Nach dem Kommen und Gehen: So sortiert sich der Werder-Kader

Das „Best of“ aus dem Taubenschlag

+
Sportchef Frank Baumann und Coach Viktor Skripnik begutachten das Training.

Bremen - Von Carsten Sander. Als Letzter kam Serge Gnabry – der 21-Jährige war gewissermaßen der finale Paukenschlag in einer Transferperiode, in der ohnehin jede Menge Musik gesteckt hatte. Kruse, Bauer, Sane, Moisander, Diagne, Kainz und Drobny flatterten rein, Ujah, Vestergaard, Djilobodji, Galvez und Kleinheisler flatterten raus – es ging zu wie im Taubenschlag.

Insgesamt gingen 13 Akteure und kamen 13 Akteure. Das Produkt ist ein Team, dem Frank Baumann, als Sportchef der Architekt des Ganzen, eine „gute Mischung“ attestiert. Diese gute Mischung soll nun wieder für bessere Zeiten in Bremen sorgen. Aber erstmal hat die gute Mischung den Saisonstart gründlich vermasselt. Es passt noch nicht im Taubenschlag. Ein Streifzug durch alle Mannschaftsteile zeigt, welche Möglichkeiten und Probleme in dem Kader stecken.

Torwart

Klare Verhältnisse zwischen den Pfosten: Felix Wiedwald war die Nummer eins, ist die Nummer eins und bleibt die Nummer eins. Jaroslav Drobny (36) ist zwar eine größere Konkurrenz als es Vorgänger Gerhard Tremmel in der vergangenen Saison war, aber auch er wird nur spielen, wenn Wiedwald in ein Leistungsloch fallen sollte. Michael Zetterer soll in der U23 Spielpraxis sammeln, Raphael Wolf bleibt nach langer Verletzungspause ein Gehaltsempfänger ohne Perspektive.

Viererkette

Der Saisonstart lieferte erschreckende Erkenntnisse. Lamine Sane und Niklas Moisander, das Wunschpaar in der Innenverteidigung, stürzte gegen Drittligist SF Lotte von einer Verlegenheit in die nächste, und gegen den FC Bayern war es einfach nur fürchterlich anzusehen, wie die Werder-Defensive vorgeführt wurde. Moisander, als umsichtiger Kopf der Viererkette eingeplant, war da schon nicht mehr dabei. Es spielte Fallou Diagne. Es war ein Zeichen, dass Trainer Viktor Skripnik das Vertrauen in den Finnen fehlt. Vielleicht wäre auch Luca Caldirola die bessere Wahl. Ein frischer Hoffnungsträger für die Viererkette ist der vom FC Ingolstadt geholte Robert Bauer. Er kann links wie rechts verteidigen – gut möglich, dass er im Laufe der Saison Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie als Stammkraft ablöst.

Defensives Mittelfeld

Das Angebot an Spielern ist üppig. Clemens Fritz, Philipp Bargfrede, Florian Grillitsch und Zlatko Junuzovic – aus diesem Quartett zwei Kräfte auswählen zu dürfen, ist nicht das Schlechteste, was einem Trainer passieren kann. Möchte man meinen. Doch es gibt das eine oder andere große Aber. Zum Beispiel Kapitän Clemens Fritz. Er sucht zu Saisonbeginn nach seiner Form, und natürlich muss die Frage erlaubt sein, ob seine Leistungskurve mit nun schon 35,5 Jahren nach unten zeigt. Unnormal wäre das nicht. Fritz’ Status als Stammspieler könnte wackeln. Zumal Coach Skripnik einst Philipp Bargfrede eine Einsatzgarantie gab: „Wenn er gesund ist, spielt er auch.“ Aktueller Stand: Er ist nicht gesund. Zeitpunkt der Rückkehr: ungewiss. Florian Grillitsch hat zwei Vorteile: Er ist fitter als Bargfrede und 14 Jahre jünger als Fritz. Doch der Österreicher schleppt ein selbstgemachtes Problem mit in die Saison: seine offene Vertragssituation. Der aktuelle Kontrakt läuft am Saisonende aus, und Grillitsch hält sich noch alle Türen offen. Das heißt: Die Zukunftsplanung kann zum Dauerthema und zur Dauerablenkung werden.

