Kohfeldt: „Kein bisschen nachlassen“

Mit Kainz und Cleverness

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Florian Kainz und Ludwig Augustinsson sorgten mit ihren Toren für den 3:1-Erfolg über den VfL Wolfsburg.

Bremen - Es gehört zum Job eines Trainers, dass er die schönen Momente nicht genießen darf. Vielleicht mal ein Lächeln, ein entspannter Witz.

Damit ist es aber auch genug, dann muss gleich wieder nach vorne gedacht werden. Also machte Florian Kohfeldt am Sonntagabend nach dem enorm wichtigen 3:1 (2:0)-Sieg über den VfL Wolfsburg genau dies.

Der Erfolg, nach dem 2:1 auf Schalke schon der zweite am Stück in der Bundesliga, spuckte in dem zweifachen Torschützen Florian Kainz nicht nur einen strahlenden Matchwinner aus, sondern verschaffte dem Team auch die Perspektive, im Abstiegskampf demnächst wichtige Schritte nach vorne machen zu können. Das quittierte Kohfeldt auch wohlwollend. Aber dann! „Wer jetzt selbstzufrieden wird, der bekommt ein Problem mit mir“, drohte der Coach seiner Mannschaft. Doch ob das überhaupt nötig war?

Vorsprung auf den Hamburger SV angewachsen

„Ich denke nicht“, sagte der 35-Jährige zwar, aber es sei eben so, dass das, was momentan als Bremer Erfolg daherkommt, ein sehr fragiles Gebilde ist. „Wenn nur einer nachlässt, funktioniert es nicht mehr“, mahnte Kohfeldt und schärfte seinen Spielern damit im Moment des Glück die Sinne. Für die Aufgaben, die noch vor allen liegen.

Am Tabellenplatz hat der Sieg über Wolfsburg nämlich nichts geändert. Werder ist weiterhin 15., hat aber Kontakt zu den Rängen darüber hergestellt. Mit 23 Punkten sind die Bremer dran an Wolfsburg und auch dran am SC Freiburg, dem kommenden Gegner. Der Vorsprung auf den HSV, dem Übernächsten auf dem Bremer Spielplan – ist zudem auf sechs Zähler angewachsen.

Was wichtig ist, weil der HSV auf dem ersten direkten Abstiegsplatz steht. Aber wie gesagt: Ein Grund zur Entspannung ist das alles nicht. Das sieht Frank Baumann so wie Kohfeldt. „Wir dürfen jetzt kein bisschen nachlassen“, forderte der Sportchef und rechnete vor: „Bis zum Klassenerhalt brauchen wir noch 17 Punkte. Wenn wir aber unseren Weg mit Leistung, Zusammenhalt und Engagement weitergehen, werden wir diese Punkte auch holen.“ Siehe der Sieg am Sonntag.

