Taktische Analyse zum 102. Nordderby

Lange Bälle, immer wieder lange Bälle

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Werder-Profi Prödl: Mit langen Bällen gegen Hamburgs Abwehrbollwerk

Bremen – Von Michael Baltes. Der Jubel war groß nach dem Abpfiff. Werder hatte gerade das 102. Nordderby knapp für sich entschieden und den 500. Bundesliga-Heimsieg gefeiert. Damit nicht genug, durch den Erfolg können sich die Grün-Weißen berechtigte Hoffnungen auf das internationale Geschäft machen. Doch groß aufgespielt hat Werder an diesem Sonntag nicht – ganz im Gegenteil.

Geknickt standen die HSV-Profis in der Mixed Zone des Weserstadions. Sie versuchten zu erklären, warum es erneut nicht zu einem Punktgewinn oder gar mehr gereicht hatte. Der Tenor war immer der gleiche. Mindestens ein Unentschieden wäre gerecht gewesen. Und das stimmt. Das 102. Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV hatte neutral betrachtet keinen Sieger verdient. Beide Teams hatten eine erschreckend schwache Vorstellung geboten. Dass Werder letztlich trotzdem als Sieger den Platz verließ und sich noch minutenlang nach dem Abpfiff von den eigenen Fans in der Ostkurve feiern lassen konnte, war einem individuellen Fehler eines Hamburgers geschuldet. Valon Behrami hatte kurz vor Schluss dilettantisch Zlatko Junuzovic im eigenen Strafraum zu Fall gebracht – den fälligen Elfmeter verwandelte Franco Di Santo sicher.

Während der HSV durch die Niederlage weiter gen Zweite Liga schlittert, klettern die Grün-Weißen in der Tabelle auf den siebten Platz und können sich nun ganz dem Kampf ums internationale Geschäft widmen. Spielerisch ist das Team von Trainer Viktor Skripnik aber noch nicht auf internationalem Niveau angekommen. Das hat das Nordderby ein weiteres Mal eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Über weite Strecken wirkte das Spiel der Grün-Weißen plan- und ideenlos. Besonders in der ersten Halbzeit fanden die Bremer gegen defensiv gut organisierte Hamburger kein Durchkommen.

Werder-Noten nach dem Nordderby

In der Arbeit gegen den Ball machte der HSV kurz hinter der Mittellinie mit zwei dicht gestaffelten Viererketten die Räume eng. Bremens Antwort darauf: Lange Bälle. Immer wieder lange Bälle. Meist geschlagen von Alejandro Galvez oder Sebastian Prödl. Galvez versuchte es ganze 24 Mal, Prödl kam während der 90 Minuten auf 22 Versuche. Nur die wenigsten fanden einen Abnehmer in den eigenen Reihen. Im Mittelfeldzentrum, in dem überraschend Özkan Yildirim von Skripnik den Vorzug vor Levin Öztunali und Levent Aycicek erhalten hatte, lief nichts zusammen. Bis zu seiner Auswechselung in der 59. Minute kam der 22-Jährige gerade einmal auf 18 Ballkontakte. Mit der Hereinnahme von Öztunali wurde es zwar etwas besser – bis auf einen gefährlichen Abschluss in der 81. Minute setzte der Seeler-Enkel aber auch keine großen Akzente.

Selbst durch Standards konnte Werder keine Gefahr erzeugen. Ansonsten ein Prunkstück der Grün-Weißen, waren die Freistöße von Junuzovic diesmal zu harmlos, zu unplatziert oder zu leicht zu verteidigen. Auch über die Flügel kam Werder nicht, beziehungsweise nur einmal, gefährlich an den beiden Viererketten der Hamburger vorbei. Nur als der HSV kurz vor der Halbzeit einmal weit aufgerückt war, gelang es dem Skripnik-Team das Spiel schnell zu machen. Über den rechten Flügel kam der Ball zu Davie Selke, der freistehend völlig verzog.

Werder siegt im Nordderby gegen den HSV

Auf der Gegenseite stand der HSV zwar kompakt in der Defensive, präsentierte sich in der Offensive dafür umso schwächer. Von dem angedachten Taktgeber Rafael van der Vaart war außer dem brutalen Foul gegen Jannik Vestergaard nichts zu sehen, Ivica Olica und Pierre-Michel Lasogga spielten ebenfalls wie ein Schatten ihrer selbst.

Schnelle Kombinationen oder Spielfinesse bekamen die 42.000 Zuschauer an diesem Nachmittag von beiden Mannschaften nicht zu sehen. Stattdessen glich die Partie insgesamt einem umkämpften Fehlpassfestival. Die Reaktion des Bremer Publikums: Zaghafte, aber unüberhörbare Pfiffe bereits zur Pause. Nicht auszudenken, wenn es beim 0:0 geblieben wäre. Dank Behrami und Di Santo ist es aber nicht so gekommen. So können die Bremer ihren Blick nun nach vorne richten – müssen spielerisch aber deutlich zulegen. Denn phasenweise erinnern die Auftritte der vergangenen Wochen an einer Bremer Zeit, die unter Skripnik längst vergessen schien.

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