Die Werder-Wunschelf

Im Gerangel um die zwei defensiven Mittelfeldplätze im 4-2-3-1-Wunschsystem mischt auch Junuzovic kräftig mit. Er kann auf der Sechs spielen, aber auch auf einer Halbposition oder der Zehn. Ihm selbst ist es mittlerweile „eh wurscht“, sagte der bei der Nationalmannschaft weilende Österreicher gegenüber „LaOla1.at“: „Es kann sich immer ändern und ist situationsbezogen, ob wir Gesperrte oder Verletzte haben. Momentan glaube ich, dass ich auf der Sechs spielen werde – aber die Hauptsache ist, dass ich spiele.“ Einen Stammplatz hat der 28-Jährige jedoch nicht mehr sicher. Zumal Robert Bauer auch als Sechser auflaufen kann. Sollte er als Außenverteidiger nicht benötigt werden, würde aus dem Bewerber-Quartett ein Quintett.

Offensives Mittelfeld

Max Kruse!!!! Als Werder die Rückholaktion des (Ex-)Nationalspielers vermeldete, feierten die Bremer Fans. Königstransfer, Hoffnungsträger, Heilsbringer – all das ist Kruse. Oder besser: sollte Kruse sein. Denn gleich im DFB-Pokal riss er sich das Außenband am linken Knie, fällt deswegen mindestens drei Monate aus. Das ist bitter für die Bremer, die allerdings mit dem nächsten spektakulären Transfer auf Kruses Pech reagierten. Serge Gnabry (21) wurde aus London geholt, weshalb das offensive Werder-Mittelfeld jetzt wirklich klangvoll besetzt ist – sofern alle einsatzfähig sind. Kruse, Gnabry, der entwicklungsfähige Florian Kainz, der vielseitige Junuzovic: Spielermaterial, das nicht gerade für Abstiegskampf steht. Auf der rechten Flanke gehören die Anwärter Fin Bartels und Sambou Yatabare eher in die Kategorie „Geht so“.

Angriff

Claudio Pizarro und sonst keiner! Es ist eine Realität, dass der 37 Jahre alte Torjäger konkurrenzlos ist bei Werder. Das ist auch in Ordnung so, solange sich Pizarro in der Form der vergangenen Rückrunde (zwölf Tore) präsentiert. Tut er dies nicht, hat Werder ein Problem. Fällt er gar aus, wächst das Problem zu einem Berg. Denn die Spieler hinter ihm müssen alle noch beweisen, dass sie in der Bundesliga konstant treffen können. Aron Johannsson, Lennart Thy, Top-Talent Johannes Eggestein – ausgeprägte Bundesliga-Erfahrung bringt keiner mit. Max Kruse ist auch eine Option – theoretisch. Praktisch ist er es vorerst nicht.

Stellen Sie ihre persönliche Wunschelf zusammen (4-2-3-1-System)

Mehr zum Thema:

Fünf Tote bei Zug-Inferno in Bulgarien

Fünf Tote bei Zug-Inferno in Bulgarien

Tanks explodiert: Fünf Tote bei Zug-Inferno

Tanks explodiert: Fünf Tote bei Zug-Inferno

Verdener Weihnachtszauber

Verdener Weihnachtszauber

Zehntausende durch Erdbeben in Indonesien obdachlos

Zehntausende durch Erdbeben in Indonesien obdachlos

Meistgelesene Artikel

Die Aufstellung: So könnte Werder gegen Hertha BSC spielen

Die Aufstellung: So könnte Werder gegen Hertha BSC spielen

Werder taucht bei "Football Leaks" auf: Zahlung ins Steuerparadies

Werder taucht bei "Football Leaks" auf: Zahlung ins Steuerparadies

Claudio Pizarro: Erstes Saison-Tor beim Debüt-Gegner?

Claudio Pizarro: Erstes Saison-Tor beim Debüt-Gegner?

SV Werder testet gegen den VfB Oldenburg

SV Werder testet gegen den VfB Oldenburg

Kommentare