Innensenator macht eine „sich brutalisierende Gruppe“ für die Angriffe auf Polizisten und Augsburg-Fans verantwortlich

Mäurer sagt „enthemmten Ultras“ den Kampf an

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Innensenator Ulrich Mäurer kündigt eine „Zäsur in der Polizeitaktik“ an.

Bremen - Unmittelbar nach dem Überfall auf eine Fan-Gruppe des FC Augsburg am Samstag ist es laut einer Mitteilung des Bremer Innensenators zu einem brutalen Angriff auf einen Polizisten gekommen. Der szenekundige Beamte, der die Augsburger Fans in Zivil begleitet hatte, sei unweit des Weserstadions von mehreren Dutzend Vermummten attackiert worden – laut Pressemitteilung des Innensenators hat es sich dabei um Mitglieder der Bremer Ultra-Szene gehandelt. Als der Mann zu Boden ging, habe ihm einer der Angreifer Fußtritte gegen Kopf und Oberkörper versetzt. Einzig dem Eingreifen eines Kollegen ist es laut Schilderung der Polizei zu verdanken, dass der Beamte „nur“ schwere Prellungen erlitt.

Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) sieht nach diesem Angriff sowie den gefährlichen Attacken gegen die Augsburger Fan-Gruppe eine „neue Lage“ im Verhältnis zwischen Fans und Polizei. Die Angreifer hätten bewusst die deeskalierende Taktik der Polizei ausgenutzt und Beamte ohne Helm gezielt verletzt. Die Vorfälle „bedeuten eine Zäsur für die künftige Polizeitaktik in Bremen“, sagte er nach einer Besprechung mit dem Polizeipräsidenten und Polizei-Führungskräften. Künftig werde man sich auf die Teile der Bremer Ultra-Szene, die „offenbar nur noch auf Gewalt“ aus seien, „konsequent einstellen und dazu das ganze polizeiliche Instrumentarium nutzen“.

Was sich am Samstag nach dem Spiel zugetragen hatte, „war ein Tabubruch“, so Mäurer: „Das Verhalten zeigt, dass offenbar jeder Polizist und jede Polizistin, aber auch jeder noch so friedliche Auswärtsfan von dieser hochaggressiven Gruppe kurzerhand zum gegnerischen Feind erklärt worden ist.“

Unmittelbar nach Spielende hatte eine Gruppe von 50 Vermummten nach Darstellung der Polizei von der Terrasse des Cafes „Ambiente“ aus Stühle, Tische, Metallgestelle und auch Gasflaschen auf Augsburger Fans und die sie begleitenden Polizisten geworfen. Unter den angegriffenen FCA-Fans befand sich auch Edgar Schweininger, der Sicherheitsbeauftragte des Augsburger Bundesligisten. „Das war schon deftig, fast brutal“, schilderte er die Szenen gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“, „zumal vorher nichts auf eine solche Situation hingedeutet hatte.“ Auch die Bremer Polizei hatte die Partie im Vorfeld als völlig friedlich eingestuft, lediglich 120 Beamte waren im Einsatz.

Gegen 19.00 Uhr kam es am Herdentorsteinweg zu einer weiteren Auseinandersetzung. Einsatzkräfte der Polizei wehrten einen Angriff von 30 bis 40 Maskierten auf Augsburger Fans ab. Mäurer sprach von einer „sich zunehmend brutalisierenden Gruppe von Ultras, die völlig enthemmt auf friedliche Fans und Polizisten losgeht und offenbar leider auch nicht von der bisherigen Fanarbeit bzw. -betreuung erreicht wird“.

Letzteres kann als Anmerkung Richtung Fan-Projekt Bremen verstanden werden. Der Verein, der sich für eine friedliche Fan-Szene einsetzt, hatte zuletzt ein mitunter zu aggressives Vorgehen von Polizisten bei Werder-Heimspielen beklagt.

Werder-Geschäftsführer Dr. Hubertus Hess-Grunewald nannte die Vorfälle vom Samstag „einen kriminellen Akt“ und sicherte die „volle Unterstützung bei der täterorientierten Aufklärung“ zu. Zudem forderte Hess-Grunewald die Bremer Fans auf, sich von Gewalt „offensiv abzugrenzen: Es muss jedem, der in irgendeiner Weise mit Werder sympathisiert, klar sein, dass hier eine Gruppe Gewalttäter die Interessen von Werder-Fans, vor allem der 8000 Werder-Fans in der Ostkurve, mit Füßen tritt.“

csa

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