Baumann: „Wir brauchen nicht mehr ganz lange“

Die letzte Runde in Werders Trainer-Casting

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Alexander Nouri und Frank Baumann

Bremen - Es wird gesprochen, abgewogen und gegrübelt. Das Trainer-Casting bei Werder läuft auf Hochtouren. „Man besetzt diese wichtige Position nicht nach Hörensagen, sondern muss alles sorgfältig überprüfen“, betonte Sportchef Frank Baumann am Donnerstag.

Der von ihm selbst viel zitierte „Entscheidungsprozess“ ist aber so gut wie abgeschlossen. In der kommenden Woche dürfte endlich feststehen, ob a) Interimscoach Alexander Nouri weitermachen darf – oder b) ein neuer Trainer kommt, der die Mannschaft dann in der Länderspielpause in Ruhe kennenlernen und auf die nächsten Aufgaben vorbereiten kann. Wann genau Werder seinen richtungsweisenden Entschluss fasst und damit an die Öffentlichkeit geht, wollte Baumann aber noch nicht verraten. Er sagte bei Nachfragen während der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr) beim SV Darmstadt 98 lediglich Sätze wie „Wir wollen uns einfach noch ein paar Tage geben“ oder „Wir werden nicht mehr ganz lange brauchen, bestimmt kein halbes Jahr“.

Solange keine endgültige Entscheidung gefallen ist, wird weiter spekuliert und gebohrt. „Kein Problem“, sagte Baumann mit einem Schmunzeln und erinnerte an das Beispiel Gladbach. Dort war nach dem Rücktritt von Lucien Favre im September 2015 monatelang nicht klar gewesen, wer der neue Trainer wird – ehe der sofort erfolgreiche Interimscoach Andre Schubert (hat inzwischen bis 2019 verlängert) den Zuschlag von Sportdirektor Max Eberl bekam. Diese Chefcoach-Chance – wie groß sie auch immer sein mag – hat nun Nouri in Bremen. Baumann: „Es kann sein, dass er in den nächsten Wochen bei uns auf der Bank sitzt. Oder Monaten. Oder vielleicht Jahren.“ Letzteres würde den aktuellen Trainer zweifellos am meisten freuen.

Der 37-Jährige hat bei seinen ersten zwei Spielen gegen Mainz (1:2) und Wolfsburg (2:1) ordentlich Bundesliga-Blut geleckt und will sich am liebsten weiter bei den Profis beweisen. Soll er auch, sagen inzwischen nicht wenige. Wenn er in diesen Tagen in Bremen, seinem Wohnort Weyhe oder auch im Internet unterwegs ist, spürt er Anerkennung und Zuspruch. Die netten Worte gefallen ihm natürlich, er will sie aber nicht überbewerten. „Ich weiß doch, dass es in meinem Berufsfeld schnell ausschlagen kann – in beide Richtungen!“, sagte Nouri: „Da muss man bescheiden bleiben und realistisch sein.“

Nouri eilt dem von Baumann erstellten Karriereplan voraus 

Wie realistisch es ist, dass er nach dem Wochenende noch die Profis und nicht wieder die U23 in der Dritten Liga trainiert, mag er nicht einschätzen. Er verbietet es sich, öffentlich über seine Zukunftschancen als Chefcoach zu sprechen. Es bringe nichts, „jetzt irgendwelche Fantasien zu entwickeln oder Luftschlösser zu bauen“, meinte Nouri: „Ich möchte mich auf Darmstadt fokussieren und die Dinge beeinflussen, die ich beeinflussen kann.“ Sein weiterer Werde(r)gang gehört nicht dazu, darüber bestimmt letztlich die sportliche Leitung der Bremer.

Immerhin: Nouri, der nach seinem Wechsel aus Oldenburg damals recht schnell die U23 übernahm und dem von Baumann erstellten Karriereplan vorauseilte („Er hat einige Stufen schneller gemeistert“), ist noch im Rennen. Er hat sich binnen kürzester Zeit von einer reinen Interimslösung zu einem offenbar ernst zu nehmenden Kandidaten auf die Nachfolge des entlassenen Viktor Skripnik entwickelt – und darf noch ein bisschen Eigenwerbung betreiben. Erst Samstag in Darmstadt, dann im Büro des Sportchefs. Baumann: „Nach dem Spiel haben wir Zeit, auch mit ,Alex’ weitere Gespräche zu führen.“
mr/cs

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