Gespräch über Saisonstart, Davy Klaassen und seine Treue zu Werder

Werder-Profi Ludwig Augustinsson im DeichStube-Interview: „Das letzte Jahr hat mich stärker gemacht“

Ludwig Augustinsson von Werder Bremen schießt den Ball im Spiel gegen Schalke 04
+
Ludwig Augustinsson ist zum Saisonstart in Top-Form. Der Linksverteidiger war in drei Pflichtspielen des SV Werder Bremen an fünf Toren beteiligt.

Bremen – Drei Pflichtspiele ist die Saison 2020/21 nun alt, und Ludwig Augustinsson bringt es bereits auf fünf Torbeteiligungen. Nach einem von Verletzungen geprägten Vorjahr hat der Linksverteidiger des SV Werder Bremen, so scheint es, zurück zu alter Form gefunden.

Im Gespräch mit der DeichStube hat Ludwig Augustinsson erklärt, wie ihm das gelungen ist, wie er mit der Spuck-Attacke von Ozan Kabak im Spiel des SV Werder Bremen gegen Schalke 04 umgegangen ist – und warum bei ihm in dieser Transferphase kein Verein anzufragen braucht.

Herr Augustinsson, während des Auswärtsspiels gegen Schalke 04 wurden Sie von Ozan Kabak bespuckt. Haben Sie mit ihm noch Redebedarf?

Nein, für mich ist das Thema jetzt abgeschlossen. Es hätte nicht passieren sollen, aber es ist nun mal passiert. Er hat sich öffentlich entschuldigt, und ich denke nicht mehr daran. Dazu gibt es nichts mehr zu sagen.

Okay, dann wechseln wir das Thema und reden über Erfreulicheres: In den ersten drei Pflichtspielen der Saison waren Sie bereits an fünf Toren beteiligt. Warum läuft es so gut?

Ich habe in der gesamten Vorbereitung nicht ein Training verpasst, habe in einen guten Rhythmus gefunden und somit jetzt endlich eine hohe Kontinuität, die ich so in der letzten Saison nicht hatte. Als Mannschaft haben wir uns zudem verbessert. Wir haben große Spieler, die im Strafraum sehr stark sind. Das kommt mir natürlich entgegen. Ich denke auch, dass meine Flanken besser geworden sind. Es kommen mehrere Faktoren zusammen, die gerade einfach gut passen.

Die vergangene Saison war für den Verein, aber auch für Sie persönlich sehr schwierig. Mehrfach wurden Sie von Verletzungen zurückgeworfen. Haben Sie vor der neuen Spielzeit etwas verändert, damit das nicht wieder passiert?

Im letzten Jahr war es für mich einfach zu viel rein und raus. Ich war nie wirklich topfit, und das war ein Problem. Ich habe deshalb schon den Urlaub dafür genutzt, mich Schritt für Schritt wieder in Form zu bringen. Viel verändert habe ich dabei nicht. Es hilft einfach, wenn man trainieren und dann auch spielen kann. Jetzt fühle ich mich ausgeruht und hungrig zugleich. Ich glaube, dass mich das letzte Jahr stärker gemacht hat.

Werder Bremen: Relegations-Tor für Ludwig Augustinsson so wichtig wie Treffer bei der WM

Definitiv haben Sie für einen historischen Werder-Moment gesorgt. Ihr Tor im Relegationsrückspiel gegen Heidenheim bezeichnen einige als das wichtigste der Vereinsgeschichte. War es das?

Oh, da bin ich mir gar nicht so sicher, aber es war bestimmt eines der wichtigsten. Für Werder ging es ja schon in vielen Spielen um alles, wie 2016 zum Beispiel gegen Frankfurt. Mein Tor war auf jeden Fall eine sehr große Befreiung, denn niemand wollte mit diesem tollen Verein absteigen. Persönlich würde ich es auf eine Stufe mit meinem Treffer bei der Weltmeisterschaft 2018 stellen.

Im letzten Jahr hat es mit dem Klassenerhalt auch dank Ihres Tores erst auf den letzten Drücker geklappt. Ist Werder damit in der neuen Saison automatisch wieder ein Abstiegskandidat?

Das ist schwer zu sagen, weil wir erst zwei Spiele gespielt haben und viele Teams noch nicht genau wissen, wo sie stehen. Wir wollen da unten jedenfalls nie wieder hin, sondern allen zeigen, dass wir eine deutlich bessere Mannschaft sind.

Wie kann das dauerhaft gelingen?

Wenn wir so auftreten wie am ersten Spieltag gegen Hertha, reicht es jedenfalls nicht. Das ist klar. Gegen Schalke war die Reaktion gut, aber jetzt müssen wir weitermachen. Im letzten Jahr haben wir viel zu oft nach einem guten Spiel direkt wieder verloren. Gegen Bielefeld müssen wir am Samstag zeigen, dass wir stabiler geworden sind.

Werder Bremen: Ludwig Augustinsson wünscht sich Verbleib von Davy Klaassen

Es ist inzwischen stolze 13 Monate her, dass Werder vor seinen Fans im Weserstadion ein Spiel gewonnen hat. So die Infektionszahlen das Kommen der Zuschauer denn erlauben – was können Sie den Fans in Aussicht stellen?

13 Monate? Das ist wirklich keine schöne Zahl. Wir haben aber auch nicht vergessen, dass wir in der Zeit davor sehr stark im eigenen Stadion waren. Da wollen wir alle wieder hin. Bielefeld wäre da ein guter Startpunkt.

