Werder nach dem 4:0 gegen Augsburg

Der Knoten ist zerschlagen

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Nach dem 4:0-Sieg über den FC Augsburg hat Coach-Kohfeldt gut lachen.

Bremen – Es waren die Minuten nach dem 2:2 gegen Eintracht Frankfurt, als ein emotionsgeladener Florian Kohfeldt viele Fragen zu vielen Themen beantworten musste.

Es ging um Handspiele, um den Videobeweis, um seinen Platzverweis – und es ging um viele, viele vergebene Chancen seines Teams. Das hatte zuvor den Sieg gegen die Eintracht klassisch verballert. Doch Kohfeldt war – trotz der Wut, die in ihm tobte – nicht bereit, in den Kanon der Kritik einzustimmen. „Schlimm wäre es, wenn wir die Chancen nicht hätten“, sagte er also und versprach, was Trainer halt so versprechen: „Irgendwann platzt der Knoten richtig.“

Es hat eine Entwicklung stattgefunden

Zwei Wochen später weiß man: Kohfeldts Worte waren mehr als das übliche Beschwichtigen. Und mit „irgendwann“ muss der Trainer des SV Werder den vergangenen Sonntag gemeint haben. Beim 4:0 über den FC Augsburg platzte der Knoten, flog der Korken aus der Flasche und löste sich jegliche Ladehemmung. Vier Tore in einem Spiel - das war Werder in dieser Spielzeit nur im DFB-Pokal gegen die Regionalligisten Wormatia Worms (6:1) und Weiche Flensburg (5:1) gelungen. Nun endlich ließen es die Grün-Weißen auch in der Bundesliga so richtig krachen.

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Was aber ist passiert zwischen Frankfurt, als eine Fülle von Chancen nur zu zwei Toren führten, und Augsburg, als fünf Schüsse aufs Tor vier Treffer bedeuteten? Klar, es hat eine Entwicklung stattgefunden bei den Spielern. Aber welche? Johannes Eggestein, der gegen Augsburg das 2:0 beigesteuert hatte, sieht diesen Erklärungsansatz. „Wir haben uns einfach bewusst gemacht, dass wir wissen müssen, was wir vor dem Tor machen. Wir brauchen einen klaren Gedanken, müssen vom Kopf her schneller sein.“ Er selbst zeigte das bei seinem Treffer, als er den Ball trocken ins linke obere Eck zimmerte. Dass er dabei ungewöhnlich viel Zeit hatte im Strafraum, „hat mich selbst gewundert“, lachte er.

Jojo Eggestein stand perfekt und drosch den Ball gegen Augsburg zum 2:0 in den Winkel.

Aber Eggestein wusste eben mit der Gelegenheit etwas anzufangen. Ihm eilt seit jeher der Ruf voraus, dass das seine größte Stärke ist. Bei Milot Rashica war das ganz und gar nicht so. Am Ende der Hinrunde war er auf dem besten Weg, als Chancentod verschrien zu werden. Nun hat er in der Rückrunde schon viermal zugeschlagen – den Treffer im DFB-Pokal bei Borussia Dortmund inklusive. Gegen Augsburg gelang dem Kosovaren sein erster Doppelpack in der Bundesliga. Die Zutaten dafür waren jeweils Tempo, besagter klarer Plan und ein überlegter Abschluss. Zeichen der Reife? Ja, meint Kohfeldt: „Diesmal hat Milot endlich mal die Ruhe bewahrt.“ Obwohl das zweite Tor spektakulärer aussah, gab der Coach auf seiner persönlichen Hitliste Treffer Nummer eins den Vorzug: „Das war für mich das Beste, weil er ganz in Ruhe noch geschaut hat, was der Torwart macht, und den Ball dann ganz ohne Hektik unten reingelegt hat. Das war kein Gewaltschuss, sondern ganz überlegt.“

Der Erfolg gibt Kohfeldt recht

Abgezockt hätte Kohfeldt ebenso gut sagen können. Abgezockt – dieser Begriff passte auch auf das gesamte Team. Der Weg zum Sieg führte nicht über den Ballbesitz, sondern über die Konter. Es war ein bisschen so, als hätte Kohfeldt im Erbgut der Mannschaft einige Chromosomen neu verteilt. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Kohfeldt: „Wir haben ja keine 80 Prozent Ballbesitz gehabt und haben den Gegner auch nicht hergespielt – kein Stück. Aber wir wussten genau, was wir machen wollten und haben es gemacht. Dann gewinnst du so ein Spiel auch so. Ein Schlüssel zum Sieg muss nicht immer eine Gala sein.“

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Die drei Tore vor der Pause waren aber Baustücke, die zu jeder Gala gehören. Und zusätzlich bemerkenswert daran war, dass es in einem Spiel geschah, in dem zwei Stürmer fehlten, die zu Saisonbeginn als Stammkräfte im Angriff galten. Doch obwohl Martin Harnik (Muskelverletzung) und Yuya Osako (Sehnenreizung im Rücken) nicht zur Verfügung standen, feierte Werder sein kleines Tor-Festival. Dank Rashica, dank „Jojo“ Eggestein – Spieler am Beginn ihrer Bundesliga-Karriere, die derzeit auf dem Weg nach oben zwei Treppenstufen auf einmal nehmen und den Knoten bei Werder haben platzen lassen.

Quelle: DeichStube

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