Aufsichtsratschef über die Krise

Bode als Mahner: „Das Tal ist nicht durchschritten“

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Marco Bode hält die Werder-Krise noch nicht für beendet.

Alhaurin el Grande - Von Björn Knips. Kein Aufsichtsratschef ist so nah dran am Team wie Marco Bode bei Werder. Er kennt die Lage genau - und warnt: Die Krise ist noch nicht überwunden.

Den Hinweis muss Marco Bode unbedingt noch loswerden. „Wir haben heute Morgen gewonnen“, sagt der Ex-Profi mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Der 47-Jährige ist eben Fußballer durch und durch. Deshalb kickte er in Werders Trainingslager in Alhaurin el Grande auch eine Runde mit. Nicht mit den Profis, sondern mit dem Trainerteam und Mitarbeitern des Clubs. Welcher Aufsichtsratschef eines Bundesligisten macht das schon? Bode ist wahrscheinlich so dicht dran an den Protagonisten im Club wie kein anderer in diesem Amt.

„Wenn man direkt dabei ist, Dinge sieht und viele Gespräche führt, kann man nachher besser Entscheidungen treffen“, erklärt Bode. Fast in jedem Trainingslager schaut er vorbei. So auch in Spanien. Nicht von Beginn an, sondern zwei Tage später als die Mannschaft. Es blieb genügend Zeit, um sich mit den sportlich Verantwortlichen vor Ort auszutauschen.

Von den Inhalten berichtet Bode später in Deutschland auch dem Aufsichtsrat, dem neuen Aufsichtsrat. Gleich drei von sechs Posten wurden bei der Mitgliederversammlung im November verändert. Und die Erwartungen der Öffentlichkeit an die drei Neuen, Kurt Zech, Thomas Krohne und Andreas Hoetzel, sind sehr groß. Das weiß auch Bode. „Alle haben natürlich die Hoffnung, dass Impulse aus dem neuen Aufsichtsrat kommen. Aber man sollte auch nicht zu viel erwarten“, warnt der Vorsitzende und betont: „Wir sind zwar schon ein Kreis von ambitionierten, kreativen und starken Persönlichkeiten. Aber wir werden aus diesem Gremium heraus nicht die Werder-Welt revolutionieren, das ist auch nicht unser Anspruch.“

Bode versteht den sechsköpfigen Aufsichtsrat, zu dem auch noch Axel Plaat und Marco Fuchs gehören, als „konstruktiv-kritischen Partner der Geschäftsführung, der ein Feedback geben kann“. Der aber auch die Zukunft mitbestimmt. Denn im Frühjahr muss die Geschäftsführung die wirtschaftlichen Zahlen der aktuellen Saison vorlegen – und natürlich den Plan für die neue Saison. Dann entscheidet der Aufsichtsrat, ob es wie angedacht weitergeht oder ob neu geplant werden muss.

Auf den ersten Blick erscheinen die Aussichten zumindest wirtschaftlich ganz gut. In der vergangenen Saison hat Werder erstmals seit vier Jahren wieder ein Plus erwirtschaftet. Doch Bode mahnt: „Dieses positive Ergebnis müssen wir auch bestätigen und strukturell so einbetten, dass uns das dauerhaft gelingt.“ Der 47-Jährige hält die Werder-Krise noch nicht für beendet. „Ich bin da vorsichtig. Wir sollten nicht denken, dass das Tal schon durchschritten ist. Sportlich sind wir immer noch 15. und nur drei Punkte vor dem Relegationsplatz.“

Bode über miese Bayern-Bilanz: "Ich hasse es wie die Pest"

Das schwierige Startprogramm mit den Heimspielen gegen die Topclubs Dortmund und Bayern garantiere nun wirklich nicht eine schnelle Besserung. Wenngleich Bode – da ist er dann wieder der Fußballer pur – mit deutlicher Stimme klarmacht: „Ich hasse es wie die Pest, dass wir gegen die Bayern zuletzt so schlecht ausgesehen haben.“ Da erwartet er diesmal einen besseren und vor allem mutigeren Auftritt.

Der Auftrag an Trainer Alexander Nouri und die Mannschaft ist damit klar. Bode sieht in dem jungen Werder-Coach den Mann für die Bremer Zukunft. Und eine Gefahr, dass Werder im Abstiegskampf auf einen unerfahrenen Trainer baut, kann er auch nicht erkennen: „Das ist kein Risiko, denn wir sind absolut überzeugt von Alexander Nouri. Er macht zusammen mit dem Trainerteam einen guten Job.“

Vertragsverhandlung mit Filbry steht an

Ohnehin sei es eher Sache der Geschäftsführung, den Trainer auszusuchen und zu bewerten. Der Aufsichtsrat bestimmt wiederum die Geschäftsführer – zumindest die für den sportlichen und den wirtschaftlichen Bereich. Frank Baumann wurde dabei erst im Mai anstelle von Thomas Eichin eingesetzt. Und Bode ist mit dem neuen Mann, seinem ehemaligen Teamkollegen, sehr zufrieden: „Es geht aber um einen Zeithorizont von zwei, drei Jahren. Man muss Frank auch Zeit geben.“ Speziell für die Kaderplanung.

Und was ist mit Klaus Filbry? Der Vertrag des Vorsitzenden der Geschäftsführung läuft Ende des Jahres aus. Erste lose Gespräche mit Filbry habe es schon gegeben, allerdings noch nicht in der neuen Besetzung des Aufsichtsrates. „Das ist auf der Agenda, das gehen wir zügig an. Bis zum Saisonende werden wir das geklärt haben“, verspricht Bode. Einen Trend will der Aufsichtsratschef zwar nicht verraten, aber es deutet nichts daraufhin, dass sich die Wege trennen werden. Zumal Bode ausdrücklich Filbrys Anteil an der neuen Verteilung der TV-Gelder ab der kommenden Saison hervorhebt: „Das ist nicht vom Himmel gefallen, da hat Klaus in der DFL mitgewirkt.“ Filbry sitzt im Vorstand der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Und künftig gibt es für die Clubs, die in der Vergangenheit erfolgreich waren, mehr Geld. Davon profitiert auch Werder.

Siege auf dem Platz sind allerdings für die Bremer aktuell noch wichtiger. Bode durfte sich in Alhaurin über einen freuen – übrigens in einem Team mit Baumann und Nouri. Vielleicht ein gutes Omen für die Saison.

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