HSV feiert Sieg im 104. Nordderby

2:1 - Lasogga macht Werder platt

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Lasogga traf per Doppelpack für den HSV

Hamburg - Von Malte Rehnert und Carsten Sander. Sie wollten den Erzrivalen mit in den Keller reißen, stattdessen steckt Werder nun selbst noch tiefer im Abstiegs-Schlamassel als ohnehin schon. Die Bremer verloren das 104. Bundesliga-Nordderby beim Hamburger SV mit 1:2 (0:2) und bleiben mit 31 Punkten auf dem Relegationsplatz.

Der HSV hat nun 37 Zähler und den Klassenerhalt so gut wie sicher – dank Pierre-Michel Lasogga, der beide Tore und seinen Club sogar (zumindest vorübergehend) auf Platz zehn schoss. Werder kann jetzt nur hoffen, dass die Konkurrenten am Wochenende ebenfalls Federn lassen – sonst sieht's richtig übel aus. Im schlimmsten Fall würde der Abstand zum rettenden Ufer auf fünf Punkte wachsen. Bei dann nur noch drei Spielen. Und von hinten könnte Frankfurt (bei einem Sieg gegen Mainz) bis auf einen Zähler heranrauschen.

Werder-Coach Viktor Skripnik hatte seine Startelf im Vergleich zum 0:2 im Pokalhalbfinale bei den Bayern nur auf einer Position verändert. Hinten links verteidigte Santiago Garcia statt Janek Sternberg. „Wir haben zuletzt gut gespielt und deshalb wenig verändert“, erklärte der Ukrainer. Beim HSV setzte Trainer Bruno Labbadia den gerade erst genesenen Ex-Bremer Aaron Hunt zunächst auf die Bank („Er hat in den vergangenen Wochen wenig trainiert“) und stellte den Österreicher Michael Gregoritsch ins offensive Mittelfeld. Rechtzeitig fit waren Stürmer Lasogga und der mit acht Treffern beste Hamburger Schütze Nicolai Müller. Die Beiden waren dann auch für den Traumstart der Gastgeber im mit 57 000 Zuschauern pickepackevollen Volksparkstadion verantwortlich.

Nach einem langen Abschlag von HSV-Keeper Jaroslav Drobny und Gregoritschs Kopfballverlängerung zog Bremens Papy Djilobodji an der Außenlinie im Zweikampf zurück, Müller entwischte über rechts und fand in der Mitte Lasogga, der aus vier Metern nur noch einschieben musste – 1:0 nach vier Minuten und 52 Sekunden. Werder war total geschockt, der bissige HSV obenauf. Vom Bremer Selbstvertrauen und dem Mut der vergangenen Partien war anfangs gar nichts zu sehen. Vor allem den schnellen Müller bekamen die Gäste nicht in den Griff. Wie aus heiterem Himmel gab es dann aber die Riesenchance zum Ausgleich. Nach einem Konter war Florian Grillitsch völlig frei vor Drobny, doch der 36-Jährige parierte mit dem Fuß (24.). Auf der anderen Seite verhinderte Werder-Torwart Felix Wiedwald nach einem Gregoritsch-Kopfball klasse das 0:2 (30.). Lewis Holtby hatte von links geflankt.

Pizarro zeigt Nerven, Djilobodji unsicher

Nur zwei Minuten später nutzte der HSV die eklatanten Bremer Schwächen auf den Außenbahnen zum 2:0. Hamburg konterte, Werder rückte zu langsam zurück. Matthias Ostrzoleks präzise Hereingabe von der linken Seite wuchtete erneut Lasogga per Kopf ins Netz (32.), Fin Bartels hatte den Sturmbullen nicht bremsen können. Von den Rängen gab es die ersten Hamburger Schmähgesange („Zweite Liga, Bremen ist dabei“). Werder, das in Halbzeit eins schlichtweg naiv verteidigte, hatte vor der Pause nur noch zwei gefährliche Aktionen: Drobny entschärfte den Aufsetzer von Kapitän Clemens Fritz (40.) – und Bartels schoss vorbei (45. + 1).

Im zweiten Durchgang bot sich für den bis dahin total blassen Claudio Pizarro die perfekte Gelegenheit, Werder zurück ins Spiel zu holen. HSV-Kapitän Johan Djourou foulte den Peruaner, der selbst zum Elfmeter antrat (57.). Eigentlich ist der 37-Jährige ein sicherer Schütze, hatte alle fünf Strafstöße in dieser Bundesligasaison verwandelt. Doch diesmal schoss er erschreckend schwach, Drobny hielt den Ball sogar fest – die Höchststrafe! Was Pizarro nicht gelang, schaffte wenig später der gerade eingewechselte Anthony Ujah. Erst scheiterte er an Drobny, dann verwertete er den Abpraller per Kopf zum 1:2 (65.). Der Nigerianer hatte ganz knapp im Abseits gestanden, doch der Treffer zählte.

Werder war nun drin im Spiel, wirkte griffiger und entschlossener. Der HSV geriet mächtig ins Wanken, fiel aber nicht. In der fünften und letzten Minute der Nachspielzeit hatte Pizarro die finale Chance zum Ausgleich, sein Kopfball trudelte aber am langen Eck vorbei. Sekunden später pfiff Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) das Nordderby ab. Der Rest war Jubel und Erleichterung auf Hamburger und Mega-Frust auf Bremer Seite. „Eine Derby-Niederlage ist immer fürchterlich für alle“, sagte Sportchef Thomas Eichin: „Jetzt müssen wir uns erst mal sammeln.“

Bittere Pleite im Nordderby

Hamburger SV - Werder Bremen 2:1 (2:0)
1:0 Lasogga (5.)
2:0 Lasogga (32.)
2:1 Ujah (65.)
Hamburg: Drobny - Gotoku Sakai, Djourou, Spahic, Ostrzolek - Gideon Jung, Holtby - Nicolai Müller (46. Kacar), Gregoritsch (79. Diekmeier), Ilicevic (87. Cleber) - Lasogga. - Trainer: Labbadia
Bremen: Wiedwald - Gebre Selassie, Vestergaard, Djilobodji, Santiago Garcia (76. Sternberg) - Fritz, Grillitsch (89. Fröde) - Yatabare (59. Ujah), Junuzovic, Bartels - Pizarro. - Trainer: Skripnik
Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin) 
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Lasogga (5), Gregoritsch (5), Drobny - Yatabare (3), Fritz (13), Djilobodji (6), Bartels (4)
Besonderes Vorkommnis: Drobny hält Foulelfmeter von Pizarro (57.) Erweiterte Statistik (Quelle: deltatre):
Torschüsse: 12:20
Ecken: 5:4
Ballbesitz: 46:54 Prozent

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