Werder-Rakete über das Coronavirus, EM-Traum und möglichen Transfer

Begehrter Milot Rashica im Interview: „Sollte ich Werder Bremen verlassen, wird der nächste Schritt ein wohlüberlegter sein“

Milot Rashica spricht im Interview über die Coronavirus-Krise, seinen EM-Traum, den Abstiegskampf mit Werder Bremen und einen möglichen Wechsel.
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Milot Rashica spricht im Interview über die Coronavirus-Krise, seinen EM-Traum, den Abstiegskampf mit Werder Bremen und einen möglichen Wechsel.

Bremen - Milot Rashica hat beim SV Werder Bremen zahlreiche Top-Clubs auf sich aufmerksam gemacht. Aktuell sollte er aber eigentlich mit der Nationalmannschaft des Kosovo um den großen Traum von der ersten EM-Teilnahme kämpfen. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) spricht der 23-jährige Stürmer über Hoffnung in Zeiten der Coronavirus-Krise, den Abstiegskampf mit Werder und einen möglichen Wechsel.

Milot Rashica, Sie sollten in diesen Tagen mit ihrem Heimatland Kosovo in den Play-offs um die EM-Teilnahme kämpfen, doch das Coronavirus hat Sie ausgebremst. Wie erleben Sie die Krise?

Wir haben vom Verein individuelle Trainingspläne mit täglichen Lauf- und Krafteinheiten erhalten. Zum Glück habe ich einen Balkon, so kann ich die Stabilisationsübungen wenigstens an der frischen Luft machen. Außerdem versuche ich, die Zeit so gut es geht für Dinge zu nutzen, für die ich sonst nicht viel Zeit habe. Die restliche Zeit zocke ich mit Kumpels auf der Playstation oder telefoniere mit meiner Familie im Kosovo.

Die Ausscheidungsspiele wurden verschoben - wie schwer fällt das Warten?

Unglaublich schwer! Denn das ganze Land hat schon darauf hin gefiebert. Wir haben so hart dafür gearbeitet und wollten uns mit der Qualifikation belohnen. Aber dann spielen wir die Spiele eben zu einem anderen Zeitpunkt. Zum Glück wurden sie nur verschoben und nicht abgesagt. Dann wird die Freude eben umso größer sein.

Werder Bremen: So geht es Milot Rashica in der Coronavirus-Krise

Welche Bedeutung hätte eine EM-Teilnahme für Sie und Ihr Land, auch wenn das Turnier erst 2021 stattfindet?

Würden wir uns qualifizieren, hätten wir einen neuen Feiertag! (lacht) Das kennt man hier in Deutschland womöglich nur bei Europa- oder Weltmeisterschaften, aber im kleinen Kosovo ist jedes Länderspiel ein Highlight, und wir haben mit der Nationalmannschaft schon einen besonderen Stellenwert. Wenn wir spielen, steht das ganze Land still. Und es macht mich jedes Mal stolz, dieses Trikot zu tragen und mein Land zu vertreten. Das ist etwas ganz Besonderes.

Wie ist die aktuelle Lage im Kosovo? Wie schwierig ist die Situation für Ihre Familie?

Neben der schwierigen politischen Situation kommt jetzt noch die Coronavirus-Krise hinzu. Wir haben derzeit knapp 100 Infizierte, die zuständigen Behörden versuchen jedoch alles, um die Zahl der Patienten so gering wie möglich zu halten. Meiner Familie geht es gut.

Sie befinden sich wie viele andere Profis im Home-Office - wie gehen Sie damit um?

Gerade für einen Berufssportler ist das natürlich schon eine Umstellung. Ich bin es gewöhnt, jeden Tag auf dem Platz zu stehen. Aber wenn ich an all die Leute denke, die von der Krankheit gesundheitlich oder auch wirtschaftlich betroffen sind, dann finde ich, dass einige Tage oder Wochen im Home-Office wirklich kein Problem darstellen. Vor allem wenn es hilft, das Virus einzudämmen - das ist das Mindeste, das wir alle beisteuern können. Ich persönlich komme mit dieser Situation sehr gut klar und bin mir bewusst, dass es viele Leute sehr viel härter trifft. Jetzt heißt es zusammenstehen und füreinander da sein.

Steigt Werder Bremen ab? Milot Rashica glaubt an Klassenerhalt

Das Coronavirus hat Werder im Kampf gegen den Abstieg eine Pause aufgezwungen. Wie sehen Sie die sportliche Situation?

Klar, das haben wir uns alle ganz anders vorgestellt. Denn wir haben eine gute Mannschaft, einen super Teamgeist und auch schon oft gezeigt, dass wir es eigentlich können. Die Ausgangslage ist momentan nicht die beste, dem sind wir uns alle bewusst. Dennoch bin ich überzeugt, dass wir das als Team schaffen können.

Wie erleben Sie Trainer Florian Kohfeldt in dieser heiklen Lage?

Natürlich trifft es ihn besonders hart, weil er sich viel Kritik gefallen lassen muss. Aber wir sitzen alle in einem Boot. Ich will es nur nochmal betonen: Wir haben einen super Teamgeist und schon gezeigt, was wir zu leisten im Stande sind - und das ist vor allem auch sein Verdienst. Er arbeitet hart daran, dass wir aus dieser Lage wieder herauskommen, das sieht man Tag für Tag im Training."

Werder, so heißt es, will im Sommer mit Milot Rashica großes Geld verdienen. Doch ist nicht zu befürchten, dass die Coronavirus-Krise Ihnen und dem Club einen Strich durch die Transferrechnung macht?

In den Zeitungen wurde viel geschrieben und spekuliert, das bekommt man natürlich mit, ob man will oder nicht. Ich habe mich aber noch nicht allzu sehr damit befasst, denn in der aktuellen sportlichen Situation würden diese Gedanken einen nur vom Wesentlichen ablenken - das hilft am Ende niemand, nicht mir und vor allem nicht dem Verein. Ich nehme die aktuelle Situation wirklich sehr ernst und will alles dafür tun, dass wir da unten wieder rauskommen.

Milot Rashica-Transfer: Verlässt er Werder Bremen?

Sollten Sie Werder verlassen: Ist ein Verbleib in der Bundesliga denkbar, oder zieht es Sie ins Ausland?

Also sollte ich Werder verlassen, wird der nächste Schritt ein wohlüberlegter sein. Bei dieser Entscheidung kann ich mich voll und ganz auf mein Team um mich herum verlassen. Das war schon so bei meinem Wechsel in die niederländische Eredivisie, ebenso bei meinem Wechsel zu Werder.

Welche sportlichen Träume haben Sie? Wo soll „Rocket“ Rashica noch hinfliegen?

Nur wenn man große Träume hat, kann man Großes erreichen. Einer davon wäre auf jeden Fall die Teilnahme an der Europameisterschaft im kommenden Jahr - das möchte ich unbedingt mitnehmen. Im Moment befinde ich mich noch am Anfang meiner Karriere, aber ganz klar: Irgendwann möchte ich mich regelmäßig mit den besten Spielern der Welt messen und Jahr für Jahr Champions League spielen. Ich arbeite sehr hart dafür und weiß, dass ich das schaffen kann. Aktuell zählt für mich aber erst mal der Klassenerhalt mit Werder. (SID)

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