Routinier über Abstiegskampf und Zukunft

„Gut genug für die Liga“: Kapitän Niklas Moisander glaubt an seine und an Werders Stärke

Bei seinen bisher sechs Startelf-Einsätzen für Werder Bremen in dieser Bundesliga-Saison blieb Niklas Moisander ohne Sieg.
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Bei seinen bisher sechs Startelf-Einsätzen für Werder Bremen in dieser Bundesliga-Saison blieb Niklas Moisander ohne Sieg.

Bremen – Mit 35 Jahren ist er der älteste Spieler im Kader des SV Werder Bremen. Und in dieser Saison hat Niklas Moisander auch noch seinen Stammplatz an einen jüngeren im Team verloren, an Marco Friedl (23). So gehen im Fußball oft Karrieren zu Ende. Doch Moisander denkt gar nicht daran, sich jetzt damit zu beschäftigen. Der Finne, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, lässt in einer Medienrunde nicht nur seine Zukunft offen, sondern betont zugleich: „Ich bin noch gut genug für die Bundesliga.“ Er wird es beweisen können – als Ersatz des verletzten Abwehrchefs Ömer Toprak.

„Es ist sehr schade, dass Ömer ausfällt. Er hat sehr gut gespielt“, sagt Niklas Moisander. Aber nicht er alleine, nur das gesamte Team könne so einen Verlust ausgleichen. Und da ist der Kapitän des SV Werder Bremen guter Dinge, auch was grundsätzlich den Kampf um den Klassenerhalt betrifft. „Wir haben in dieser Saison gezeigt, dass wir eine richtige Mannschaft sind. Wir machen alles füreinander. Wir hören nie auf!“, setzt der ansonsten eher nicht so wortgewaltige Finne fast zur Kampfansage an und verbreitet in einer Woche, in der die Angst vor dem Abstieg nach Bremen zurückgekehrt ist, sehr viel Optimismus in Sachen Klassenerhalt: „Ich bin überzeugt davon, dass wir das schaffen.“

Werder Bremen: Niklas Moisander schmerzt Verlust des Stammplatzes immer noch

Und Moisander ist jemand, der sich durchaus mit Abstiegskampf auskennt. Das hat er bei Werder Bremen gelernt. Vor knapp fünf Jahren war er von Sampdoria Genua an die Weser gewechselt. Fast immer musste er sich danach mit dem Thema Klassenerhalt beschäftigen. Am Ende blieben seine Bremer stets drin. Nur er nicht im Team. Der Verlust des Stammplatzes zu Saisonbeginn schmerzt ihn noch immer, das ist nicht zu überhören. „Es ist kein Spaß, nicht zu spielen“, gesteht Moisander: „Aber ich habe in diesem Jahr gelernt, auf mich zu schauen.“ Das bedeutete, sich im Training voll reinzuhängen, „immer mein Bestes zu geben“, wie er es beschreibt, um dann für den Moment der Rückkehr ins Spiel bereit zu sein. Und das war er – vor allem im DFB-Pokal. In allen vier Partien stand der Ex-Nationalspieler jede Minute auf dem Platz und ließ mit seinen Kollegen kein Gegentor zu. Vereinsrekord eingestellt. Aber die Gegner kamen auch allesamt nicht aus der ersten Liga.

Im Fußball-Oberhaus ist Moisanders Weste dagegen längst nicht so weiß. Bei seinen sechs Startelf-Einsätzen erlebte er keinen Sieg, sondern nur drei Unentschieden und drei Niederlagen. Die letzten beiden Gegner von Niklas Moisander in der Liga hießen allerdings auch FC Bayern (1:3) und RB Leipzig (1:4). Nun geht es am Sonntag nach Dortmund – mit einem gewissen Erling Haaland im Sturm. „Er ist so ein großes Talent, den kannst du nicht alleine aus dem Spiel nehmen“, fordert Moisander vor dem Duell mit dem Weltklasse-Angreifer einmal mehr das Bremer Kollektiv – und nicht nur das: „Wir müssen zwei Sachen verbessern: Erstens im Strafraum aggressiver sein als gegen Leipzig, und zweitens mehr Tore machen. Wir müssen insgesamt einfach schärfer sein.“

Werder Bremen: Niklas Moisander will erst nach Saison-Ende eine Zukunfts-Entscheidung treffen

So spricht ein Kapitän. Es ist zu spüren, dass er diese Rolle nun wieder mehr einnehmen will als in der Vergangenheit. Nachvollziehbar. Als Reservist ist es immer problematisch, die Leistung der Kollegen auf dem Platz öffentlich zu bewerten. Es bestünde schnell der Verdacht, damit auch seine eigene Rolle verbessern zu wollen. Und natürlich will Niklas Moisander spielen, so wie er es eigentlich immer in seiner Karriere getan hat. Der Finne war stets Stammspieler.

„Es ist das erste Mal anders“, sagt er. Aber das sei nun absolut zweitrangig. Gerade im Endspurt einer Saison gehe es nicht mehr um persönliche Dinge. Deswegen will er auch nicht über seine Zukunft reden, obwohl der Vertrag am 30. Juni ausläuft. „Ich verstehe ja die ganzen Fragen und Spekulationen“, antwortet er ganz freundlich, um das Thema dann schnell wieder zu beenden: „Aber das ist jetzt nicht der Moment, darüber zu sprechen. Ich will mich voll und ganz auf die aktuelle Situation fokussieren. Nach dem letzten Spiel werde ich dann mit meiner Familie eine Entscheidung treffen.“

Niklas Moisander mit Werder Bremen im Abstiegskampf: „Die Besten müssen spielen, egal, wie alt sie sind“

Auf ein Karriereende deutet nichts hin. Beim 35-Jährigen ist noch sehr die Lust auf Fußball, und zwar auf Profi-Fußball zu spüren. Eine Vertragsverlängerung bei Werder Bremen ist aufgrund seines Alters eher unwahrscheinlich, die Grün-Weißen wollen ihr Team eigentlich weiter verjüngen. Weil Moisanders Frau eine Schwedin ist, wird bereits spekuliert, dass er künftig für einen Club in Stockholm spielen könnte. Dort will die Familie schließlich irgendwann sesshaft werden, hat Frau Moisander mal verraten. Doch das alles muss noch ein paar Wochen warten, vielleicht auch länger.

Die volle Konzentration gilt dem Saison-Endspurt. „Wenn wir nicht punkten, dann wird es gefährlich“, warnt Moisander, macht sich aber keine Sorgen, dass ein Spieler die Lage unterschätzen könnte oder mit dem Druck überfordert wäre: „Wir wussten von Anfang an, dass es bis zum Ende der Saison spannend bleiben kann.“ Die Mannschaft sei definitiv auf einen Krimi vorbereitet. Die Art und Weise, wie dabei gespielt werde, sei „nicht so wichtig“. Es gehe jetzt einzig und allein um den Klassenerhalt. „Die Besten müssen spielen, egal, wie alt sie sind“, findet Moisander, der mit 35 Jahren älteste Spieler im Kader des SV Werder Bremen. (kni)

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