Nach scharfer Kritik der Opposition

Filbrys Konter: Werder Bremen hat jetzt keine Zeit für Machtkämpfe

Klaus Filbry, ein Geschäftsführer des SV Werder Bremen, lässt die Kritik der Opposition abblitzen: Jetzt ist nicht die Zeit für Machtkämpfe.
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Klaus Filbry, ein Geschäftsführer des SV Werder Bremen, lässt die Kritik der Opposition abblitzen: Jetzt ist nicht die Zeit für Machtkämpfe.

Bremen – Erst die Attacke, dann die Reaktion – auch diesmal gab es im Machtkampf beim SV Werder Bremen zwar das berühmte Ping-Pong-Spiel, doch das Pong fiel dabei wesentlich leiser aus als noch Ende vergangenen Jahres.

Vielleicht lag es daran, weil diesmal Werder-Boss Klaus Filbry den Konter übernahm und nicht Sportchef Frank Baumann. Zudem hat der Club gerade ganz andere Probleme, worauf Filbry ausdrücklich hinwies. Aber die Opposition um die beiden Kandidaten für den Aufsichtsrat, Maria Yaiza Stüven Sanchez und Jörg Wontorra, dürfte genau auf so einen Moment der Schwäche der aktuellen Führung gewartet haben, um in die Offensive zu gehen. Die Chancen dieser Kritiker stehen gar nicht so schlecht, wenngleich es auch zwei Probleme für sie gibt: den Wahlausschuss und die Satzung beim Thema Mitgliedschaft.

„Es ist das Besondere an Werder Bremen und anderen Traditionsstandorten, dass die Menschen emotional dabei sind und die Arbeit der Verantwortlichen kritisch beäugen. Dem muss man sich stellen und sich selbst hinterfragen. Das gehört dazu“, ließ Filbry als Reaktion auf die Attacke der Opposition von seiner Medienabteilung verbreiten – und weiter: „Ich glaube aber, dass wir uns in einer sportlich extrem anspruchsvollen Situation befinden, und deshalb ist Geschlossenheit momentan das wichtigste Thema. Wir als Geschäftsführung, Aufsichtsrat, Trainerteam, Mannschaft und Mitarbeiter:innen fokussieren uns auf den Klassenerhalt, dem gilt die komplette Priorität.“

Werder Bremen: Maria Yaiza Stüven Sanchez und Jörg Wontorra wollen den Aufsichtsrat, stehen aber längst noch nicht zur Wahl

Beim letzten verbalen Schlagabtausch zwischen Werder-Führung und Opposition hatte Baumann dem TV-Journalisten Wontorra noch vorgehalten, dieser würde sich nur melden, wenn er Vip-Tickets für das Weserstadion bräuchte. Diesmal schwieg der Sportchef. Genauso wie auch Hubertus Hess-Grunewald, der dritte Geschäftsführer. Klaus Filbry sprach auch für den sechsköpfigen Aufsichtsrat. Beide Gremien waren von der Kein-weiter-so-Bewegung ins Visier genommen worden – mit drastischen Worten. „Jetzt reicht's! Es ist nicht mehr nachvollziehbar und nicht mehr hinnehmbar, dass die personelle Führung des SV Werder tatenlos durch die größte Krise der Vereinsgeschichte taumelt. Denn mit ihrer Politik, die von Zögern und Zaudern geprägt ist, öffnet sie dem sportlichen Bankrott Tür und Tor“, hieß es in einem Schreiben, das den Medien zugemailt worden war. Der Umgang mit Werder-Trainer Florian Kohfeldt sei „unprofessionell und respektlos“, hieß es. Und am Ende gab es noch die Forderung: „Werder braucht endlich wieder Macher!“

Maria Yaiza Stüven Sanchez und Jörg Wontorra sehen sich offenbar als solche Macher. Sie wollen in den Aufsichtsrat und haben die für eine Kandidatur notwendigen 50 Unterschriften von Werder-Mitgliedern weit überboten. Doch damit stehen sie längst noch nicht zur Wahl. Diese Entscheidung obliegt dem siebenköpfigen Wahlausschuss, der sich aus Mitgliedern des Ehrenrats und des Präsidiums zusammensetzt.

