0:3-Niederlage gegen Dynamo Dresden

Zu kampflos und ängstlich für die 2. Liga: Werder-Trainer Anfang will Klartext reden, sieht aber keine Krise

Bitterer Nachmittag für Marco Friedl und Co.: Der SV Werder Bremen erlebte ein 0:3-Desaster gegen Dynamo Dresden.
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Bitterer Nachmittag für Marco Friedl und Co.: Der SV Werder Bremen erlebte ein 0:3-Desaster gegen Dynamo Dresden.

Dresden – Markus Anfang war nach der Partie hin- und hergerissen. Einerseits nervte den Coach des SV Werder Bremen die verdiente 0:3 (0:1)-Pleite bei Dynamo Dresden gewaltig und dabei vor allem der kampflose Auftritt seiner Mannschaft. Andererseits wollte Anfang auch nicht, dass nun alles schlecht geredet wird. Klartext statt Krise lautete sein Motto nach einer Niederlage, die deutliche Spuren hinterlassen dürfte.

Denn durch zwei 3:0-Siege gegen die Aufsteiger Rostock und Ingolstadt war Werder Bremen nach dem Abstieg in der 2. Liga in die Spur gekommen, ausgerechnet beim dritten Neuling Dynamo Dresden landete der Absteiger im Graben. Und es ist schwieriger denn je vorherzusehen, wohin die Reise für Werder in dieser Saison gehen wird. Nach jeweils drei Siegen und Niederlagen sowie zwei Unentschieden belegen die Bremer Rang zehn in der Tabelle, Auf- und Abstiegsplätze sind gleich weit entfernt. Das darf einen großen Club wie Werder mit dem wertvollsten Kader der Liga nicht zufriedenstellen.

„Wir haben vor dem Nordderby drei Spiele zu null gespielt und waren auf einem guten Weg. Jetzt sind wir zwei Spiele weiter und befinden uns in der Krise? Das geht mir dann doch zu schnell. Wir müssen versuchen, für uns eine gute Mitte zu finden“, forderte Anfang nach der zweiten Niederlage in Folge. Doch im Vergleich zur 0:2-Pleite gegen den Hamburger SV hatte Werder Bremen in Dresden so ziemlich alles vermissen lassen, was es im Fußball braucht – speziell in der 2. Liga. „Meine Mannschaft hat durchweg ein ganz schlechtes Fußball-Spiel abgeliefert“, gestand Anfang und ging mit seinen Spielern hart ins Gericht: „Wir haben wahnsinnig viele Fehler gemacht. Wir haben uns in jedem Zweikampf abfertigen lassen. Ich hatte das Gefühl, dass wir ängstlich sind.“

Werder Bremen gegen Dynamo Dresden: Zu jung, zu kompliziert, zu eigenwillig? Trainer Markus Anfang ärgert sich

Letzteres könne vielleicht mit den vielen jungen Spielern auf dem Platz zusammenhängen, mutmaßte Anfang. So feierte zum Beispiel in Ilia Gruev ein 21-Jähriger sein Startelf-Debüt – und das auf der wichtigen Position des Sechsers. Auch Romano Schmid (21), Eren Dinkci (19), Marco Friedl (23) und Niklas Schmidt (23) seien nicht viel älter, sondern teils noch jünger. Doch Anfang fing diesen Erklärungsversuch selbst umgehend wieder ein: „Wir haben eine junge Mannschaft, aber wir können es nicht immer nur aufs Alter schieben. Das können die Jungs wesentlich besser, sie haben die Qualität.“

Aber sie verließen sich auch zu sehr darauf, so der Eindruck. So probierten es Schmid und Schmidt gerne mal mit der Hacke, auch ein erfahrener Profi wie Mitchell Weiser streute ein paar eigenwillige Aktionen ein. Alle zusammen sorgten für Unverständnis und Zorn beim Trainer. „Wenn du merkst, dass im Spiel nicht alles hundertprozentig läuft, dann musst du dich auf die Basics konzentrieren und nicht kompliziert werden. Das hat mich geärgert, und das habe ich nicht nur während des Spiels sondern auch in der Halbzeitpause kundgetan“, verriet Markus Anfang.

Werder Bremen: Trainer Markus Anfang kündigt nach Niederlage gegen Dynamo Dresden „Klartext“ an

Nach der Partie ging es weiter – im obligatorischen Kreis nach dem Abpfiff. Zwei Minuten redete der Coach auf seine Spieler und den Staff ein. „Ich muss es schonungslos aufdecken. Es bringt nichts, um den heißen Brei herumzureden. Wir müssen Klartext reden. Und Klartext reden heißt, die Fehler so anzusprechen, wie sie waren“, betonte der Coach. Und er sei noch nicht fertig, weitere Gespräche würden in den nächsten Tagen folgen, um am Freitag gegen den 1. FC Heidenheim wieder eine bessere Leistung abzurufen.

Gegen Dynamo Dresden hatte Werder Bremen von Beginn an viel zu zögerlich agiert. Überraschend, denn die Gastgeber waren mit der Bürde von drei Pleiten in Folge in die Partie gegangen. So entwickelte sich ein wenig ansehnliches Spiel. Die Fehlerquote war enorm, vor allem bei den Gästen, die dazu noch auf Abstand zu ihren Gegenspielern gingen. Und trotzdem waren die Bremer der Führung plötzlich sehr nah, weil sie in Marvin Ducksch einen erfahrenen Torjäger im Angriff haben. Doch nach dessen Fall im Strafraum entschied weder Schiedsrichter Robert Hartmann noch der Video-Assistent Benjamin Brand auf Strafstoß. Der leichte Fußkontakt mit Dresdens Chris Löwe hatte den Unparteiischen nicht ausgereicht (36.). Anfang sparte sich eine Bewertung, weil er die TV-Bilder noch nicht gesehen hatte, meinte aber vielsagend: „Wir können dem Spiel auch ohne Elfmeter eine andere Richtung geben.“

Werder Bremen gegen Dynamo Dresden: Gegentore ohne Gegenwehr - Wird aus der Delle eine Krise?

Doch genau das gelang den Gästen nicht. Im Gegenteil! Nach einem Ballverlust von Anthony Jung war die komplette Defensive zu inaktiv. Ransford Königsdörffer traf mit einem Schlenzer die Latte, den Abpraller verwertete Christoph Daferner zum 1:0 (40.). Ducksch hätte postwendend ausgleichen können (42.), schoss den Ball aber ebenso am Tor vorbei wie kurz nach der Pause (47.) Es gab also durchaus Chancen für Werder Bremen zur Wende, doch es fehlte stets die letzte Konsequenz oder das Glück - wie beim Pfostentreffer des eingewechselten Niclas Füllkrug (68.).

Ganz anders Dynamo Dresden: Daferner (66.) und Morris Schröter (75.) erhöhten eiskalt auf 3:0. Allerdings mit freundlicher Unterstützung – oder besser gesagt: ohne Gegenwehr der Gäste. Vor allem der eingewechselte Roger Assalé verweigerte in beiden Szenen die Defensivarbeit. Ein Trauerspiel. „So kannst du kein Zweitliga-Spiel gewinnen“, seufzte Anfang: „Wir müssen weiter arbeiten. Wir haben immer gesagt, dass es ein schwieriger Weg wird und es mal Probleme und Dellen geben wird.“ Gegen Heidenheim muss Werder nun aufpassen, dass aus der tiefen Delle nicht doch eine handfeste Krise wird. (kni)

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