Fotostrecke: Kainz' Doppelpack lässt Werder jubeln

Wieder ein Start nach Maß: Nach einer Ecke von Zlatko Junuzovic köpft Ludwig Augustinsson in der vierten Minute ein. Es war das erste Bundesliga-Tor des Schweden.
Wieder ein Start nach Maß: Nach einer Ecke von Zlatko Junuzovic köpft Ludwig Augustinsson in der vierten Minute ein. Es war das erste Bundesliga-Tor des Schweden. © Gumz
Werder war von Anfang an gut im Spiel und verteidigte die Wolfsburger Standards sehr abgezockt.
Werder war von Anfang an gut im Spiel und verteidigte die Wolfsburger Standards sehr abgezockt. © Gumz
Flitzeralarm in der elften Minute! Ein männlicher Zuschauer hat es tatsächlich aufs Feld geschafft, wird aber von Kruse dem Sicherheitspersonal übergeben.
Flitzeralarm in der elften Minute! Ein männlicher Zuschauer hat es tatsächlich aufs Feld geschafft, wird aber von Kruse dem Sicherheitspersonal übergeben. © nordphoto
Nach einer halben Stunde wurde Kruses Kopfball nach einer Ecke auf der Linie geklärt, dann knallte Moisander den Nachschuss an den Querbalken (31.).
Nach einer halben Stunde wurde Kruses Kopfball nach einer Ecke auf der Linie geklärt, dann knallte Moisander den Nachschuss an den Querbalken (31.). © Gumz
Vor der Pause schlug Werder doch nochmal zu. Kainz spielte einen Doppelpass mit Junuzovic und schlenzte die Kugel aus halblinker Position ins rechte Eck (40.). Ein Super-Tor!
Vor der Pause schlug Werder doch nochmal zu. Kainz spielte einen Doppelpass mit Junuzovic und schlenzte die Kugel aus halblinker Position ins rechte Eck (40.). Ein Super-Tor! © nordphoto
Kurz nach dem Seitenwechsel kommt Robin Knoche im Sechzehner zu Fall, weil Moisander ihn völlig unnötig zu Boden reißt. Den Elfmeter verwandelt Paul Verhaegh im Nachschuss zum 2:1 (49.).
Kurz nach dem Seitenwechsel kommt Robin Knoche im Sechzehner zu Fall, weil Moisander ihn völlig unnötig zu Boden reißt. Den Elfmeter verwandelt Paul Verhaegh im Nachschuss zum 2:1 (49.). © nordphoto
Werder war durch den Anschlusstreffer der Gäste verunsichert. Kohfeldt reagierte und brachte Thomas Delaney für Bargfrede ins Spiel (57.).
Werder war durch den Anschlusstreffer der Gäste verunsichert. Kohfeldt reagierte und brachte Thomas Delaney für Bargfrede ins Spiel (57.). © nordphoto
Von den Grün-Weißen war nicht mehr viel zu sehen – bis zur 72. Minute. Kruse behielt die Übersicht und fand Kainz, der von links aus spitzem Winkel ins Tor traf.
Von den Grün-Weißen war nicht mehr viel zu sehen – bis zur 72. Minute. Kruse behielt die Übersicht und fand Kainz, der von links aus spitzem Winkel ins Tor traf. © Gumz
Am Ende blieb es beim 3:1 für Werder dank den Toren von Augustinsson und Kainz. Damit feierten die Bremer den ersten Heimsieg in 2018.
Am Ende blieb es beim 3:1 für Werder dank den Toren von Augustinsson und Kainz. Damit feierten die Bremer den ersten Heimsieg in 2018. © nordphoto

Werder hatte das nahezu perfekte Spiel abgeliefert. Jedenfalls gemessen an dem, was man von einer Mannschaft im Abstiegskampf erwarten darf. Nach der schnellen Führung durch Ludwig Augustinssons erstem Bundesliga-Tor (4./Kopfball nach Junuzovic-Ecke) setzte die Mannschaft das um, was Kohfeldt verlangt hatte und hinterher entsprechend zufrieden reflektierte: „Das war heute ein cleverer Sieg. Ein Sieg der Art und Weise, wie wir spielen wollen: nach vorne, aber ruhig und mit Kontrolle.“

So beherrschten die Bremer die Partie, erhöhten bis zur Halbzeit noch durch ein Kainz-Traumtor auf 2:0 (40.) und hätten sogar noch den einen oder anderen Treffer mehr erzielen können. Alles schick eigentlich. Wenn da nicht die noch frische Erinnerung an das Pokal-Aus am Dienstag zuvor bei Bayer Leverkusen gewesen wäre. Nach 2:0-Führung hatte es dort nach Verlängerung 2:4 geheißen. Weil Werder eben nicht clever, ruhig und kontrollstark war. Diesmal schon. Der Lerneffekt war da. Wenngleich natürlich einschränkend angemerkt werden muss, dass der VfL Wolfsburg aktuell wenig gemein hat mit Leverkusen.

Kainz: „Das war ein super Tag heute“

Aber auch die „Wölfe“ können Druck erzeugen. „Sehr laut“ sei es bei der Pausenansprache geworden, berichtete VfL-Coach Martin Schmidt, der am Ende resümierte, dass sein Team einen weiteren „Schritt zurück“ gemacht hatte. Immerhin bekam er mit Wiederbeginn noch ein Aufbäumen und den Anschlusstreffer durch Paul Verhaegh von seiner Mannschaft zu sehen. Der Niederländer verwandelte einen Foulelfmeter (Niklas Moisander hatte Robin Knoche zu Boden gerissen) im Nachschuss (49.).

Das 2:1 hätte nun ein Grund sein können, die bösen Leverkusen-Geister in den Bremer Köpfen wieder zu erwecken, doch nichts dergleichen passierte. Mit der von Kohfeldt angesprochenen Ruhe verteidigte Werder den Vorsprung und setzte den entscheidenden Konter: Max Kruse auf Kainz, Schuss, drin, alles klar (72.). Und Matchwinner Kainz sprach aus, was alle dachten: „Das war ein super Tag heute – für mich und für die Mannschaft.“

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Quelle: DeichStube

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