Werder-Aufsichtsrat schließt mit Fischer Frieden, warnt aber weiter vor Schulden

Lemke bleibt seiner Linie treu

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Aufsichtsrat Willi Lemke warnt, dass Werder bei zu großem finanziellen Risiko irgendwann die Lizenz verlieren könnte.

Bremen - „Alles wird gut“, sagte Willi Lemke zum Abschied – und verließ am Montagabend kurz vor Mitternacht das Podium in der Werder-Halle. In den Minuten davor hatte der 68-Jährige nach der Mitgliederversammlung des SV Werder erstmals seit seiner Demission als Aufsichtsratschef ausführlich mit Journalisten über seinen Streit mit Klaus-Dieter Fischer, seine Zukunft beim Bundesligisten und sein grundsätzliches Nein zu Schulden gesprochen.

Ergebnis: Lemke hat zwar an Macht bei Werder verloren, will aber weiterhin großen Einfluss nehmen und sein Amt als Aufsichtsrat bis zum Ende seiner Wahlperiode (2016) ausüben. Danach sei allerdings Schluss, so Lemke: „Ich bin ja jetzt auch schon 68.“

Auf seiner quasi letzten Werder-Etappe hatte der ehemalige Manager offenbar noch einmal schier Unglaubliches erlebt – und war dadurch kurzzeitig in den Mittelpunkt der Mitgliederversammlung gerückt. Denn der scheidende Präsident Klaus-Dieter Fischer berichtete gleich zu Beginn von einer „bösen Geschichte“. Junge Mitglieder sollen angesprochen worden sein, in der Werder-Halle für Geld gegen Lemke zu protestieren. Dafür gebe es Beweise, sagte der 73-Jährige. Und Lemke erklärte später: „Ich bin von einem Ultra angerufen worden, den ich schon sehr lange kenne und dem ich vertraue. Der berichtete von einem Freund, der von einem Bremer Kaufmann angesprochen worden ist.“ Daraufhin habe er bei Fischer angerufen: „Der hat mir gesagt, dass er die Geschichte kenne, weil er selbst drei Anrufe hatte. Da war ich baff. Das war also kein Gespinst von mir oder meinem Bekannten, sondern das ist Fakt.“

Ein Protest gegen Lemke blieb aus – und der war erleichtert: „Ich freue mich, dass sich niemand hat missbrauchen lassen, dass sie keinen der jungen Leute gekriegt haben.“ Lemke weiß nicht, wer hinter dieser Aktion steckt, „aber ich kann mir denken, aus welcher Quelle das kommt“. Mehr sagt er dazu nicht – und damit bleibt die Geschichte mysteriös.

Genauso wie sein Verhältnis zu Fischer. Der hatte ihn vor einigen Wochen in einem Interview mit dieser Zeitung zum Rücktritt vom Vorsitz des Aufsichtsrates getrieben. Lemke reichte das Zepter an Marco Bode weiter. „Das hatte ich Marco schon oft vorgeschlagen. Ich finde es klasse, dass er das macht“, betonte der 68-Jährige. Ein kompletter Rückzug aus dem Kontrollgremium sei kein Thema gewesen: „Ich wollte nicht vom Hof gejagt werden, durch irgendwelche Leute, die was schreiben, sagen, machen oder hochhalten.“ Das bezog er auf die ständige Kritik unter anderem in Fan-Foren im Internet, er sei als sparsamer Aufsichtsratschef der Hauptschuldige für den Niedergang. „Ich kann doch nicht vor so einem Lemke-Bashing in die Knie gehen. Was habe ich denn gemacht? Ich habe mit dem Aufsichtsrat angesichts der vorliegenden Zahlen und der Zahlen, die möglicherweise noch kommen, gesagt: Wir können jetzt unmöglich noch einmal volle Kanne ins Risiko gehen.“ Gemeint ist der Wunsch der Geschäftsführung, im Sommer noch Bryan Ruiz vom FC Fulham zu verpflichten: „Sie brauchten unsere Zustimmung, weil der Etat überschritten war – und zwar richtig. Eigentlich war doch vom Aufsichtsrat eine schwarze Null erbeten. Da mussten wir reagieren.“

Dadurch sei es zum Disput mit der Geschäftsführung – und speziell Fischer gekommen. Doch nun, behauptet Lemke, „kann keine Rede mehr von Streit sein“. Fischer habe ihn mit der Rückendeckung bei den vermeintlich angeheuerten Fans und dem klaren Hinweis, Lemke sei nicht der Alleinschuldige an der Misere („Wir haben alle Fehler gemacht“) rehabilitiert: „Natürlich war ich nach dem Interview geschockt. Aber das heute fand ich sehr positiv. Für mich ist das nun erledigt. Er ist unser Ehrenpräsident, er hat Riesiges für Werder geleistet.“

Es ist allerdings nur ein Frieden auf Zeit. Denn Lemke will sich nicht ändern. „Ich bin jahrelang dafür gelobt worden, dass ich mit Geld umgehen kann, und ich kann weiterhin mit Geld umgehen. Ich habe gelernt, dass wir eine einnahmeorientierte Ausgabenpolitik machen müssen. Ich kann nie mehr ausgeben, als ich einnehme“, betonte der Ex-Manager und stellte klar: „Weitere Schulden sind mit mir nicht zu machen, wir gehen mit mir nur in ein kontrolliertes Risiko. Wir werden im Aufsichtsrat nichts beschließen, wodurch wir irgendwann unsere Lizenz abgeben müssen. Das ist auch die Meinung von Marco Bode.“ Der Abstieg wäre natürlich eine „Katastrophe“, deshalb könnten Transfers im Winter durchaus sinnvoll sein: „Du musst vielleicht ein Risiko gehen, aber keines, das uns total gegen die Wand fahren lässt. Jetzt alle Kohle auf eine Chance zu setzen, und wenn wir dann verlieren, sind wir für die nächsten 10, 20 Jahre weg – das mache ich nicht mit.“

Dass viele andere Clubs mit Schulden leben könnten, versteht Lemke nicht: „Wenn ich 100 Millionen Euro Minus habe und abhängig bin von einem Großsponsor, der mir vorschreibt, dass ich zum Beispiel den Jugendwart entlasse, sonst kriege ich kein Geld mehr – was bin ich denn dann für ein Verein? Wir können alles selbst entscheiden – und so muss es bleiben.“

Das Aufsichtsratsmitglied fordert von der Geschäftsführung „schlaue Wege zu finden“. Schon vor Jahren habe der Aufsichtsrat den Weg für den Einstieg von Investoren frei gemacht. Passiert sei nichts. Auch die Ausgabenseite müsse noch besser beackert werden, meinte Lemke: „Wir haben in vielen Bereichen noch Champions-League-Ausgaben – nicht in der Bundesliga-Truppe, das ist aus meiner Sicht eine Grenze erreicht, da können wir nicht weiter dran drehen.“

kni

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