Er sieht bei Skripnik keine „faire Chance“

Melvyn Lorenzen lässt seinen Frust raus

Weiter bei Werder? Ziemlich unwahrscheinlich! Melvyn Lorenzen fühlt sich nicht gerecht behandelt und hat das auch öffentlich geäußert. Foto: Frisch

Bremen - Dass Melvyn Lorenzen sich gerne ins Rampenlicht stellt, kann man nicht gerade behaupten. Wenn der 21-Jährige für Medienrunden angefragt wird, winkt er gerne mal ab – oder lässt über den Verein abwinken. Gestern war das anders. Der Stürmer erschien, er wollte offenbar dringend etwas loswerden und seinem Frust freien Lauf lassen.

Lorenzen beklagte, in der Vorbereitung bisher keine „faire Chance“ bekommen zu haben, sich zu präsentieren. Eine deutliche und öffentliche Kritik an Werder-Coach Viktor Skripnik. Und diese wird die ohnehin nicht gute Ausgangslage des Angreifers sicher nicht verbessert haben. Es riecht nach Trennung. Mehr denn je.

Stein des Anstoßes für die Beschwerde war das Turnier in Dresden am Wochenende. Vor dem Trainingslager im österreichischen Zillertal, aus dem Werder direkt nach Sachsen reiste, habe er mit Skripnik gesprochen, sagt Lorenzen: „Ich wollte hören, ob ich hier überhaupt noch eine Chance habe. Und er hat mir versichert, dass jeder eine Chance hat und er sich alle Spieler anschauen will.“ Das Turnier lief dann mit lediglich 19 Minuten Einsatzzeit „nicht zufriedenstellend“ für Lorenzen, der bis 2017 in Bremen unter Vertrag steht: „Andere haben da viel mehr gespielt als ich. Das sehe ich nicht so, als wäre das eine faire Chance für jeden. Natürlich hätte ich mich gerne länger gezeigt, zumindest eine Halbzeit. Und natürlich ist auch leichte Frustration da.“

Zeitnah will er nun das Gespräch mit Sportchef Frank Baumann suchen: „Wir werden uns diese Woche sicher noch mal unterhalten. Wir müssen Klartext reden, was Sache ist.“ Dass es extrem schwierig wird für Lorenzen, sich bei Werder zu behaupten, hat Baumann gerade kürzlich gesagt – und daran wird sich kaum etwas geändert haben.

Lorenzen betont zwar, dass es noch immer sein Plan sei, sich bei Werder durchzusetzen. Er hat aber auch Alternativen im Kopf. „Anfragen gibt es“, sagt er. Eine sei attraktiv, die andere nicht so sehr – ins Detail geht er jedoch nicht. Beraten wird der 21-Jährige nach wie vor von „Mister X“ (so nennt er ihn), dessen Arbeit auf Astrologie, Medizin und Mathematik basiert. So hat es Lorenzen – etwas geheimnisvoll – im Oktober 2015 im Interview mit dieser Zeitung beschrieben. „Ich trainiere mit ihm, er berät mich. Das klappt nach wie vor gut“, findet der Stürmer und fügt an: „Ich sehe keinen Grund, jemand anderen an Land zu ziehen.“

Bis endgültig Klarheit über die Zukunft herrscht, will Lorenzen in Bremen weiter angriffslustig sein. „Ich habe gar keine Angst vor dem Konkurrenzkampf, wenn er fair abläuft. Und ich glaube, dass man mich hier in der Offensive noch gebrauchen kann – man muss mir nur das Vertrauen geben.“ Bislang spürte er es offenbar nicht, zumindest nicht vom Trainer – was Lorenzen nicht so recht nachvollziehen kann. In der vergangenen Saison seien „Mitspieler zu mir gekommen und haben gefragt, warum ich nicht gespielt habe. Ich hätte doch gut trainiert. Das zeigt mir, dass ich nicht in einer anderen Realität lebe.“

Es ist deutlich herauszuhören: Lorenzen ist überzeugt von seinem Können. Der Nationalspieler Ugandas ist ja auch ein Stürmer, der durchaus Phantasien weckt und vor allem mit seiner enormen Schnelligkeit eine echte Waffe sein kann. Das Problem: Er hat den Turbo in seinen drei Jahren bei Werder (2013 kam er aus der U 19 von Holstein Kiel) viel zu selten gezündet und schaffte es nie, sich dauerhaft ins Team zu kämpfen. Auch, weil er oft verletzt war. Das Fußball-Jahr 2014 etwa verpasste er wegen eines Knorpelschadens fast komplett.

Und zu Beginn der aktuellen Vorbereitung gab es wieder einen gesundheitlichen Rückschlag. Bei einer nächtlichen Schlägerei vor seiner Wohnung in Leeste erlitt er einen Nasenbeinbruch, verpasste das erste Trainingslager in Neuruppin und fiel zwei Wochen aus. Inzwischen geht es ihm wieder gut, nur bei Kopfbällen „merke ich ein bisschen was“. Die Gesichtsmaske hat er „beiseite gelegt. Ich habe sie ausprobiert, das ist nichts für mich.“ An den unschönen Vorfall, mit dem sich die Staatsanwaltschaft auseinandersetzt, denke er „fast gar nicht mehr“, beteuert Lorenzen: „Ich beschäftige mich mit meiner Zukunft, da hat anderer Kram keinen Platz.“ - mr

Mehr zum Thema:

Verdener Weihnachtszauber

Verdener Weihnachtszauber

Zehntausende durch Erdbeben in Indonesien obdachlos

Zehntausende durch Erdbeben in Indonesien obdachlos

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Meistgelesene Artikel

Die Aufstellung: So könnte Werder gegen Hertha BSC spielen

Die Aufstellung: So könnte Werder gegen Hertha BSC spielen

Claudio Pizarro: Erstes Saison-Tor beim Debüt-Gegner?

Claudio Pizarro: Erstes Saison-Tor beim Debüt-Gegner?

Werder taucht bei "Football Leaks" auf: Zahlung ins Steuerparadies

Werder taucht bei "Football Leaks" auf: Zahlung ins Steuerparadies

Süßes vom Nikolaus auch für große Werder-Kicker

Süßes vom Nikolaus auch für große Werder-Kicker

Kommentare