Die Köpfe bleiben unten

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Da war noch alles in bester Ordnung: Stürmer Markus Rosenberg (links) lässt sich von den Kölnern Geromel (Mitte) und Sereno nicht mehr aufhalten und vollstreckt cool ins lange Eck zum 1:0 für Werder. Am Ende hieß es aber nur 1:1.

Köln - Von Carsten Sander - Arnd Zeigler bemühte einen Witz. In der Gäste-Kolumne des "Geißbock", dem Stadionheft des 1. FC Köln, erzählte der Radio- und TV-Moderator vom Blinden und Tauben, die sich mit Revolvern ein Duell liefern.

Der Witz geht so: "Der Blinde fragt: Ist der Taube schon da?" Der Taube fragt: "Hat der Blinde schon geschossen?" So in etwa, fürchtete Zeigler, könnte das Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Werder Bremen werden. Was soll man sagen? Genauso wurde es. Blinder und Tauber trafen jeweils einmal, die Partie endete 1:1 (1:1) und es blieb die Gewissheit zurück, dass es beide sehr, sehr schwer haben werden, ihre Ziele in den fünf noch verbleibenden Spielen der Fußball-Bundesliga zu erreichen.

Rosenberg trifft

Beim Tabellen-16. 1. FC Köln ist es der Klassenerhalt, der angestrebt wird. Bei Werder die Europa League. Aber gespielt haben beide wie Absteiger. Wobei Werder die Rolle des Blinden übernahm. Die Bremer erkannten die Chance nicht, die sich ihnen geboten hatte. Gegen einen Gegner, der den sportlichen Niedergang mit Trainer-Diskussion und allerhand anderen Turbulenzen rund um den Club garniert, lagen die Punkte eigentlich auf dem Silbertablett vor den Bremern. So sah es jedenfalls Tim Wiese. "Heute", sagte der Bremer Torwart, "war doch die ganze Stadt gegen den FC. Und wir haben es nicht genutzt." Wieso nicht? Weil Werder nicht minder verunsichert auftrat wie die Kölner. "Wir haben überhaupt keine Körpersprache. Man muss den Kopf auch mal oben haben, nicht immer hängen lassen", beklagte der 30-Jährige, der mit seinen Paraden wenigstens noch einen Punkt festhielt. "Wir müssen", fasste Wiese die Partie zusammen, "sogar noch glücklich sein über dieses Ergebnis."

Die Bilder zum Spiel

SV Werder Bremen ist zu Gast beim 1. FC Köln.

Dabei war zunächst alles gut gelaufen für Werder. Nicht, dass die Bremer grandios begonnen hätten. Aber mit der ersten (und letzten) guten Aktion gelang die Führung. Einen Konter über Marko Marin vollendete Markus Rosenberg mit einem überlegten Schuss ins lange Ecke (24.). Womit die perfekte Grundlage für einen Auswärtssieg geschaffen war. Aber: Von Werder kam fortan nichts mehr. Außer späterer Klagen über eine erneute Ungerechtigkeit, die ihnen zum Nachteil gereichte. Denn dem Kölner 1:1 durch ein Kopfballtor des Tunesiers Ammar Jemal (39.) ging ein Eckball voraus, den es nicht hätte geben dürfen. Zlatko Junuzovic hatte eine Jemal-Flanke abgewehrt, doch der Kölner war zuletzt am Ball. Referee Günter Perl (Pullach) hatte es anders gesehen und zog sich nicht nur damit den Bremern Zorn zu. "Arrogant" nannte ihn Marin, "kleinlich" sagte Kapitän Clemens Fritz. Doch eine Schiedsrichter-Diskussion anzustrengen, war gestern der absolut falsche Ansatz der Aufarbeitung. Werder hatte reichlich Anlass über die eigene Leistung nachzudenken. Das taten Fritz und Marin dann auch und kamen zu wenig fröhlich stimmenden Ergebnissen. "Ohne Überzeugung" habe die Mannschaft gespielt, bemängelte Fritz. ?Nur lange Bälle ohne Adresse, da war keine Linie drin?, meinte Rosenberg. Beides waren Umschreibungen für: einfach schlecht. Selbst Geschäftsführer Klaus Allofs bekannte: "Wenn man etwas Positives finden will, dann, dass wir es bis zum Schluss versucht haben." Jedoch mit völlig untauglichen Mitteln. Wenn sich mal die Chance, einen Konter zu initiieren ergab, wurde unter Garantie der falsche Ball gespielt. Zu hektisch, zu ungenau, Fehlpässe statt Finesse. Und bei Marin steigerte sich von Versuch zu Versuch die Verzweiflung: "Ich hatte oft gedacht: Wenn jetzt der Ball kommt, haben wir eine gute Chance. Aber der Ball kam nicht."

Der Live-Ticker zum Nachlesen

Dazu kam, dass Claudio Pizarro gestern ein Totalausfall war. "Auch er", entschuldigte Allofs den Peruaner, "darf mal einen schlechten Tag haben. Das geht auch Klassespielern so." Pizarro hatte sich quasi angepasst an ein Spiel, das alle negativen Bezeichnungen verdient hatte. Das Werder allerdings auch die Rückkehr auf Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, brachte. Es ist zwar nur eine Momentaufnahme, die schon heute wieder Vergangenheit sein könnte, wenn Hannover und Leverkusen vorbeiziehen sollten. Aber den Moment nutzten die Bremer, um weiter ihren Glauben an den guten Ausgang der Saison zu betonen. "Die Chance ist ja noch da", sagte Clemens Fritz. Dann schaute er auf den Dienstag voraus, wenn das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach ansteht. "Die sind ja nicht ohne", meinte der Kapitän. Und sah besorgt aus.

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