Devise des Trainers: loben und nicht gelobt werden

Kohfeldt und seine Jungs

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Werder-Coach Kohfeldt bedankt sich nach seiner Auswechslung bei Milot Rashica.

Bremen - Florian Kohfeldt saß noch lange nach der Pressekonferenz auf dem Podium – vor ihm eine Schar von Journalisten. So ist das immer nach Heimspielen. Und auch nach dem 3:1-Sieg gegen den 1. FC Köln wich der Werder-Coach keiner Frage aus – bis er ganz zum Schluss selbst zum Thema wurde.

Schließlich hat Kohfeldt mit 25 Punkten aus seinen bisherigen 16 Partien als Chefcoach den SV Werder aus der Abstiegszone geführt. Doch der 35-Jährige wollte nicht über sich reden, sondern lenkte den Fokus sofort auf „die Jungs“, seine Jungs, und bedankte sich sogleich bei Sportchef Frank Baumann. Dabei vermittelte er vor allem einen Eindruck: Es herrscht ein ganz besonderer Teamgeist bei Werder – und zwar auf mehreren Ebenen.

Da gibt es zum Beispiel diese Geschichte mit Aron Johannsson – dem Helden von Gladbach. Vor einer Woche hatte er Werder als Joker mit seinem Tor zum 2:2 einen Punkt gesichert. Da winkte gegen Köln ein Platz in der Startelf, fand auch Kohfeldt. Aber dann sei der Stürmer zu ihm gekommen, habe ihm gesagt, dass wegen muskulärer Probleme wohl „20, 30 Minuten Vollpower das Maximum“ seien. „Das ist genau die Mentalität, die wir brauchen“, schwärmte der Trainer: „Das ist Ehrlichkeit, so etwas schätze ich. Und ich glaube auch, das wird belohnt und kommt irgendwann zurück.“ Es sei zudem ein Zeichen, „dass momentan in der Mannschaft einiges stimmt“.

Rashicas Premiere

Das ist natürlich auch Kohfeldts Verdienst. Sein Umgang mit den Spielern kommt offenbar sehr gut an. Bei Milot Rashica gab es sogar den ganz schnellen Erfolg. Der Angreifer war nach der ersten Halbzeit ziemlich frustriert, weil er kurz zuvor die dicke Chance zum 2:0 verballert hatte. Hätte er getroffen, wäre das Spiel für das nervlich angeschlagene Schlusslicht aus Köln wohl gelaufen gewesen. „Das wusste Milot auch, Fußballer spüren so etwas“, berichtete Kohfeldt aus einer Begegnung im Spielertunnel: „Da habe ich ihn in den Arm genommen und gesagt: ,Ruhig bleiben, das wird.’ Das macht man als Trainer, das will ich nicht überbewerten.“

In der 58. Minute schob Milot Rashica die Kugel ganz stark an Horn vorbei zum 2:1 und seinem ersten Bundesliga-Tor ins Netz.

Kohfeldt hätte es wahrscheinlich gar nicht erzählt, wenn Rashica so etwas zuvor in seinen Interviews nicht angedeutet hätte. Der Coach nahm sich bewusst zurück, wies alle weiteren Fragen zu seiner Person zurück. „Ich meine das wirklich ernst: Wenn wir den Klassenerhalt geschafft haben, können wir uns gerne hinsetzen und über meinen Anteil daran sprechen“, betonte der 35-Jährige und rückte dann seine Spieler in den Mittelpunkt: „Die Jungs bringen das auf den Platz, sie füllen das mit Leben. Natürlich freue ich mich sehr, dass ich ein paar Leitplanken setzen kann. Aber sie haben es umgesetzt. Das ist ihr Verdienst.“

Werder ist eine Einheit

Auch beim Thema Standardsituationen lenkte er den Fokus schnell auf andere Personen. Erneut hatte Werder nach einer Ecke zugeschlagen, wieder war es ein Block eines Mitspielers, der dem Torschützen die nötige Freiheit bescherte. „Damit habe ich aber nichts zu tun. Das machen die Analysten und die Co-Trainer – und natürlich die Jungs. Großes Kompliment an alle“, erklärte Kohfeldt. 