Wo wir gerade bei Bielefeld sind: Davy Klaassen hat im Sommer 2018 sein erstes Werder-Spiel gegen diesen Gegner absolviert und macht am Samstag womöglich auch sein letztes gegen Bielefeld. Ein Wechsel zu Ajax Amsterdam steht im Raum. Wie optimistisch sind Sie, dass er in Bremen bleibt?

Ich kann nicht sagen, was passieren wird, weil ich es nicht weiß. Das müssten Frank Baumann (Sportchef, Anm. d. Red.) oder Davy selbst beantworten. Er ist ohne Frage ein sehr wichtiger Spieler für uns, und ich möchte, dass er bleibt. Mir ist auf der anderen Seite aber auch die schwierige finanzielle Situation des Vereins bekannt.

Klaassen ist Stammspieler, Vize-Kapitän, Leistungsträger – könnte Werder seinen Abgang sportlich überhaupt verkraften?

Es dürfte auf jeden Fall schwer werden, einen Spieler von Davys Qualität zu finden, weil er sehr viel Erfahrung hat und einer unserer besten Spieler ist. Wenn er gehen sollte, vertrauen wir Frank Baumann und seinem Team, dass sie einen guten Plan haben und die Sache lösen.

Heißt also: Sollte Klaassen gehen, braucht Werder im Mittelfeld gleichwertigen Ersatz?

Das weiß ich nicht. Wenn die Lösung so aussehen sollte, okay. Ich finde aber auch, dass Manu (Jean-Manuel Mbom, Anm. d. Red.) es gegen Schalke sehr gut gemacht hat. Er ist ein junger Spieler, mit dem ich in den letzten Tagen sehr viel gesprochen habe. Er hat sein Debüt gefeiert und sofort einen guten Job gemacht. Ich verlasse mich da komplett auf den Plan unserer Verantwortlichen.

Ludwig Augustinsson: Darum ist Werder Bremen besser als im Vorjahr

In der Gerüchteküche, was mögliche Abgänge betrifft, tauchen bei Werder vornehmlich die Namen Pavlenka, Rashica und eben Klaassen auf. Warum gibt es keine Wechselgerüchte um Ludwig Augustinsson?

Weil klar ist, dass ich nicht wechseln werde. Im letzten Jahr habe ich nicht viele Spiele gemacht, hatte nie einen Rhythmus. Jetzt möchte ich wieder mein höchstes Level erreichen – und zwar bei Werder.

Den Verein dürfte es freuen, dass er für das Jahr, in dem alles besser werden soll, mit Ihnen planen kann. Wie ist denn Ihr Eindruck im Vergleich mit dem Vorjahr: Ist die Mannschaft besser geworden?

Ja, wir sind stärker als im letzten Jahr.

Woran machen Sie das fest? Auf dem Papier wirkt der Kader – vor allem, wenn Klaassen und/oder Rashica noch gehen sollten – eher schwächer. Werder hat viel Erfahrung verloren und bisher in Patrick Erras nur einen Spieler dazugeholt, der zuvor schon in der Bundesliga gespielt hatte.

Wir sind jetzt fitter und haben einen guten Konkurrenzkampf. Natürlich stimmt es, dass wir gute Spieler verloren haben, die über sehr viel Routine verfügen. Dafür sind viele junge Spieler neu dazu gekommen. Es war schon ein Umbruch, aber manchmal ist so etwas wichtig. Ich glaube, dass der Mix für die Zukunft genau richtig ist. Es ist bei uns so: Wenn wir 100 Prozent geben, sind wir eine Mannschaft, die jeden Gegner in der Liga schlagen kann. Aber wenn wir nur ein paar Prozent nachlassen, bekommen wird gegen jeden Gegner Probleme. Wir haben nicht die individuelle Qualität, dass wir uns das leisten können. (dco)

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Polizei in Belarus setzt und Blend- und Lärmgranaten ein

Polizei in Belarus setzt und Blend- und Lärmgranaten ein

Bayern mit Tor-Festival dank Lewandowski - Leipzig Spitze

Bayern mit Tor-Festival dank Lewandowski - Leipzig Spitze

Mit Vaseline und gutem Gummi - so wird das Auto winterfit

Mit Vaseline und gutem Gummi - so wird das Auto winterfit

Jubel in Hoffenheim: Sieg gegen Roter Stern Belgrad

Jubel in Hoffenheim: Sieg gegen Roter Stern Belgrad

Meistgelesene Artikel

Werder wird unbesiegbar - und kämpft sich gegen Hoffenheim zum nächsten Punkt

Werder wird unbesiegbar - und kämpft sich gegen Hoffenheim zum nächsten Punkt

Werder wird unbesiegbar - und kämpft sich gegen Hoffenheim zum nächsten Punkt
Ausgerechnet Baumann und Kohfeldt holen Bargfrede zurück zu Werder

Ausgerechnet Baumann und Kohfeldt holen Bargfrede zurück zu Werder

Ausgerechnet Baumann und Kohfeldt holen Bargfrede zurück zu Werder
So viel Werder steckt in Hoffenheim: Kohfeldt und Hoeneß im Vergleich

So viel Werder steckt in Hoffenheim: Kohfeldt und Hoeneß im Vergleich

So viel Werder steckt in Hoffenheim: Kohfeldt und Hoeneß im Vergleich
Werder Bremen verneint Insolvenzgefahr – und ein grün-weißer Appell von Kohfeldt

Werder Bremen verneint Insolvenzgefahr – und ein grün-weißer Appell von Kohfeldt

Werder Bremen verneint Insolvenzgefahr – und ein grün-weißer Appell von Kohfeldt

Kommentare