DeichBlick-Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

Ex-Werder-Profi Prödl im Corona-Chaos: „Mir fällt langsam die Decke auf den Kopf“

Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Jurica Vranjes, Nils Petersen und Klaus Allofs.
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Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Jurica Vranjes, Nils Petersen und Klaus Allofs schreiben für die DeichStube über Werder Bremen.

Von Sebastian Prödl. Viele behaupten zu Recht, dass Fußballprofis ein privilegiertes Leben führen können. Aber in Zeiten von Corona ist auch unsere Situation eine absolute Katastrophe. Obwohl ich in Italien nie positiv getestet worden bin, musste ich bisher elf Wochen in Quarantäne. Das bedeutet: Als Kontaktperson 1 darf ich mich in Udine nur zwischen Wohnung und Stadion bewegen. Und es deutet nichts darauf hin, dass diese strengen Regeln zeitnah gelockert werden könnten, da sonst der Spielbetrieb der Serie A gefährdet wäre.

Ich habe zwei kleine Kinder - und natürlich ist meine Familie für mich das wichtigste Auffangbecken, aber vor allem freie Tage sind oft eine Qual. Die Lage ist mental extrem anstrengend, und mir fällt besonders jetzt im Winter langsam die Decke auf den Kopf. Du musst wirklich darauf achten, dass du abseits des Platzes nicht zu viel Energie verlierst – auch wenn ich jahrelang geschult worden bin, diszipliniert zu leben und alle Konzentration auf den Beruf als Profi zu legen. Ich bin in dieser Zeit bemüht, eine gewisse Routine einzuhalten und versuche, Projekte anzukurbeln, die ich mir für mein Leben nach dem Fußball vorgenommen habe. Von der so geschätzten Lebensqualität in Italien bekomme ich so gut wie gar nichts mit.

Sebastian Prödl über Werder Bremen: „im Gegensatz zur letzten Saison viele positive Zeichen“

Mir ist durchaus bewusst, dass es anderen Menschen in der Corona-Pandemie deutlich schlechter geht als mir persönlich - und Profi-Fußballern im Allgemeinen. Warum schreibe ich also darüber? Weil es für junge Spieler ohne Familie wahrscheinlich noch schwerer ist. Da kommt manchmal die Unsicherheit dazu, wie es mit der Karriere weitergeht oder ob ein Vertrag überhaupt verlängert wird. Die aktuelle Situation ist für den Kopf brutal belastend. Es ist schwer, den Fans diese Umstände zu erklären. Das alles darf auch keine Ausrede sein. Ich denke jedoch, dass manche Leistungen und Ergebnisse durch diese Hintergründe leichter zu verstehen sind. Es ist in 2020 eben nicht alles gefestigt und schon gar nicht so wie immer. Deswegen war es mir ein Anliegen, dieses Thema mal anzusprechen.

Zu Werder: Es gibt Stimmen in Bremen, die Werder bereits wieder mitten in den Abstiegskampf reden. Dabei gibt es im Gegensatz zur letzten Saison viele positive Zeichen: Werder zeigt Leistungen, die Hoffnung machen. Die Mannschaft agiert defensiv wesentlich stabiler. Der Punkt in München ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich die Mannschaft weiter entwickelt. Die Niederlage in Wolfsburg tut weh. Aber Werder Bremen wollte dort unbedingt gewinnen und hat dafür ein gewisses Risiko in Kauf genommen. Ich empfinde diesen Mut als richtig und wichtig! Klar ist aber auch: Die Sinne müssen geschärft sein, jeder Spieler muss wachsam bleiben – aber es gibt keinen Grund, plötzlich Angst zu haben, dass sich die Geschichte aus der Vorsaison wiederholen könnte.

Sebastian Prödl: Werder Bremen wird für Milot Rashica keinen neuen Club aus dem Hut zaubern

Werder Bremen tut gut daran, den Weg step by step weiterzugehen. Mit der externen Schwarzmalerei muss man umgehen können. Wenn man ein Haus zu schnell baut und das Fundament nicht mit Beton füllt, dann bricht es beim ersten Sturm zusammen. Viele fordern schon jetzt, dass im Winter nachgerüstet werden muss. und neue Spieler an Bord kommen sollen. Angesichts der wirtschaftlichen Situation sind Investitionen derzeit schwierig, und Werder Bremen wird auf dem Transfermarkt sicher kein unnötiges Risiko eingehen. Frank Baumann hat jedoch oft bewiesen, dass er nach kreativen Lösungen sucht und sie auch findet. Ich bin gespannt, wen der Werder-Manager aus dem Hut zaubert.

Einen neuen Club für Milot Rashica aber vermutlich nicht! Der Fall drückt vielen aufs Gemüt – und jetzt ist Milot auch noch verletzt. Einen Käufer zu finden, der einen anständigen Preis bezahlt, dürfte schwierig werden. Man spürte zuletzt, dass Rashica nicht frei aufspielen konnte. Man sah das auch an der Körpersprache. Die Situation nervte bereits ziemlich und wird mit der neuen Verletzung ein zusätzliche Belastung für alle.

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