Lädierter Innenverteidiger

Das Kreuz mit dem Knie: Wie gehemmt ist Lamine Sane?

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Lamine Sane ist bei Werder als Innenverteidiger gesetzt, allerdings muss der 29-jährige Abwehrchef regelmäßig mit dem Training pausieren, um sein rechtes Knie zu schonen.

Bremen - Von Daniel Cottäus. Immer wieder werfen Lamine Sane Knieprobleme zurück. Zuletzt wirkte der Werder-Innenverteidiger gehemmt, verschuldete Gegentore. Wird der Abwehrchef zum Risikofaktor?

Es klang damals, im August 2016, nur nach einer Randnotiz, zwar kurz erwähnt, im Grunde aber nicht weiter wichtig. Bei der Vorstellung von Neuzugang Lamine Sane lobte Werders Sportchef Frank Baumann zunächst dessen Vorzüge. 1,92 Meter groß, mit reichlich Erfahrung ausgestattet, kurzum: ein potenzieller Führungsspieler, der in Werders Abwehr die Chefrolle übernehmen soll. Irgendwo dazwischen fiel folgender Satz: „Er hat noch ein paar Probleme mit dem Knie.“ Ein Jahr zuvor, im August 2015, hatte sich Sane an dem Gelenk operieren lassen. Bei Werder sollte er nun „behutsam wieder aufgebaut“ werden. So weit, so unspektakulär. Damals war allerdings auch noch nicht absehbar, dass Sanes Knie auch ein halbes Jahr später noch immer Thema sein sollte.

So ist es in Bremen inzwischen längst zur Gewohnheit geworden, dass der 29-Jährige pro Woche einige Trainingseinheiten mit der Mannschaft auslässt und stattdessen individuell übt. Vor allem in den Tagen nach Spielen dosiert Werder die Belastung für Sane, damit er für das nächste Duell wieder einsatzbereit ist.

In den meisten Fällen hat das bisher geklappt, der Senegalese stand in 15 von 19 Bundesligaspielen auf dem Platz. Allerdings wirkte er vor allem in den drei Begegnungen nach der Winterpause gehemmt, ließ es in einigen Situationen an Spannung und letzter Konsequenz vermissen. So auch am Sonntag beim bitteren 2:3 in Augsburg, als der Rechtsfuß an allen drei Gegentoren beteiligt war. „Es ist so, dass er da nicht seinen allerbesten Tag hatte“, räumt Frank Baumann offen ein, sieht dabei aber keinen Zusammenhang mit dem rechten Knie des Verteidigers: „Das hat dabei keine Rolle gespielt.“

Sanes Trainingspausen sind ein Risiko

Sane sei erfahren genug, „er kann damit gut umgehen“, versichert Baumann. Schließlich habe es die Situation in der Hinrunde so auch schon gegeben. Am neunten Spieltag sogar inklusive Schrecksekunde, als der Freiburger Marc Torrejon auf Sanes Problemknie fiel und Werders Abwehrchef verletzt raus musste. Die schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich damals nicht. Diagnostiziert wurden „nur“ kleinere Einrisse am Außenband, es folgten vier Wochen Pause. Seit dem 13. Spieltag stand Sane dann wieder durchgehend in der Startelf. „Er war in dieser Saison schon oft eine wichtige Stütze für uns“, lobt Baumann. Schwächere Auftritte wie den in Augsburg müsse man den Spielern eben auch mal zugestehen.

Nun stellt Werder mit 41 Gegentoren allerdings die schlechteste Defensive der Liga, bringt sich durch Fehler in der Abwehr immer wieder um den Lohn für spielerisch ordentliche Auftritte – und dadurch in der Bundesliga einmal mehr in Existenznot. Gerade vor diesem Hintergrund ist es durchaus ein Risiko, auf einen Innenverteidiger zu setzen, der eben nicht voll trainieren, sich eben nicht durchgehend gemeinsam mit den Kollegen auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereiten kann.

Zwar dürfte Sane weitestgehend schmerzfrei sein, denn sonst könnte er kaum spielen, aber volles Vertrauen in sein Knie kann er eigentlich nicht haben. Nicht umsonst sagte er zu Jahresbeginn seine Teilnahme am Afrika-Cup ab. Wie wichtig ein gutes Gefühl aber für einen Fußballer ist, hat vor einigen Jahren mal Sanes Vorgänger Naldo, auch so ein Kniepatient, erklärt. Wegen eines Knochenödems war er lange ausgefallen, sogar das Karriereende stand im Raum. Nach seiner Rückkehr sagte er: „Mein Vertrauen ist wieder da. Das ist klasse.“

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