Mit Trainingslager zum Klassenerhalt?

Werder und die Krisen-Camps: Mal Initialzündung, mal wirkungslos

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Viktor Skripnik (l.) und Alexander Nouri setzten zu ihren Krisen-Zeiten als Trainer des SV Werder Bremen jeweils auf Kurz-Trainingslager.

Bremen – Alle Störfaktoren ausblenden, den Blick nur auf die kommende und so wichtige Aufgabe richten – Trainer Florian Kohfeldt verspricht sich viel vom Kurz-Trainingslager des SV Werder Bremen, das er mit seiner Mannschaft drei Tage vor dem Bundesliga-Auswärtsspiel bei RB Leipzig (Samstag, 15.30 Uhr) aufschlägt.

In zwei nicht-öffentlichen Einheiten sowie in Einzel- und Gruppengesprächen soll der Mannschaft während des Trainingslagers in Leipzig neues Leben eingehaucht werden. Eine besondere Aktion, keine Frage. Aber keine grundsätzlich neue Idee. Kohfeldts direkte Amtsvorgänger Alexander Nouri und Viktor Skripnik waren mit Werder Bremen sogar in jeweils zwei Krisen-Camps gereist – mit unterschiedlichem Erfolg. Ein Rückblick.

Viktor Skripnik: Zwei Krisen-Camps in einer Woche

In der Saison 2015/2016 stand Werder das Wasser bis zum Hals. Nach dem 31. Spieltag belegte die Mannschaft von Trainer Viktor Skripnik den 16. Tabellenplatz mit zwei Zählern Rückstand auf den 15. VfB Stuttgart, der nun, Anfang Mai, als nächster Gegner ins Weserstadion kommen sollte. Mehr Endspiel geht kaum. Skripnik bat seine Mannschaft vor dem Kellerduell am Montagabend für drei Tage ins Kurz-Trainingslager nach Verden. „Wir wollen uns als komplettes Team gemeinsam fokussieren und uns einschwören“, sagte er damals.

Und ganz offensichtlich ging dieser Plan auf: Werder Bremen setzte sich mit 6:2 gegen die Schwaben durch (die ihrerseits vor dem Spiel übrigens für eine knappe Woche ins Trainingslager nach Mallorca gereist waren) und legte damit den Grundstein für die spätere Rettung. Erstmals hatte der Verein in Verden übrigens auf die Dienste von Sportpsychologe Andreas Marlovits vertraut, der heute fest zum Staff von Cheftrainer Kohfeldt gehört.

Werder Bremen rettet sich nach Trainingslagern vor dem Abstieg

Vom Erfolg des ersten Kurz-Trainingslagers angetan, ordnete Viktor Skripnik nur einige Tage später das nächste an. Auch vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Köln am 33. Spieltag trainierte Werder zwei Tage außer Haus. Am Vatertag machte sich der Bremer Tross mit dem Bus auf den Weg in die Domstadt, Marlovits war wieder mit an Bord. „Wir wollen den Schwung aus dem Stuttgart-Spiel mit nach Köln nehmen“, sagte Skripnik – und erklärte: „Am Trainingsprozess kann ich in der Woche nicht viel verändern. Aber die Mannschaft ist zwei Tage zusammen.“

Werder Bremen stieg im „Brenner’schen Hof“ im Kölner Stadtteil Junkersdorf ab, wo sich die Mannschaft nach der Ankunft gemeinsam das Europa-League-Spiel zwischen dem FC Liverpool und dem FC Villarreal ansah. „Das war eine Maßnahme zum Team-Building“, sagte Skripnik. Am Ende holte Werder beim „Effzeh“ einen Punkt (0:0). Eine Woche später folgte das inzwischen legendäre Abstiegsfinale gegen Eintracht Frankfurt (1:0). Skripnik blieb danach noch bis September 2016 im Amt, ehe er von Alexander Nouri abgelöst wurde.

Alexander Nouri: Ein Krisen-Camp als Wendepunkt

Mit dem neuen Chefcoach dauerte es in der Folge nur fünf Monate bis zum nächsten Kurz-Trainingslager. Nachdem Nouri mit seinem Team in der Saison 2016/2017 auf Tabellenplatz 15 überwintert hatte, folgte ein fataler Fehlstart in die Rückrunde mit Niederlagen gegen Dortmund (1:2), Bayern (1:2), Augsburg (2:3) und Gladbach (0:1). Als einzige Mannschaft der Liga stand Werder Bremen nach dem Jahreswechsel im Februar 2017 noch immer ohne Punktgewinn da.

Vor dem anstehenden Auswärtsspiel in Mainz setzte dann auch Nouri erstmals auf ein kurzes Trainingslager und fuhr mit seiner Mannschaft bereits zwei Tage vor dem Spiel in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Eine Maßnahme, die fruchtete. Werder gewann das Spiel in Mainz mit 2:0 und legte damit den Auftakt zu einer Serie von elf Spielen ohne Niederlage (neun Siege, zwei Unentschieden). Am Ende hätte sich der Verein fast noch für Europa qualifiziert.

Werder Bremen: Zweites Trainingslager kann Alexander Nouri nicht retten

Nachdem die Abstiegsangst im Oktober 2017 aber schon wieder nach Bremen zurückgekehrt war, ging Alexander Nouri mit Werder erneut auf Reisen – ebenso wie Skripnik 17 Monate zuvor vor einem Auswärtsspiel in Köln. Auch dieses Mal kamen die Bremer nicht über ein 0:0 hinaus, was für Nouri letztlich zu wenig war. Zwar folgte drei Tage später noch ein knapper 1:0-Pokalerfolg gegen Hoffenheim, wiederum vier Tage später nach einem 0:3 im Heimspiel gegen Augsburg musste der Trainer aber gehen. (kni)

Quelle: DeichStube

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