Werder Bremen: Kandidaten für den Aufsichtsrat? Wahlausschuss agiert als Sicherheitsbeauftragter

Und dieser Wahlausschuss hat so viel Arbeit wie wohl noch nie, denn insgesamt soll es zwölf Bewerber geben – darunter definitiv auch die vier aktuellen wieder zu wählenden Aufsichtsräte Marco Bode, Kurt Zech, Andreas Hoetzel und Thomas Krohne. Axel Plaat und Marco Fuchs wurden bereits satzungsgemäß vom Verein direkt wieder ins Kontrollgremium entsandt. Neben Stüven Sanchez und Wontorra hat sich auch der ehemalige Bremer Staatsrat Henning Lühr als Kandidat bekannt. Bis vier Wochen vor der Versammlung, die eigentlich im vergangenen November hätte stattfinden sollen, aber wegen der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist, sind weitere Bewerbungen möglich.

Doch wen lässt der Wahlausschuss nach eingehender Prüfung mit persönlicher Vorstellung tatsächlich zu? In der Vergangenheit wurden immer nur genau die vier Kandidaten aufgestellt, die notwendig waren. Eine echte Wahl hatten die Mitglieder dann nicht. Das könnte sich nun ändern, denn der Druck auf den Wahlausschuss ist nicht gerade gering. Allerdings aus zwei Richtungen. Zum einen geht es darum, den SV Werder Bremen nicht endgültig als geschlossene Gesellschaft darzustellen, zum anderen darf sich der Club auch nicht zu sehr öffnen. Es wäre möglicherweise fatal, wenn gleich mehrere Fan-Vertreter in den Aufsichtsrat einziehen und dort sogar die Mehrheit übernehmen würden. Es geht schließlich um ein Unternehmen mit einem Umsatz von über 100 Millionen Euro. Um eben genau diese Übernahme zu verhindern, wurde extra der Wahlausschuss dazwischengeschaltet – sozusagen als Sicherheitsbeauftragter.

Werder Bremen-Machtkampf: Führung gegen Opposition - Lager wollen Mitglieder mobilisieren

Denn wer weiß schon, ob aus der ansonsten eher kleinen, eine richtig große Versammlung wird? Bislang kamen nur etwa 300 Mitglieder in die Werder-Halle an der Hemelinger Straße – einige auch gerne wegen der leckeren Frikadellen. Kampfabstimmungen gab es fast nie, sondern viel Harmonie und nur ganz wenig Gegenwind. Jörg Wontorra und Maria Yaiza Stüven Sanchez wähnen immerhin rund 200 Mitglieder hinter sich – aus verschiedenen Fan-Gruppen. Ganz genau wollen sie das nicht sagen, um ihren Gegenspielern nicht zu viel zu verraten. Und sie hoffen noch auf weiteren Zuwachs. „Eine aktive Mitgestaltung der Zukunft von Werder ist jedem Vollmitglied möglich – jede Stimme auf der nächsten Mitgliederversammlung ist dafür notwendig!“, heißt es in dem Schreiben.

Wer nun kurzfristig einsteigen will, muss sich allerdings gedulden. Erst sechs Monate nach dem Erwerb der Voll-Mitgliedschaft, und nur die zählt, existiert laut Satzung auch ein Stimmrecht. Bis dahin sollte die ausgefallene Versammlung mit der Wahl zum Aufsichtsrat aber schon längst nachgeholt sein. Und noch etwas macht es für die Opposition nicht leichter: Auch die vorhandene Führung des SV Werder Bremen will möglichst viele Mitglieder mobilisieren, um keine böse Überraschung zu erleben. Da trifft es sich ganz gut, dass die Versammlung wegen der Corona-Pandemie als Freilichtveranstaltung im Weserstadion durchgeführt werden soll. (kni)

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