Werder befürchtet Besuch ungebetener Gäste

Lazio-Spiel steht vor der Absage

Trainingsbeobachter in Neuruppin – aber für die Geschäftsführer Klaus Filbry (li.) und Frank Baumann gab es gestern auch ein heikles Thema zu besprechen. - Foto: Gumz

Neuruppin/Bremen - Werder Bremen gegen Lazio Rom – mit dieser Paarung soll am 6. August an der Weser die neue Saison eröffnet werden. Doch die Partie steht vor der Absage. Grund: Es gibt Hinweise, dass rechtsextreme Hooligans das Spiel besuchen und für sich als Bühne nutzen wollen.

„Wir müssen die Situation nun genau analysieren und bewerten, ob eine Gefährdungslage vorliegt“, sagte Klaus Filbry, der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung, gestern bei seinem Kurz-Besuch im Trainingslager in Neuruppin. Der Club steht wegen der Problematik in Kontakt mit der Polizei und dem Bremer Innenressort.

Filbry war unter anderem auch wegen des Testspiel-Themas für einen Tag nach Brandenburg gereist. Mit seinem Geschäftsführer-Kollegen Frank Baumann besprach er die Situation – noch ohne ein Ergebnis. Aber für Filbry ist schon klar: „Unsere Saisoneröffnung soll ein Familienevent sein. Wir wollen nicht in die Lage kommen, dass Familien auf rechtsradikale Fans treffen.“

Das hätte von vornherein verhindert werden können, wenn Werder sich nicht ausgerechnet Lazio als Gegner ausgesucht hätte. Der Club ist bekannt für seine große rechtsradikale Fan-Szene. Eine Bedrohung aus Italien sah Werder für die Partie jedoch nicht. Filbry: „Wir erwarten keine Fans aus Italien.“ Nicht mal ein Gästeblock im Stadion ist geplant. Das Problem sind deutsche Neonazis. So wird in einer einschlägigen Gruppe auf Facebook dazu aufgerufen, am 6. August nach Bremen zu kommen. Mehr als nur eine leere Drohung, wie der Hannoveraner Fanforscher Robert Claus gegenüber der „taz“ erklärt: „Es spricht alles dafür, den Aufruf sehr ernst zu nehmen.“

Zwischen Hooligans von BFC Dynamo, Lok Leipzig und Lazio Rom besteht laut Claus eine Art Freundschaft, eine über die Jahre gewachsene Verbindung, die unter dem Namen „Legion Germania“ firmiert und die eindeutig rechtsextrem eingestellt ist. Im Jahr 2014 hatte die „Legion Germania“ bereits bei einem Testspiel zwischen Hannover 96 und Lazio Rom für negative Schlagzeilen gesorgt.

Eine Wiederholung in Bremen will niemand. Klaus Filbry sagt, dass nun erörtert wird, wie groß das Risiko, dass die Partie von „rechtsgestimmten Gruppen“ als Plattform missbraucht wird, tatsächlich ist. Gut möglich, dass am Ende die Ausladung für Lazio Rom steht. Ein Saisoneröffnungsspiel, so Filbry, soll in Bremen aber „auf jeden Fall stattfinden“. Wenn nötig eben mit einem anderen Gegner.
csa/mib

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