Einmal dabei hatte hatte er noch mehr warme Worte parat – und zwar für seinen Chef Frank Baumann. „Wie er im Winter – und das unter Druck – den Kader aufgestellt hat, da gebührt ihm ein Kompliment. Wir haben jetzt die Möglichkeit, so zu reagieren.“ Damit meinte er die Hereinnahme von Rashica, den Werder Ende Januar für eine Ablöse von 7,5 Millionen Euro von Vitesse Arnheim losgeeist hatte.

Fotostrecke: Werder gewinnt Kellerduell

Werder Bremen gegen 1. FC Köln
Werder Bremen gegen 1. FC Köln © Gumz
Milos Veljkovic schießt Werder in der 33. Minute mit 1:0 in Führung.
Milos Veljkovic schießt Werder in der 33. Minute mit 1:0 in Führung. © nordphoto
Werder Bremen gegen 1. FC Köln
Werder Bremen gegen 1. FC Köln © Gumz
Werder Bremen gegen 1. FC Köln
Werder Bremen gegen 1. FC Köln © Gumz
Werder Bremen gegen 1. FC Köln
Werder Bremen gegen 1. FC Köln © Gumz
Rashica schießt Werder in der 58. Minute zur 2:1 Führung.
Rashica schießt Werder in der 58. Minute zur 2:1 Führung. © Gumz
Werder Bremen gegen 1. FC Köln
Werder Bremen gegen 1. FC Köln © Gumz
Werder Bremen gegen 1. FC Köln
Werder Bremen gegen 1. FC Köln © Gumz
Maximilian Eggestein macht in der 89. Minute mit dem 3:1 den Deckel drauf.
Maximilian Eggestein macht in der 89. Minute mit dem 3:1 den Deckel drauf. © nordphoto

Es passt im Moment einfach alles gut zusammen. Werder ist eine Einheit. Da könnte richtig etwas entstehen. Die Bremer sind auf dem Weg nach oben und stehen in der Tabelle so gut da wie seit dem ersten Spieltag nicht mehr: Platz 13. Für Kohfeldt kommt das nicht unbedingt überraschend. „Bernd Stöver, der A-Lizenz-Ausbilder, hat nach unserer Ausbildung gesagt: Sucht euch alle eine Mannschaft, wo ihr den Erfolg nicht verhindern könnt“, erzählte der Werder-Coach und lachte. Es war nicht nur ein weiteres Ablenkungsmanöver von seiner Person, sondern auch das nächste Lob für seine Jungs und den Club, für den er schon so lange arbeitet und seit Ende Oktober die wichtigste Mannschaft betreuen darf.

Im Moment könnte es besser kaum laufen

Aber Kohfeldt ist clever genug, auch in die andere Richtung zu schauen. „Wir haben einen guten Schritt gemacht, aber es ist nix entschieden, es sind nur fünf Punkte bis zum Relegationsplatz, es kann so schnell gehen“, warnte der Coach: „Ich habe heute durchaus einige Dinge gesehen, die ich mir deutlich besser gewünscht hätte. Wir werden noch genug finden, an dem wir arbeiten können.“ Möglichst schon bis zum Samstag, dann sollen beim FC Augsburg die nächsten Punkte eingesammelt werden. 

Dabei kann sich Kohfeldt auf seinen kompletten Kader verlassen. Keiner reagiert beleidigt oder lässt sich hängen, wenn er mal nicht spielt. Und fast jeden hat es dabei schon getroffen. Gegen Köln kehrten Florian Kainz und Kapitän Zlatko Junuzovic in die Startelf zurück und funktionierten. Dafür verlor Ishak Belfodil schon wieder seinen Platz in der ersten Elf. Aber der Algerier war nach seiner Einwechslung in der 67. Minute sofort voll im Spiel. Kohfeldt und seine Jungs – im Moment könnte es besser kaum laufen.

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