Werder macht sich anders fit - Stoxreiter ersetzt Heineke

Mit Maske, mehr Ballarbeit und neuem Ösi

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Werders Leistungsdiagnostiker Axel Dörrfuß (rechts) erklärt Keeper Michael Zetterer die Aufgabe auf dem Rad, und der neue Athletikcoach Günther Stoxreiter schaut interessiert zu.

Bremen - Von Björn Knips. Rauf aufs Laufband, Maske aufgesetzt – und dann wird getestet: Die Werder-Profis erleben am Freitag einen ganz anderen Trainingsauftakt als sonst. Der traditionelle Laktattest mit dem Rundendrehen auf Platz 11 hat ausgedient. Die Mannschaft bleibt im Weserstadion, jeder Spieler wird individuell untersucht.

Und nicht nur das ist neu: Werder verabschiedet sich nach einem Jahr schon wieder vom Thema Cross-Fit und setzt nun auf fußballspezifisches Athletiktraining. Die Koordination für die Umsetzung des neuen Konzepts, das das Trainerteam umsetzen möchte, übernimmt Axel Dörrfuß (45) – Auswirkungen soll es bis ins Leistungszentrum haben. Der Leistungsdiagnostiker war im vergangenen Oktober verpflichtet worden. Schon damals hatte sich angedeutet, dass der Weg mit dem neuen Athletikcoach Jörn Heineke nur bedingt funktionierte. Der Bremer setzte vor allem auf Kraft.

Cheftrainer Viktor Skripnik gestand dann in der Rückrunde, dass die Fitnesswerte im Herbst alles andere als gut gewesen waren. Dörrfuß übernahm die Initiative, wollte aber auch noch nicht zu viel verändern. Für den „neuen Weg“, wie ihn Dörrfuß nennt, brauche es am besten eine Vorbereitung. Deshalb fällt jetzt der Startschuss – mit einem Ersatz für Heineke: Günther Stoxreiter (35) ist neuer Athletikcoach. Ein Diplom-Sportwissenschaftler aus Österreich, der die A-Lizenz der Uefa besitzt und in seiner Heimat selbst gespielt hat. Dörrfuß hat ihn vor einem Jahr bei einer Weiterbildung von Fitness-Guru Mark Verstegen kennengelernt. „,Stoxi‘ ist ein Experte für fußballspezifisches Athletiktraining“, betont Dörrfuß und erklärt, dass das Trainerteam selbst den morgendlichen Waldlauf im Trainingslager künftig auf den Prüfstand stellen wird.

„Der Fokus wird ganz klar darauf liegen, den Ball möglichst oft am Fuß zu haben“, sagt Dörrfuß. Die Profis könnten schließlich nur eine bestimmte Zeit voll belastet werden – und diese Zeit gelte es, optimal zu nutzen und nicht durch fußballfremde Übungen zu vergeuden. Um Optimierung geht es auch schon vor dem Training. Jeder Profi absolviert am Freitag oder Samstag einen individuellen Laktattest auf dem Laufband – und hat zudem eine Atemmaske auf, um über das Atemgas weitere Informationen zu erlangen. Es geht zum Beispiel auch um den Stoffwechsel. „Wir wollen den Spieler so gläsern wie möglich machen, damit wir ihn optimal dosiert trainieren können“, erklärt Dörrfuß.

Dörrfuß sieht sich nicht als Heilsbringer

Tipps zur Ernährung gehören ebenso dazu. „Wir werden schon im Trainingslager die Kohlenhydrat-Menge der einzelnen Spieler dosieren“, berichtet der Experte, schränkt aber sogleich ein: „Das ist nur eine Empfehlung für die Spieler.“ Jeder dürfe sich am Büfett weiterhin selbst bedienen. Zudem wird noch mehr Wert auf die Trackingdaten gelegt, dabei aber weniger auf die Gesamtlaufstrecke eines Profis pro Spiel, sondern interessanter sind Einzelposten. „Wir müssen die Daten richtig interpretieren und immer auch den Spielverlauf im Blick haben“, sagt Dörrfuß und nennt einen Ansatzpunkt: „Die Dynamik und Beschleunigung rückt mehr in den Mittelpunkt. Es wäre schön, wenn wir irgendwann sagen könnten: Da haben wir uns verbessert.“

Und zwar durch eine Teamleistung aus Diagnostikern, Trainern, Spielern und Physiotherapeuten. Dabei soll auch die Trainingsarbeit auf dem Platz individueller gestaltet und mehr die Stärken und Schwächen des Einzelnen berücksichtigt werden. Dörrfuß sieht sich nicht als Heilsbringer. Bei anderen Vereinen sei das längst üblich – wie bei Borussia Dortmund oder Schalke 04. Außerdem dürfe niemals vergessen werden: „Der Fußball wird immer wissenschaftlicher. Wir müssen dabei aufpassen, mit den Daten richtig umzugehen.“

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