Lemke geht in sein letztes Jahr als UN-Sonderberater Sport

„Mr. Willi“ und der Krücken-Fußball

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Willi Lemke steht noch einmal ein jahr mit vielen Reisen bevor.

Bremen - Von Björn Knips. In Afrika nennen sie ihn nur „Mr. Willi“. Seit acht Jahren ist Willi Lemke als UN-Sonderberater Sport unterwegs. Nun biegt er auf die Zielgerade ein, am 31. Dezember ist dann nach fast neun Jahren Schluss. „Das steht fest“, sagt er und erklärt: „Ich werde bald 70, da muss ich nicht mehr ganz so viel reisen.“

In Rente verabschiedet er sich dann aber auch nicht: „Ich werde ganz gewiss nicht meiner Frau auf den Geist gehen und unseren schönen Garten zerstören.“ Für die Zeit danach gibt es andere Pläne. Verraten will er noch nichts. Nur eines scheint klar: Als Aufsichtsratsmitglied beim SV Werder Bremen möchte er gerne weitermachen, wenn ihn der Ehrenrat im November zur Wahl vorschlägt. „So kann ich mir das vorstellen, wenn ich gesund bleibe“, bestätigt Lemke.

Der 69-Jährige hat in ein Bremer Lokal geladen – wie jedes Jahr um diese Zeit. Es ist seine persönliche Jahrespressekonferenz. Im Mittelpunkt steht seine Arbeit als UN-Sonderberater Sport. Was er davon berichtet, ist bewegend. Da sind zum Beispiel gehandicapte Afrikaner, die mit nur einem Bein an Krücken Fußball spielen und trotzdem einen Riesenspaß haben. Oder da ist eine junge Muslimin aus Ägypten, die ihrer siegreichen Gegnerin aus Israel einen dicken Kuss gibt. „Der Sport kann Brücken bauen“, sagt Lemke und bezeichnet die aktuell „63 internationalen Konflikte als furchtbare Geißel der Menschheit“. Deshalb ist er unterwegs, um sportlich zu vermitteln. Zwischen Nord- und Südkoreanern. Oder Israelis und Palästinensern. „Ich glaube an die Kraft des Sports“, betont Lemke und wünscht sich: „Hört auf zu schießen, kommt in den Dialog.“

Dabei unterstützt er mit den Vereinten Nationen (UN) viele Projekte. Das „Youth Leadership Program“ bezeichnet Lemke dabei als sein Flaggschiff. 2012 hat er damit begonnen. Die Idee: Die junge Frau, die in den Slums von Nairobi mit Jugendlichen Sport macht, wird in ein Camp nach Europa, den USA oder Asien eingeladen. „Diese Menschen wollen wir weiterbilden und stärken, damit sie das dann zu Hause weitergeben“, erklärt Lemke. Und er ist stolz, dass schon 600 18- bis 25-Jährige dieses Angebot genießen durften. Die nächsten kommen im Februar nach Hamburg. „Das klingt nicht viel“, gesteht er, „aber das potenziert sich.“ Außerdem sei es falsch, nichts zu tun, weil die Zahl der Betroffenen so klein erscheint.

Dazu passt auch das Motto von „Mr. Willi“, dass er sich in Afrika angeeignet hat: „No bla bla, do do.“ Also nicht reden, sondern handeln. Deshalb hat er auch sofort zum Hörer gegriffen und Freunde um Hilfe gebeten, nachdem ihm diese junge Kolumbianerin eine ganz einfache Frage gestellt hatte: „Wie kann ich in die Schule gehen?“ Es war im Anschluss an einen Vortrag von Lemke. „Ich wollte ihnen Werte vermitteln, und dann steht dieses Mädchen auf, bedankt sich ganz nett für meine Worte, aber weist mich ganz freundlich auf ihr Problem hin.“ Da konnte der einstige Bremer Bildungssenator nicht anders und ließ seine Kontakte spielen, um das Schulgeld für das Mädchen und ihre elf Freunde zu sammeln.

Auch für Werder würde sich Lemke einsetzen, um Geldgeber zu finden. Doch als einstiger Manager des Clubs (1981 bis 1999) und aktueller Aufsichtsrat mischt er sich nicht ins operative Geschäft ein und wartet auf ein Signal der Verantwortlichen. Bislang gab es keines. Also spricht er nur über das Sportliche und macht Trainer Viktor Skripnik Mut: „Wir müssen ihn so sehr stärken, dass er es schafft, uns aus dem Tal der Tränen zu führen.“ Die Situation sei sehr ernst, aber nicht aussichtslos. Und über das Horrorszenario Abstieg will er gar nicht erst reden, weil das meist der Anfang vom Ende sei. Und zu Ende gehen soll nur sein Job als UN-Sonderberater Sport.

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