Wechsel des Argentiniers bringt die Bremer in große Not

Nach dem Schock: Werder sucht den neuen Di Santo

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Franco Di Santo verlässt Werder.

Bremen - Von Malte Rehnert und Carsten Sander. Thomas Eichin hätte sich einen Anruf gewünscht. Nur einen kurzen, in dem Franco Di Santo persönlich erklärt, wieso es kam, wie es gekommen ist. Aber Di Santo rief nicht an – jedenfalls nicht bis gestern Nachmittag. „Er hat wohl“, mutmaßte der Werder-Geschäftsführer, „ein schlechtes Gewissen“.

Es wäre nachzuvollziehen. Denn Di Santo hat sich nach einer langen und von ihm initiierten Hängepartie doch noch aus seinem bis 2016 laufenden Vertrag in Bremen verabschiedet. Mit Hilfe der Sechs-Millionen-Ausstiegsklausel wechselt er zum FC Schalke 04. Zurück bleibt ein Club, der zwar wirtschaftlich gesehen ein gutes Geschäft gemacht hat (Franco Di Santo kam vor zwei Jahren ablösefrei aus England), aber sportlich vor einem richtig dicken Problem steht: Wer soll den besten Bremer Torschützen in der kommenden Saison ersetzen?

Diese Frage wird Eichin und seinen Mitstreiter, Sportdirektor Rouven Schröder, in den Wochen bis zum Transferschluss am 31. August mehr als beschäftigen. Sie wird sie stressen. Die Zeit ist knapp, das Angebot an Stürmern, die im Idealfall an das Di-Santo-Format heranreichen, jedoch dürftig. „Wir wollen so schnell wie möglich eine Lösung finden“, sagt Eichin, „aber wir werden keine fünf bis zehn Millionen Euro ausgeben. Das wollen wir nicht mehr.“ Trotz der Sechs-Millionen-Einnahme. Die könne ohnehin nicht in vollem Umfang reinvestiert werden, heißt es. Grund: der wirtschaftliche Konsolidierungskurs.

Sparen und dennoch das sportliche Level halten – das ist der Anspruch bei der Nachfolgersuche. Für Eichin ist das nichts Neues, leicht macht es seinen Job aber auch nicht. Speziell nicht in diesem Fall. Stürmer, die wie Di Santo für 13 Saisontore gut sind, kosten eben. Über Kandidaten lässt sich zu diesem Zeitpunkt nur spekulieren. Claudio Pizarro wird zwar von vielen Fans gefordert und auch von Eichin als „Legende“ verehrt, hat aber mit mittlerweile 36 Jahren seinen Zenit überschritten. In der Vergangenheit hatten sich sowohl der Peruaner als auch Werder negativ über eine Rückkehr geäußert. Aktuell sagt Eichin nichts zu Namen.

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Die Spekulationen schießen dennoch ins Kraut. Der Slowene Robert Beric (24/Marktwert drei Millionen Euro) von Rapid Wien war bereits vor der Verpflichtung von Anthony Ujah als Nachfolger von Davie Selke im Gespräch und gerät nun wieder in den Fokus. Der beim VfB Stuttgart ins sportliche Abseits geratene Vedad Ibisevic (30) wird ebenso zum Gegenstand von Gerüchten wie die Zweitliga-Stürmer Emil Berggreen (22/Eintracht Braunschweig), Simon Zoller (24/vom 1. FC Köln an Kaiserslautern verliehen) und Rouwen Hennings (27/Karlsruher SC). Eichin schaut aber auch auf die großen Clubs in Europa und hofft, dass dort vielleicht noch ein Stürmer aussortiert wird, der Werder kurz- oder langfristig weiterhelfen kann: „Wer jetzt cool bleibt, bekommt am Ende vielleicht den Besseren.“ Oder den, der übrig ist. In dieses Risikospiel hat Franco Di Santo Werder gezwungen. Immer wieder wurde verhandelt, gesprochen. Immer wieder waren die Signale positiv. „Ich bevorzuge es, bei Werder zu bleiben.

Wir sind nah beieinander“, hatte er gesagt. Die Stimmung schlug auch nicht um, als Schalke während des Werder-Trainingslagers im Zillertal über die Kontaktaufnahme mit dem Argentinier informierte. Di Santo soll sogar noch zwei Tage, bevor die Bombe platzte, im Verein seine Vertragsverlängerung angekündigt haben. Selbst am Samstagvormittag, wenige Stunden vor der Bekanntgabe des Transfers, soll noch Unklarheit geherrscht und Schalke-Manager Horst Heldt sich irritiert erkundigt haben: „Hat er doch verlängert?“

Mögliche Stürmer als Di-Santo-Ersatz

Hatte er nicht. Obwohl die finale Werder-Offerte eine Größenordnung erreichte, die Eichin als „sensationell“ bezeichnete: „Wir haben ihm ein Angebot gemacht, das normalerweise nicht zu unserem Konsolidierungskurs passt. Da sind wir wieder in alte Dimensionen hineingestoßen, weil wir das unbedingt machen wollten.“ Konkret: Werder bot nach Informationen dieser Zeitung ein Jahresgehalt von vier Millionen Euro – bei einer Laufzeit von drei Jahren. Schalke offerierte die gleiche Summe – bei einem Jahr mehr Laufzeit. Das und die internationale Präsenz der Königsblauen, vielleicht noch ein sattes Handgeld, haben dann wohl den Ausschlag gegeben.

Werder Bremen hat damit nach Davie Selke und Nils Petersen den dritten Stürmer verloren – und viel Zeit noch dazu. Zwar haben Eichin und Schröder erste Vorkehrungen getroffen und mögliche Nachfolger gesichtet, „aber richtig loslegen können wir erst jetzt“, meint der Geschäftsführer: „Wir haben eine Liste, fangen aber bei den Verhandlungen von vorne an.“ Der eine oder andere Name musste sogar schon wieder gestrichen werden. Eichin: „Wir haben viel geblockt für Franco. Gute Stürmer warten aber nicht. Der eine oder andere Stürmer, den wir auf dem Zettel hatten, ist inzwischen woanders gelandet.“ Wie Kevin Kuranyi, der mittlerweile bei 1899 Hoffenheim unterschrieben hat.

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