Pizarro will endlich Torschützenkönig werden

Das komische Ding mit der Kanone

Claudio Pizarro hat die Sommerpause genutzt, um „total abzuschalten“. Jetzt hat er sich für die möglicherweise letzte Saison seiner Karriere noch etwas ganz Großes vorgenommen. J Foto: Gumz

Neuruppin - Von Carsten Sander. Als sich Claudio Pizarro in den braunen Ledersessel plumpsen lässt, ächzt nicht der Sessel, sondern der Pizarro. Sofort schießen ihm die Witze über sein Alter entgegen, doch ihm gefällt das, er lacht drüber und kokettiert vor seiner 18. Profi-Saison in Europa selbst gerne mit seinen 37 Lenzen. „Wer spielt in dem Alter schon noch Bundesliga? Das ist doch nicht normal“, sagt er.

Stimmt, ist es nicht. Wie so vieles bei Claudio Pizarro. Er wirkt – blenden wir das Ächzen mal aus – enorm fit. Er setzt sich zudem Ziele, als ob er sich in der Blüte seiner Karriere befinde, nicht in deren Spätspätspätherbst. Die Teilnahme an der WM 2018 mit Peru gehört dazu. Und neuerdings auch das: Pizarro will sich endlich die Torjäger-Kanone der Bundesliga greifen. „Ich habe schon so viele Tore geschossen, war aber noch nie Torschützenkönig. Das ist doch komisch“, meint der Stürmer und macht dabei das typische Pizarro-Gesicht – soll heißen: Hinter der ernsten Fassade versteckt sich immer irgendwo ein Lachen. Weshalb man sich nie sicher sein kann, ob man gerade auf den Arm genommen wird oder nicht.

Wahrscheinlich ist es in diesem Fall aber Pizarros Ernst. Völlig utopisch ist es auch nicht, dass er der beste Torjäger der Saison wird. In der Rückrunde der vergangenen Saison hat er immerhin zwölf Mal getroffen. Hochgerechnet auf eine ganze Saison wären das 24 Tore – das kann in einer normalen Saison reichen. „Vielleicht sind auch schon 20 genug“, spekuliert der Peruaner. Dass Robert Lewandowski zuletzt mit 30 Treffern glänzte, war schon eher eine Ausnahme. „30“, seufzt selbst ein Daueroptimist wie Pizarro, „sind ziemlich viel“.

Es muss ja auch nicht unbedingt die Torjägerkanone sein. Es würde ja schon reichen, dass Pizarro-Tore den Bremern erneut den Klassenerhalt bringen. In ihm und auch in der Mannschaft stecke auf jeden Fall das Potenzial dafür, da hat er überhaupt keinen Zweifel: „Das kann ich jetzt schon sagen: Für den Klassenerhalt reicht es“, erklärt der Südamerikaner. Was darüber hinaus möglich ist, sei noch nicht abzuschätzen. Erstmal gucken, wer noch geht, wer noch kommt.

Er bleibt, das ist sicher. Noch diese Saison, vielleicht auch noch die nächste, weil an deren Ende die WM in Russland steht, für die sich Claudio Pizarro mit Peru qualifizieren will. Aktuell stehen die Chancen nicht gut, Peru ist mit nur vier Punkten aus sechs Spielen Drittletzter der Südamerika-Qualifikation. Dennoch hält Pizarro an seinem Traum fest, nichtwissend jedoch, ob er überhaupt wieder für das Nationalteam nominiert wird. Bei der Copa America im Juni war er nicht dabei. Jüngere sollten ran. Ob er Anfang September, wenn es in der WM-Qualifikation gegen Bolivien und Ecuador (Pizarro: „Vorentscheidende Spiele“) geht, weiß er nicht: „Es ist nichts abgesprochen. Alles ist offen.“

Dass er für die Copa nicht nominiert würde, war lange klar. Und jetzt weiß Pizarro auch: Es war gut so. „Ich habe richtig Urlaub gemacht, total abgeschaltet. Von der Copa und der EM habe ich nichts gesehen.“ Stattdessen hat er an Stränden gelegen und in Peru die Hochzeit seiner Schwägerin gefeiert. Und trainiert hat er auch, das vorgegebe Laufprogramm absolviert. Wahrscheinlich sogar noch etwas mehr. Denn Werder-Coach Viktor Skripnik ist vom körperlichen Zustand des 37-Jährigen begeistert: „Er wird zwar nicht jünger, aber er hat eine sehr gute Fitness.“

Das Ächzen im braunen Ledersessel wird also einer dieser Pizarro-Witze gewesen sein. Tatsächlich geht es ihm prächtig. „Ich fühle mich wirklich gut“, bestätigt er. Aber ihm ist auch klar, dass Zustandsbeschreibungen dieser Art nicht lange Gültigkeit haben müssen. Torschützenkönig oder Torjägerrente – bei Claudio Pizarro ist eben beides möglich. Er sei in diesem sehr speziellen, unnormalen Profi-Alter, sagt er: „Irgendwann wird der Körper signalisieren: ,Tut mir leid, es ist vorbei.’ Das kann von einer Woche auf die andere passieren.“

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