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Werder Bremen will sich verändern: Präsident soll den Job wechseln

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Von: Björn Knips

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Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des SV Werder Bremen, soll bald wohl nicht mehr Teil der Geschäftsführung sein, sondern den Vorsitz im Aufsichtsrat erhalten.
Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des SV Werder Bremen, soll bald wohl nicht mehr Teil der Geschäftsführung sein, sondern den Vorsitz im Aufsichtsrat erhalten. © gumzmedia

Bremen – Durchgesickert war es schon, nun hat das Präsidium des SV Werder Bremen auch erste Fakten geschaffen. Das Gremium empfiehlt den Mitgliedern ganz offiziell, bei der Versammlung am 20. November einer Satzungsänderung zuzustimmen. Die beinhaltet, dass der Präsident künftig nicht mehr gleichzeitig auch einer der Geschäftsführer in der Kapitalgesellschaft für die ausgegliederten Profiabteilungen sein darf, „sondern dem Aufsichtsrat vorsitzen“ soll, heißt es in einer Mitteilung des Clubs. Und das bedeutet für Hubertus-Hess Grunewald, der sich im November erneut zur Wahl des Präsidenten stellen will, dass er nach acht Jahren seine hauptamtliche und gut dotierte Tätigkeit als Geschäftsführer verlieren wird. Vorausgesetzt, die Mitglieder folgen der Empfehlung.

Sollte so entschieden werden, dann stellt sich die Frage: Wer räumt eigentlich für den Präsidenten im sechsköpfigen Kontrollgremium seinen Platz? Infrage kommen dafür nur die vom Verein direkt entsandten Marco Fuchs und Axel Plaat. Die anderen vier Mitglieder Florian Weiß, Harm Ohlmeyer, Ulrike Hiller und Dirk Wintermann sind noch bis 2025 gewählt. Es wird aber dem Vernehmen nach auch über eine vorübergehende Aufstockung des Aufsichtsrats bei Werder Bremen nachgedacht.

Werder Bremen will sich verändern - Präsident Hubertus Hess-Grunewald soll den Job wechseln

Mit seiner Entscheidung für die Satzungsänderungen folgte das Präsidium nun den Empfehlungen der Satzungskommission, die nach der letzten Mitgliederversammlung – auch nach deutlicher Kritik der Ex-Geschäftsführer Manfred Müller und Klaus-Dieter Fischer - eingerichtet worden war. Dort wurde in den vergangenen Monaten heftig gestritten. Müller, der selbst in dem Gremium saß, forderte wie andere Teilnehmer auch, dass der Verein gar nicht mehr in der Geschäftsführung vertreten sein darf. Es geht dabei um die Compliance, also die Regeltreue von Unternehmen. Dabei wird es als kritisch angesehen, wenn der Mehrheitsgesellschafter sowohl im Aufsichtsrat als auch in der Geschäftsführung vertreten ist. Doch daran wird sich bei Werder Bremen sehr wahrscheinlich nichts grundlegend ändern. „Das Präsidium behält die Möglichkeit, eine Person für einen neuen Geschäftsführerposten vorzuschlagen“, heißt es im Vorschlag zur Satzungsänderung. Werders CSR-Direktorin Anne-Kathrin Laufmann gilt als Favoritin auf diesen Posten. Außerdem soll Tarek Brauer vom Direktor Recht und Personal zum Geschäftsführer befördert und damit Kollege von Klaus Filbry und Frank Baumann werden. Aktuell ist der Jurist bereits Mitglied der Geschäftsleitung.

Werder Bremen: Präsidium will Mitgliedern eine Satzungsänderung empfehlen

In der Strukturkommission wurden aber noch viele weitere Themen besprochen und auch als Empfehlung vereinbart. Davon steht allerdings nichts in der aktuellen Mitteilung des Vereins. Dabei soll es nach Informationen der DeichStube auch um Veränderungen bei der Wahl und den Aufgaben des Ehrenrats gehen. Der war vor einem Jahr in den Blickpunkt geraten, weil er laut Satzung allein für die Festlegung der Kandidaten für die Wahl zum Aufsichtsrat des SV Werder Bremen zuständig ist – und dabei diesmal keine glückliche Figur abgegeben hatte. (kni)

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Die Führungsetage des SV Werder Bremen wird sich offenbar stark verändern

Bremen – Der Machtkampf beim SV Werder Bremen hat ein erstes Ergebnis – und dabei ist Hubertus Hess-Grunewald sowohl ein Verlierer als auch ein Gewinner. Der Vereinspräsident wird wohl seinen lukrativen Posten als Geschäftsführer der ausgegliederten Kapitalgesellschaft für den Profisport verlieren, dafür aber den künftig finanziell besser ausgestatteten Vorsitz im Aufsichtsrat erhalten.

