Tolle erste Hälfte in Leverkusen

Werder lässt den Lohn liegen

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Hängende Köpfe: Nach dem Gegentor zum 1:2 herrschte bei Werders Raphael Wolf, Sebastian Prödl, Aaron Hunt, Luca Caldirola und Theodor Gebre Selassie (von links) Frust. Werder hatte sich in Leverkusen um den Lohn für gute Arbeit gebracht.

Leverkusen - Letztlich blieben nur die Glückwünsche an den Gegner. Werder Bremen hat gestern das letzte Bundesliga-Spiel bei Bayer Leverkusen mit 1:2 (1:1) verloren und beendet die Saison auf Platz zwölf. Bayer dagegen sicherte Rang vier und darf in der Champions-League-Qualifikation ran.

Für die Bremer ging es in den Tabellen (Bundesliga und Fernsehgeld) weder rauf noch runter. Mit 39 Zählern verpassten sie die anvisierte 40-Punkte-Marke zudem knapp – doch es gibt durchaus auch positive Aspekte. 45 Minuten lang spielte Werder richtig stark, das macht Mut für die kommende Saison.

„Die erste Halbzeit war eine der besten im gesamten Jahr“, urteilte Mittelfeldmann Aaron Hunt, der letztmals das Werder-Trikot trug und schon vor der Partie mit dem Wechsel seines Beraters (Gordon Stipic statt Jürgen Milewski) für Aufsehen gesorgt hatte. Offenbar stockte die Vereinssuche, weshalb Hunt nun neue Wege beschreitet – über die Gründe äußerte er sich gestern nicht. Er kündigte aber immerhin an, dass es vermutlich in den kommenden „ein, zwei Wochen eine Entscheidung“ geben wird.

Wie wichtig der 27-jährige Vizekapitän für seinen Noch-Club sein kann, zeigte er gestern ein letztes Mal. Hunt war in seinem Abschluss-Pflichtspiel zwar nicht überragend, allerdings maßgeblich am Führungstor beteiligt. Nach einem langen Einwurf von Franco Di Santo legte Zlatko Junuzovic fast von der Torauslinie direkt zurück auf Hunt, der eigentlich schon hätte schießen können. Er bediente aber den besser postierten Theodor Gebre Selassie, der im Fallen ins lange Eck traf. 1:0 für Werder (21.) – und das vollauf verdient! Die Gäste waren die klar bessere Mannschaft: griffig in den Zweikämpfen und enorm spielfreudig. Durchaus überraschend, immerhin ging es gegen eine Topmannschaft, die noch ein großes Ziel vor Augen hatte. Doch Leverkusen trat seltsam emotionslos auf, fast schon ängstlich. Trotzdem gelang – und das hatte sich in keinster Weise abgezeichnet – der Ausgleich.

Nach einer abgewehrten Ecke flankte Emre Can von rechts in die Mitte, wo Ömer Toprak einen Tick eher am Ball war als der Bremer Sebastian Prödl und das 1:1 köpfte (34.).

Saisonabschluss in Leverkusen: Die Einzelkritik

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In der Kabine muss sich Bayer-Trainer Sascha Lewandowski sein Team dann kräftig zur Brust genommen haben. „Leverkusen hatte in der ersten Halbzeit keine Chance gegen uns. Ich habe schon geahnt, dass sie mit mächtig Schaum vor dem Mund wieder rauskommen würden“, meinte Werder-Sportchef Thomas Eichin. Und genau so war es dann auch. Leverkusen attackierte plötzlich, machte Druck. Zunächst rettete Werder-Kapitän Clemens Fritz kurz vor der eigenen Torlinie noch klasse gegen Gonzalo Castro (51.), doch nur zwei Minuten später kassierten die Bremer Saisontor Nummer 66 (so viele wie im Vorjahr).

Werder Bremen in Leverkusen zu Gast

Werder Bremen in Leverkusen zu Gast

Der für den angeschlagenen Lars Bender eingewechselte Ex-Bremer Simon Rolfes durfte ungehindert flanken, Eren Derdiyok köpfte an die Latte. Den Abpraller verwertete Heung-Min Son – ebenfalls per Kopf und nicht gestört – zum 2:1 (53.). Die Gäste verloren danach völlig ihren Spielfluss, machten zu viele Fehler und strahlten in der Offensive kaum noch Gefahr aus. „Leider konnten wir unsere sehr gute Leistung nicht fortsetzen“, haderte Mittelfeldspieler Philipp Bargfrede. Fast hätte es sogar das dritte Gegentor gegeben, aber Keeper Raphael Wolf lenkte einen Son-Hammer gerade noch an die Latte (89.). Die rund 3 000 Werder-Fans in der mit 30 210 Zuschauern ausverkauften Arena feierten ihr Team trotzdem und waren fast über die gesamte Spielzeit lauter als das verhaltene Leverkusener Publikum, das erst beim Schlusspfiff wieder richtig aktiv wurde. „Die Unterstützung war einmal mehr fantastisch“, schwärmte Fritz: „Schade, wir hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt und uns gerne mit einem Sieg von unseren Fans verabschiedet.“

Um 17.20 Uhr endete dann die Bundesliga-Saison für Werder mit einer Niederlage – wie schon in den vergangenen drei Jahren, als es jeweils 2:3-Pleiten gesetzt hatte. Eichin blickte „nach der ersten Enttäuschung“ schon mal auf die kommende Spielzeit und kündigte an, dass der Bremer Etat nicht weiter schrumpfen wird: „Das werden wir nicht machen.“

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