Gebürtiger Achimer spielt erstmals im Weserstadion

Auf Umwegen zum Ziel: Höler und seine ganz besondere Verbindung zu Werder

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Zweimal hat Lucas Höler vom SC Freiburg bereits gegen den SV Werder gespielt - am Samstag feiert er seine Premiere im Weserstadion.

Bremen – Die Ungewissheit war immer dabei, an all diesen Wochenenden. Schon beim Treffpunkt, nahe des Bahnhofs, war sie zu spüren. Denn schließlich konnte keiner der Freunde mit Sicherheit wissen, ob es auch dieses Mal wieder klappen, ob sich ihre Reise auch dieses Mal wieder lohnen würde. Von Schwanewede nach Bremen, im Regionalexpress, eine halbe Stunde dauert das nur. Dann direkt weiter an den Osterdeich, zum Weserstadion.

Wo es für Lucas Höler und seine Kumpels spannend wurde: Die Jagd nach den Tickets begann. „Wir haben oft bis kurz vor dem Anstoß gewartet, weil es dann etwas günstiger war“, erinnert sich der 24-Jährige. Gelöste Stimmung, wenn wieder mal alle eine Karte ergattert hatten. 

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Micoud, Ailton, Diego – Werder-Fan Höler hat ihnen zugejubelt

„Dann ging es in die Ostkurve, und wir haben das Spiel einfach nur genossen“, sagt Höler, Werder-Fan, seit er denken kann, und am Samstag wieder im Weserstadion zu Besuch – zum ersten Mal allerdings in gänzlich neuer Rolle: als Werder-Gegner, als Profi des SC Freiburg. Für den Stürmer ein Spiel als vorläufiger Höhepunkt einer äußerst ungewöhnlichen Karriere.

„Ich freue mich riesig darauf“, betont Höler, der sehr lange auf diesen Tag warten musste. Im Grunde sein ganzes Leben lang. 1994 in Achim geboren, aufgewachsen in Schwanewede, beides direkt vor den Toren Bremens. Das Weserstadion wurde da bereits früh zum Sehnsuchtsort. „Mein Vater hat mich schon mitgenommen, da war ich noch ein kleines Kind.“ Micoud, Ailton, Diego – Höler hat ihnen zugejubelt, hat ihre Trikots getragen, „ich habe sie einfach nur abgefeiert“, sagt er. Aus dem Traum, selbst einmal für Werder zu spielen, wird aber nichts. Weil es nicht passte, mehrmals nicht und aus unterschiedlichen Gründen.

In der F-Jugend, ganz am Anfang also, bittet Werder das Talent des FC Hansa Schwanewede zum Probetraining und ist überzeugt. „Sie wollten mich haben“, erzählt Höler, der den Schritt damals aber nicht macht. Weil beide Eltern berufstätig sind, wären die Fahrten zum Training eine zu große Belastung für die Familie gewesen. Höler bleibt bei Hansa, in seinem Heimatverein, wo Vater Ralf noch heute im Vorstand sitzt und in der Ü40 spielt.

Werder verfolgt den Jungen aus der Region in den Folgejahren weiterhin, behält ihn auch nach seinen Wechseln zum VSK Osterholz-Scharmbeck und Blumenthaler SV im Blick. Ein ums andere Mal spielt Höler am Osterdeich vor, zuletzt in der A-Jugend, als es die Absage von Werder gibt. „Ich war damals körperlich einfach noch nicht so weit“, sagt der Fußballer, der 2013 einen anderen Weg wählt und zum VfB Oldenburg geht. Sein Trainer dort: Alexander Nouri.

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Höler schwärmt von Ex-Trainer Alexander Nouri

„Ich habe sehr, sehr viel von ihm gelernt“, schwärmt Höler, der Nouri im Sommer 2014 dennoch einen Wunsch ausschlägt: „Er wurde Trainer von Werders U 23 und wollte mich mitnehmen, aber ich habe mich anders entschieden.“ Wieder nicht Werder. Höler wechselt stattdessen in die U 23 des FSV Mainz 05, kann dort Dritte Liga spielen. Es ist seine erste Station als Profi – und er startet so richtig durch.

21 Tore in 63 Ligaspielen, dazu fünf Vorlagen, „plötzlich habe ich erkannt, dass ich es auch noch eine Liga höher schaffen kann“, berichtet Höler. 2016 deshalb der Wechsel zum Zweitligisten SV Sandhausen. Es ist der nächste Schritt die Leiter hinauf. Bedächtig, wohlüberlegt, die gesunde Entwicklung als Fußballer immer im Vordergrund.

„Irgendwie hatte ich eine ganz andere Laufbahn als die meisten Profis“, sagt Höler, der nie ein Nachwuchsleistungszentrum besucht hat. „Ich habe in meiner ganzen Jugend nur Hobbyfußball gespielt und bin heute dankbar dafür, dass meine Eltern mich in der F-Jugend nicht zu Werder geschickt haben.“ Höler weiß es längst zu schätzen, dass er dem Sport nicht schon früh alles andere unterordnen musste: „Ich wurde nicht in dieses Fußball-Ding reingepresst, sondern konnte meine Jugend genießen.“ Später habe er deshalb zwar einiges aufholen müssen, „aber daran habe ich mich schnell gewöhnt“.

Nachdem der Stürmer für Sandhausen in 48 Zweitligaspielen 13 Tore geschossen hat, greift Freiburg im Januar 2018 zu – und Höler ist plötzlich in der Bundesliga angekommen. Trainer Christian Streich wirft den neuen Mann direkt ins kalte Wasser, setzt ihn in den ersten zehn Rückrundenspielen immer in der Startelf ein. „Das hat mir sehr geholfen, so konnte ich gut ankommen“, sagt Höler, der es in der laufenden Saison auf vier Tore bringt – zwei davon gegen die Bayern. Erst vor knapp zwei Wochen bescherte er Freiburg ein 1:1 gegen den Rekordmeister. Zum Spiel der Saison kommt es für Höler aber erst jetzt.

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Von der Ostkurve auf den Rasen

„Ich habe von der Familie und aus dem Freundeskreis eine große Kartenbestellung bekommen“, erzählt Höler vor dem Duell gegen Werder, „das habe ich alles abgearbeitet.“ Schließlich wollen alle dabei sein, wenn sich der Schwaneweder am Samstag seinen Kindheitstraum erfüllt, wenn auch anders, als er es sich früher vorgestellt hat. Dass er dabei nicht das Werder-Trikot tragen wird – für Höler ist das kein Problem. Ob er bei einem etwaigen Treffer gegen seinen Herzensverein jubeln würde? „Das weiß ich noch nicht.“

Fest steht aber: Den Blick hinauf vom Rasen zur Ostkurve, dort wo er früher an so vielen Wochenenden mit seinen Freunden stand, wird sich der Angreifer nicht verkneifen. Immerhin ist es der Perspektivwechsel, den er immer haben wollte, und es ist gut möglich, dass er bei ganz genauem Hinsehen bekannte Gesichter erspäht. „Ich wollte auch einigen alten Freunden Karten besorgen, aber sie haben gesagt: Nee, nee, lass mal. Wir stehen lieber in der Ostkurve.“ Alles wie früher also, alles wie immer. Nur dass sie mittlerweile auf Lucas Höler in ihrer Mitte verzichten müssen.

Quelle: DeichStube

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