Werder-Legende Dieter Burdenski hat den Abstieg 1980 hautnah miterlebt und macht sich große Sorgen

„Es war die Hölle, ein Fiasko“

Dieter Burdenski als Werder-Kapitän im Abstiegsjahr 1980.

BREMEN - Von Arne Flügge.  Werder Bremen steht in der Bundesliga so schlecht da, wie seit dem Abstiegsjahr 1980 nicht mehr. Am 20. Spieltag liegen die Hanseaten mit 22 Punkten auf Platz 15, vor 31 Jahren rangierte Werder zum selben Zeitpunkt auf Platz 16 (aufs Drei-Punkte-System umgerechnet 21 Zähler). Am Ende war der Abstieg in die zweite Liga nicht mehr zu verhindern gewesen.

Dieter Burdenski, Ehrenspielführer und mit 444-Bundesligaspielen Werders Rekordhalter, erlebte den Abstieg als Torwart und Kapitän hautnah mit. Und er macht sich große Sorgen um seinen Club. Im Interview erinnert sich der 60-Jährige an die sportlich dunkelste Stunde der Vereinsgeschichte, spricht über seine Gefühle damals und was auf Werder und die Spieler im Fall der Fälle heute zukommen würde.

Dieter Burdenski, Werder steckt tief im Abstiegskampf. Wie groß ist Ihre Sorge?

Natürlich sehr groß, da braucht man doch nur auf die Tabelle zu schauen. Keiner hatte am Anfang der Saison gedacht, dass wir zu diesem Zeitpunkt mal auf Platz 15 stehen. Und es wird nicht einfach sein, da unten rauszukommen. Über so eine Krise hat sich doch niemand vorher Gedanken gemacht. Es wurde nur geredet, ob Werder Erster, Zweiter oder Dritter wird. Jetzt haben wir eine Situation, die niemand wirklich kennt, mit der keiner Erfahrung hat. Das ist ein Nachteil für Werder, und ich hoffe, dass die Mannschaft damit umgehen kann.

Trotzdem bleiben Aufsichtsrat und sportliche Leitung weiterhin völlig ruhig.

Es ist wichtig, die Nerven zu behalten und Ruhe zu bewahren. Ich warne aber davor, jetzt einfach zu sagen: Wir schaffen das schon. So einfach ist das nicht. Du brauchst Kampf, Moral, Leidenschaft – von jedem und das jeden Tag. Jeder muss sich hinterfragen, warum es so weit gekommen ist. Das ist nicht nur mit Pech und den vielen Verletzten zu erklären. Es wurden auch Spieler geholt, die nicht so eingeschlagen haben. Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern schon viel später. Nach dem Sieg gegen Hoffenheim schon wieder von Platz fünf zu träumen, war ein Trugschluss. Selbst das Spiel hat gezeigt, dass es ganz schwer wird, sich zu befreien. Ein positives Ergebnis, auch ein Unentschieden, gegen die Bayern wäre daher sehr wichtig gewesen. Dass Werder wieder verloren hat, tut der Mannschaft sicher nicht gut.

Was würde ein Abstieg bedeuten?

Ein Abstieg wäre ein riesengroßes Desaster für Werder. Das muss sich auch jeder mal vor Augen halten. Du hast ein neues Stadion, das nicht mehr gefüllt wäre. Es würden riesige finanzielle Probleme auftreten. Du läufst Gefahr, keine richtige Mannschaft mehr zu haben, auf jeden Fall wirst du sportliche Qualität verlieren, kannst deine sportlichen Ziele nicht verwirklichen. Und es wäre ein GAU für alle Mitarbeiter von Werder und natürlich auch für die ganze Region hier.

Sie haben den Abstieg 1980 als Torwart von Werder Bremen hautnah miterlebt. Was ging damals in Ihnen vor?

Der Abstieg war für mich und für uns alle die Hölle, ein Fiasko. Ich war Kapitän und als solcher in der Verantwortung. Du fühlst dich schlecht, bist von dir selbst enttäuscht und mit dir im Unreinen. Zu der Zeit war mein Selbstwertgefühl ziemlich angekratzt.

Zudem haben Sie Ihre Position als Nummer eins in der Nationalmannschaft verloren.

Ich hatte alle EM-Quali-Spiele gemacht, dann war ich plötzlich weg vom Fenster, und Toni Schumacher stand im Tor. Ich hatte zugegeben auch eine miese Saison gespielt. Dann habe ich zwei Jahre gebraucht, um wieder an die Nationalelf heranzukommen.

Werder hat damals nach dem 19. Spieltag Trainer Wolfgang Weber entlassen, der Abstieg wurde aber nicht verhindert. Ist diese Erfahrung mit ein Grund, heute weiter an Thomas Schaaf festzuhalten?

Das glaube ich nicht. An Thomas festzuhalten, ist aber absolut richtig. Damals sind Rudi Assauer und Fritz Langner gekommen – und es hat nicht geklappt, doch das ist mit der heutigen Situation nicht zu vergleichen. Wir hatten 1980 keine überragende Mannschaft, standen schon die Jahre vorher unten drin, und irgendwann erwischt es dich. Dass die Mannschaft heute im Abstiegskampf steckt, ist doch völlig überraschend. Wichtig ist, dass sie jetzt Charakter zeigt. Dann wird sie es auch schaffen, die Qualität hat sie.

Wissen die Spieler heute überhaupt, was im Falle eines Abstiegs auf sie zukommen würde?

Nein. Dafür musst du wirklich mal abgestiegen sein. Wenn du so etwas nicht selbst erlebt hast, kannst du nicht wissen, was das bedeutet. Du kannst es nicht nachvollziehen. Es ist grausam. Die Spieler wissen gar nicht, was da auf sie zukommt.

Nämlich?

So ein Abstieg ist für jeden Spieler ein Hammer. Wir haben dann plötzlich nicht mehr gegen Schalke oder Bayern, sondern gegen Bocholt und Erkenschwick gespielt. Das ist nicht einfach. Dazu das mentale Loch, in das du fällst: diese Traurigkeit, Fassungslosigkeit, die tiefe Enttäuschung und immer wieder die brennenden Fragen: Hast du wirklich alles gegeben? Ist diese Mannschaft noch gut genug? Wen hast du alles enttäuscht? Bleibst du, gehst du?

Wollten Sie Werder damals verlassen?

Ich hatte einen Vertrag auch für die zweite Liga, aber ich wollte gehen. Doch wenn du einmal abgestiegen bist, hast du als Spieler ein Brandzeichen bekommen, das du nicht mehr los wirst. Ich war Nationaltorwart, doch nach dem Abstieg war kein Verein da, der den Herrn Burdenski haben wollte. Bei einem Abstieg verliert jeder einzelne Spieler in der Außendarstellung an Klasse, und das schlägt sich dann natürlich auch auf den Marktwert nieder. Darüber sollte jeder mal nachdenken.

Haben Sie sich nach dem Abstieg überhaupt noch in Bremen auf die Straße getraut?

Schon, denn Bremen war nie so das Pulverfass wie Schalke oder Dortmund. Zudem war die Wertung des Fußballs damals nicht so hoch. Heute hat sich der Stellenwert natürlich immens erhöht, und daher wüsste ich nicht, ob ich mich heute gleich wieder auf die Straße trauen würde.

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