Breisgau ist Petersen – wie auch schon im Bremen – Publikumsliebling. Seine Bilanz: 85 Pflichtspiele, 47 Treffer, 11 Assists. Bemerkenswert: Mit 19 Toren als Einwechselspieler ist Petersen der erfolgreichste Joker der Bundesliga-Geschichte.

Weitere Kolumnen aus der DeichStube

-Thomas Schaaf: „Ich liebe Nordderbys“

-Sebastian Prödl: „Viel zu früh für eine Trainerdiskussion“

-Nils Petersen: „Ich bin wohl eher Discount-Ware“

Quelle: DeichStube

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