Mutmacher Vestergaard

„Ich glaube an das Unmögliche“

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Jannik Vestergaard geht vor der Partie morgen Abend in Dortmund voran und fordert: „Man muss schon ein bisschen mutig spielen und seine Chance suchen.“

Bremen - Zehn Tage lang war Jannik Vestergaard nicht in Bremen, er hatte auch im Internet fast nichts über seinen Club gelesen, wie der Werder-Profi betonte. Es hatte ihm auch keiner gesagt, dass da ein paar unglückliche Aussagen von Viktor Skripnik zum Dortmund-Spiel im Umlauf waren. Und so fiel der Däne seinem Trainer unbewusst in den Rücken, machte damit aber auch Mut, dass Werder die Bundesliga-Partie morgen Abend (18.30 Uhr) beim Tabellenzweiten nicht abschenken wird.

„Wenn man in ein Spiel reingeht und sagt, man möchte möglichst wenig Tore kassieren, dann kassiert man ganz viele. Das ist die falsche Herangehensweise“, urteilte Vestergaard und forderte: „Man muss schon ein bisschen mutig spielen und seine Chance suchen. Auch, wenn es vielleicht schwierig wird. Anders hat man von vornherein schon verloren.“

Skripnik waren da mit Blick auf die übermächtig erscheinenden Dortmunder ganz andere Worte in den Sinn gekommen. Worte, die für viele Diskussionen gesorgt hatten. Schließlich bestand der Verdacht, dass der Coach wie schon vor der 0:5-Klatsche bei den Über-Bayern die weiße Fahne hisst. „Wir wollen unbedingt ein bisschen besser sein als bei der Blamage in München. Der Favorit soll oder kann gewinnen, aber nicht so einfach. Wir wollen uns teuer verkaufen“, hatte der 46-Jährige gesagt.

Gestern bei der Pressekonferenz war der Ukrainer dann etwas weniger pessimistisch, verkündete ein „Wir müssen dort erfolgreich sein und an uns glauben“ mit Verweis auf die Siege bei anderen starken Gegnern wie Schalke und Leverkusen. Und nachdem Sportchef Thomas Eichin ein durchaus kämpferisches „Es geht wieder um drei Punkte. Wir werden gut vorbereitet sein und alles tun, um etwas zu holen“ ausgesprochen hatte, ließ der Cheftrainer ein leises „das kann ich unterschreiben“ folgen.

Immerhin, wenngleich Skripnik dabei nur bedingt angriffslustig und glücklich wirkte. Dieses Frage-Antwort-Spiel mit den Journalisten behagt ihm einfach nicht. Vestergaard ist da wesentlich lockerer – und gestern war er geradezu tiefenentspannt. Dank der Länderspielpause. „Es ist immer schön, ein bisschen weg zu kommen, die eigene Sprache zu sprechen, Kumpels zu sehen und dann ist es immer eine Ehre, das eigene Land zu repräsentieren

30 Minuten öffentliches Training am Donnerstag

und daran erinnert zu werden, was man erreicht hat als Fußballer“, schwärmte der Däne und konnte damit gar nicht aufhören: „Man wird daran erinnert, was man für einen geilen Job hat. Wenn man als Kind auf dem Bolzplatz steht und aufs Tor holzt und Papa die Bälle holt, dann träumt man davon. Aber wenn das Alltag wird, vergisst man das schnell. Man fokussiert sich oft auch aufs Negative – und man muss auch zugeben, in dieser Saison war einiges negativ. Da rückt das Ganze so in den Hintergrund.“

Doch jetzt hat der 23-Jährige „Mut, Lust und Motivation“ aus Dänemark mitgebracht. Und vor 80 000 Zuschauern wie in Dortmund bei einem großen Favoriten „macht der geile Job umso mehr Spaß, wenn man die ärgern kann. Das passiert nicht so oft, aber das ist ein großartiges Gefühl.“ Das Vestergaard speziell in Dortmund schon verspürt hat – mit 1899 Hoffenheim am letzten Spieltag der Saison 2012/13. Mit einem sensationellen 2:1-Sieg retteten sich die Kraichgauer in die Relegation und verhinderten schließlich den Abstieg. „Deshalb gehe ich da mit breiter Brust rein“, meinte Vestergaard – und es klang wie ein Appell an die Kollegen. Ohne dabei den Realitätssinn zu verlieren. „Das ist keine blinde Mannschaft. Ganz im Gegenteil, sie ist bestimmt eine der stärksten Mannschaften in Europa zur Zeit“, betonte der Innenverteidiger, „aber ich glaube an das Unmögliche.“
kni/phi

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