Rosenberg trifft nicht mehr jeden Geschmack

Markus Rosenberg muss sich von Werder verabschieden.

BREMEN -von Björn Knips. Die junge Dame ist ganz unruhig, tippelt von einem Bein aufs andere. Dann kommt ihr Moment: Sie stürmt auf Markus Rosenberg zu, zieht ihr Trikot ganz lang, damit der Schwede darauf unterschreiben kann. Und der garniert sein Autogramm mit einem Lächeln, das die Frau ganz verlegen macht. Ein Klassiker am Weserstadion. Rosenberg trifft den Geschmack der Damen-Welt, aber eben auch zu selten ins Tor. Findet zumindest sein Arbeitgeber.

Deshalb hat ihm der SV Werder keinen neuen Vertrag gegeben und das gestern offiziell verkündet. Trotzdem will Rosenberg am Samstag noch einmal der Werder-Held sein – so wie im Sommer 2010 in Genua.

„Damals war ich vom Kopf her auch fast weg – und da hat es super geklappt“, erinnert sich der 29-Jährige an sein wichtigstes Tor für Werder – an den legendären Millionen-Treffer. Rosenberg sollte Bremen verlassen, doch es fand sich einfach kein Abnehmer. Also war der Schwede auch beim Rückspiel in der Champions-League-Quali gegen Sampdoria Genua dabei. Natürlich auf der Bank. Er kam auch nur aufs Feld, weil Sandro Wagner wegen seiner blutenden Kopfwunde nicht weiterspielen durfte. Ein Glücksfall. Denn mit seinem Flachschuss ins lange Eck in der Nachspielzeit rettete Rosenberg Werder in die Verlängerung. Claudio Pizarro machte dann den Einzug in die finanziell so lukrative Königsklasse perfekt.

Doch Rosenberg hatte nichts davon. Werder lieh ihn an Racing Santander aus. In der spanischen Primera Divison lief es für den Stürmer beim Abstiegskandidaten zwar ganz gut, nur Geld gab‘s dafür fast nie. Deshalb war Rosenberg froh, als er nach einem Jahr an die Weser zurückkehren und auch bleiben durfte. Werder gab dem Schweden, der im Januar 2007 für die Ablöse von drei Millionen Euro aus Amsterdam gekommen war, eine zweite Chance. „Er hat das ganz gut gemacht“, sagte Klaus Allofs gestern – und dieses Urteil hätte so gar nicht zur Entscheidung gegen Rosenberg gepasst, wäre da nicht noch dieser Nachsatz des Werder-Chefs gewesen: „Im Rahmen seiner Möglichkeiten.“ So etwas möchte niemand in seinem Zeugnis lesen. Doch Allofs nahm darauf keine Rücksicht, redete lieber Klartext: „Markus war ein zuverlässiger Spieler. Aber er hat es ja selbst gesagt: Es hätten ein paar Tore mehr sein können.“

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Rosenbergs Aussage ist allerdings schon etwas älter. Mittlerweile hat er zehn Treffer auf seinem Saisonkonto und ist nicht nur damit zufrieden. „Ich habe 40 Tore für Werder gemacht – allein in der Bundesliga“, verkündete er gestern stolz. Allerdings hat der 29-Jährige dafür 122 Spiele gebraucht und dabei auch viele, viele Chancen liegen gelassen. Rosenberg war eben nur phasenweise richtig wertvoll. Deshalb bekam er auch kein Angebot, sondern im persönlichen Gespräch mit Allofs am Mittwoch den Laufpass.

Trotzdem hegt Rosenberg keinen Groll. „Ich hätte mir vorstellen können zu bleiben. Aber Werder will etwas anderes probieren. Natürlich bin ich traurig. Aber im Fußballerleben ist das nun mal so“, sagte er ganz nüchtern. Er glaubt allerdings nicht, „dass es nur an meiner Leistung liegt, sondern auch an finanziellen Dingen. Die finanzielle Situation ist hier nicht mehr so wie früher, als ich zu Werder kam.“ Schließlich sei er nicht der einzige erfahrene Spieler, der jetzt gehen muss oder darf. Trotzdem behauptete Rosenberg: „Werder ist ein Club, der auf Dauer oben ist. Natürlich kann das nach einem Umbruch ein paar Jahre dauern. Es würde aber einfacher, wenn wir noch die Europa League erreichen.“ Deshalb will er sich morgen gegen Schalke noch einmal voll reinhängen, um das eigentlich Unmögliche noch möglich zu machen: „Ich glaube immer an eine Chance.“

Natürlich auch an seine. Eine Rückkehr in die Heimat hat er vorerst nicht geplant: „Ich will noch zwei, drei Jahre im Ausland spielen, gerne auch in Deutschland.“ Die Autogrammjägerinnen würden sich freuen…  kni

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