„Ich bin kein Jungspund mehr“

Lennart Thy lässt sich nicht unterbuttern

+
Lennart Thy 

Neuruppin - Ein paar Häuser weiter – und es wäre die totale Rückkehr gewesen. Doch nun wohnt Lennart Thy in Bremen nicht wie einst am Osterdeich, sondern etwas tiefer rein ins Viertel. Eine kleine, aber feine Veränderung – und so soll es auch auf dem Platz im Trikot des SV Werder sein.

„Ich bin kein Jungspund mehr“, stellt der 24-Jährige Neuzugang vom FC St. Pauli klar: „Ich habe einfach Bock, mich hier im zweiten Anlauf durchzusetzen.“ Vier Jahre war Thy weg. Eine Liga tiefer. 107 Spiele, 18 Tore für St. Pauli – keine Wahnsinnsbilanz. Immerhin acht Treffer waren es in der vergangenen Saison. „Zu wenig“, findet Thy: „Als alleinige Spitze hatte ich mir mehr vorgestellt.“

Trotzdem ist er aufgestiegen. Nicht mit St. Pauli, sondern zu Werder. Dank Viktor Skripnik. Der Trainer kennt ihn aus der gemeinsamen Zeit in Werders U 17 und wollte ihn unbedingt zurück. „Er hat mich im Winter angerufen“, verrät Thy und lächelt: „Natürlich ist das schön. Er kennt mich, das gibt einem ein gutes Gefühl.“

Aber längst noch keinen Stammplatz. Dafür muss Thy hart arbeiten und eigentlich jemanden verdrängen, der unverdrängbar ist: Claudio Pizarro (37). „Ein Top-Stürmer“, sagt Thy, „an dem es schwer wird vorbeizukommen.“ Also berichtet der 24-Jährige noch, dass er flexibel ist: „Ich finde es auch gut, hängend oder drumherum zu spielen.“ Ein Zwei-Mann-Sturm, das wäre was.

So wie im August 2011. Da durfte der ganz junge Thy mit seinen 19 Jahren neben Markus Rosenberg erstmals von Beginn an in der Bundesliga stürmen. Beim 2:0 gegen Kaiserslautern war alles gut, eine Woche später dann aber nach 61 Minuten schon wieder alles vorbei. Nach seinem Fehlschuss über das leere Tor wurde Thy von Thomas Schaaf ausgewechselt, Werder verlor in Leverkusen 0:1. Ganze vier Minuten durfte der Angreifer danach noch mal in der Bundesliga ran. Es folgte die Flucht nach St. Pauli.

„Diese Szene in Leverkusen hat länger an mir genagt, als ich gedacht habe“, erinnert sich Thy und fügt sogleich an: „Das ist jetzt aber abgehakt.“ Fünf Jahre sind schließlich eine halbe Ewigkeit in einem Fußballerleben. „Ich bin erwachsener geworden. Ich traue mich, auf den Platz den Mund aufzumachen. Ich verstecke mich nicht, ich lasse mich nicht unterbuttern“, betont der 24-Jährige.

Thy will kein Talent mehr sein. So wie er es bei Werder als U 17-Europameister immer war. Gleiches galt für seinen Kumpel Florian Trinks. Sie waren die Doppel-Hoffnung aus der eigenen Jugend. Trinks verließ Werder ein Jahr nach Thy und ist jetzt in Ungarn bei Ferencvaros Budapest. „Ich habe ihn da schon besucht“, erzählt Thy. Für ihn selbst sei ein Wechsel ins Ausland kein Thema gewesen. Warum auch, schließlich hat „sein“ Club angeklopft. „Dass ich mit dem Herzen an Bremen hänge, weil ich einen Großteil meiner Jugend hier verbracht habe, ist doch klar“, sagt der gebürtige Frechener, der in Norden in Ostfriesland aufgewachsen ist und 2007 zu Werder kam. Herz allein wird nicht reichen, das weiß Thy: „Ich muss mich schnell ans Tempo gewöhnen.“ Alles andere, sagt er, hat er in Liga zwei gelernt: „Den Abschluss, das Bällehalten, Körpereinsatz – dafür war die zweite Liga sehr gut.“
kni/csa

Mehr zum Thema:

Bayern nach Leipzig-Patzer wieder vorn

Bayern nach Leipzig-Patzer wieder vorn

Riesenjubel in Grün-Weiß

Riesenjubel in Grün-Weiß

DHB-Frauen starten mit Sieg in EM-Hauptrunde

DHB-Frauen starten mit Sieg in EM-Hauptrunde

Weihnachtsmarkt in Sankt Hülfe/Heede

Weihnachtsmarkt in Sankt Hülfe/Heede

Meistgelesene Artikel

Die Aufstellung: So könnte Werder gegen Hertha BSC spielen

Die Aufstellung: So könnte Werder gegen Hertha BSC spielen

Keine Touristen-Tour

Keine Touristen-Tour

Werder taucht bei "Football Leaks" auf: Zahlung ins Steuerparadies

Werder taucht bei "Football Leaks" auf: Zahlung ins Steuerparadies

Claudio Pizarro: Erstes Saison-Tor beim Debüt-Gegner?

Claudio Pizarro: Erstes Saison-Tor beim Debüt-Gegner?

Kommentare