Und was dem 61-Jährigen noch wichtiger war: Der Verein wird weiterhin ein Mitglied der Geschäftsführung stellen, nur darf das nicht mehr der Vereinspräsident des SV Werder Bremen oder einer dessen Kollegen aus dem geschäftsführenden Präsidium sein. Gerade dieses Entsendungsrecht wurde in der 13-köpfigen Satzungskommission kontrovers diskutiert, es kam zur Kampfabstimmung, in der sich Hubertus Hess-Grunewald durchgesetzt hat.

Nun beschäftigt sich das Präsidium mit der Empfehlung, eine Zustimmung gilt als sicher. Im November entscheidet dann die Mitgliederversammlung, ob die Satzung tatsächlich geändert wird. Dann könnte möglicherweise auch schon etwas mehr Klarheit in der Nachfolger-Frage herrschen. Empfohlen wurde eine Aufstockung der Geschäftsführung von drei auf vier Mitglieder. Neben Hess-Grunewald gehören aktuell auch Klaus Filbry und Frank Baumann diesem Gremium an.

Werder Bremen: Rücken Tarek Brauer und Anne-Kathrin Laufmann in die Geschäftsführung auf?

Der Kandidat des Vereins soll Hubertus Hess-Grunewalds Aufgaben übernehmen, sich zum Beispiel um die anderen ausgegliederten Sportarten wie Tischtennis, Handball und Schach sowie um den CSR-Bereich kümmern. Laut „Bild“-Zeitung hat Werder Bremens CSR-Direktorin Anne-Kathrin Laufmann gute Chancen, den Posten zu bekommen. Eigentlich schon drin in der Geschäftsführung ist Tarek Brauer, der bereits seit 2020 als Mitglied der Geschäftsleitung bezeichnet wird. Ihn könnte der Aufsichtsrat unabhängig von den Strukturveränderungen im Verein befördern – und das quasi jederzeit.

Nach der Ausgliederung des Profi-Fußballs war die Werder Bremen GmbH & Co. KGaA 2003 mit vier Geschäftsführern gestartet. Nach dem Rücktritt von Jürgen Born 2009 wurde auf eine Nachbesetzung verzichtet. Die Doppelfunktion von Klaus-Dieter Fischer als Präsident und Geschäftsführer sorgte immer mal wieder für Kritik, weil das Präsidium auch direkt zwei der sechs Aufsichtsräte bestimmt und sich damit praktisch selbst kontrolliert. Das ist eigentlich nicht zulässig. Mit dieser besonderen Macht des Vereins hatte Fischer einst den Mitgliedern die nicht unumstrittene Ausgliederung schmackhaft gemacht.

Werder Bremen-Machtkampf: Wer muss für Hubertus Hess-Grunewald den Aufsichtsrat verlassen?

Nachdem er 2014 altersbedingt von seinen Ämtern zurückgetreten war, machte er sich für eine Trennung der beiden Posten stark – genauso wie der ehemalige Geschäftsführer Manfred Müller. Ein Machtkampf mit Hubertus Hess-Grunewald war entbrannt. Müller stellte bei der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen im Spätsommer 2021 einen entsprechenden Antrag, zog den aber zurück, weil Hess-Grunewald die Einsetzung einer Strukturkommission versprach, der auch Müller angehört, genauso wie Mitglieder des Aufsichtsrates, der Geschäftsführung und des Präsidiums.

Für Hubertus Hess-Grunewald geht es um viel Geld, er müsste auf sein Geschäftsführer-Gehalt (250.000 Euro) verzichten. Dafür soll das Salär für den Aufsichtsratsvorsitzenden erhöht werden, möglicherweise wird der Jurist demnächst auch für seine Tätigkeit als Vereinspräsident entlohnt. Das ist noch offen. Genauso wie die Frage, wer für Hess-Grunewald den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen verlassen müsste. Infrage kommen nur Marco Fuchs und Axel Plaat als nicht-gewählte Direktkandidaten des Vereins. (kni)

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