Auswärts verzagt und mutlos: Heute will Werder das alte Verhalten ablegen

Die leidige Geschichte mit den zwei Gesichtern

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Zu Hause im Weserstadion waren Zlatko Junuzovic (linkes Bild/Mitte) und seine Teamkollegen oft in Feierlaune – auswärts schauten die Werder-Profis (rechtes Bild/Junuzovic und Assani Lukimya) dagegen oft frustriert drein.

Bremen - Auswärtsspiel – für Werder Bremen müsste dieses eigentlich harmlose Wort fast ähnlich bedrohlich klingen wie Glatteis, Steuererhöhung oder Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Denn meistens, wenn die Bremer ihre Stadtgrenzen verlassen mussten, um sich in einem anderen Stadion vorzustellen, gab es in dieser Saison Haue. 2:5 in Frankfurt, 0:2 in Hamburg, davor 0:6 in München und 2:4 in Augsburg – es ist alles andere als ein Zufall, dass die Bremer auswärts oft schlecht aussehen. Was fehlte, war der Mut. Bei Borussia Mönchengladbach wollen es die Grün-Weißen heute (20.00 Uhr) besser machen. Jedenfalls haben sie es sich ganz fest vorgenommen.

Es ist in diesen Tagen oft vom Bremer Heim- und Auswärtsgesicht die Rede. Die Unterschiede bestehen darin, dass das Heimgesicht dem Gegner frech ins Gesicht lacht, während das Auswärtsantlitz verschreckt und ängstlich auf die nächste Niederlage wartet. Wenig verwunderlich fordert Werder-Trainer Viktor Skripnik deshalb vor der Partie beim Tabellenvierten vom Niederrhein einen Wandel im Auftreten. „Wir müssen präsenter sein als der Gegner. Wenn wir auf dem Platz nur reagieren, dann wird es schwer“, sagt er.

Fünf Punkte hat Werder in der laufenden Spielzeit erst in der Fremde geholt. Zwei durch die Unentschieden zu Saisonbeginn bei Hertha BSC (2:2) und Bayer Leverkusen (3:3), weitere drei bei Skripniks Bundesliga-Einstand. 2:1 siegte Werder bei Mainz 05 – mehr ging noch nicht. Im letzten Auswärtsspiel der Hinrunde muss diese Bilanz eigentlich dringend aufgehübscht werden. Aber der Gegner, das ist allen klar, stellt eine enorme Herausforderung dar. „In der letzten Zeit war es für Werder immer schwierig in Gladbach“, meint Coach Skripnik, „aber wir dürfen nicht schon vorher aufgeben, sondern müssen an unsere Stärken glauben.“

Dass sich Skripnik mit derlei Aussagen im Bereich der Floskel bewegt, ist unbestritten. Aber was soll er auch anderes machen, als an die Risikobereitschaft und den Glauben an die eigene Stärke zu appellieren? „Fußball spielen und Tore schießen“, sagt Skripnik, „können wir ja.“

Manchmal ja, manchmal nein, möchte man einschränkend sagen. Fakt ist, dass Werder in den überwiegenden Fällen unzureichend das eigene Tor verteidigt – was ganz besonders für Auswärtsspiele gilt. Von den bislang 34 Gegentoren (Liga-Höchstwert) kassierte Werder 25 in des Gegners Stadion – macht bei acht Spielen einen Schnitt von mehr als drei Gegentoren pro Auswärtsspiel. Eine inakzeptable Quote.

Wen wundert es da, wenn die Bremer schon mit einer Auswärtsangst in den Mannschaftsbus steigen? Zlatko Junuzovic, Werders neuentdeckter Freistoß-Künstler und Top-Scorer (zwei Tore, sieben Vorlagen), rät folglich dazu, einfach mal allen Kopf-Ballast von sich zu werfen. „Wir müssen auswärts eine Scheiß-egal-Mentalität entwickeln, müssen einfach mehr riskieren. Wir können es definitiv besser, als wir es zuletzt in Frankfurt gezeigt haben“, behauptet der Österreicher und landet bei seiner weiteren Analyse des Bremer Auswärtsproblems auch bei der Zwei-Gesichter-Geschichte: „Auswärts treten wir anders auf als zu Hause. Das sollte aber nicht sein. Du kannst schlechte Tage haben, kannst auch Spiele verlieren. Trotz alledem solltest du einen Spielstil haben, der ungefähr gleich ausschaut.“ Also nicht mal angriffslustig, mal verzagt, sondern immer angriffslustig. Sowie konzentriert und konsequent in der Defensive. Erst recht wenn der Gegner Borussia Mönchengladbach heißt und das Umschaltspiel beinahe perfekt beherrscht. Junuzovic: „Das Wichtigste ist, dass du dir hinterher nicht vorwerfen musst, nicht alles probiert zu haben. Ich hasse es, wenn ich mir sagen muss, es war mehr drin für uns.“

csa

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