Klemm-Brett

Notizen vor Leverkusen: Rolfes‘ Aufstieg, Boszs Offensive und Beinlich im Interview

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Wissenswertes zum Werder-Spiel gegen Bayer Leverkusen: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 26. Spieltag geht es um Bayer Leverkusen.

Interview mit Stefan Beinlich

Stefan Beinlich ist ein früherer Nationalspieler, der von 1997 bis 2000 für Leverkusen gespielt hat. „Paule“, wie er genannt wird, lobt den Fußball, den die Bayer-Elf momentan spielt.

Was sagen Sie zur Entwicklung von Leverkusen unter dem neuen Trainer Peter Bosz?

Aktuell spielt die Mannschaft einen tollen Fußball, einen sehr attraktiven Offensivfußball. In Hannover, wo mein Freund Thomas Doll trainiert, hatte ich ein wenig Angst, weil die Platzverhältnisse dem Gegner entgegenkamen. Auf Schnee ist es schwerer, ein gutes Passspiel aufzuziehen. Doch es hat am Ende gereicht. Überragend fand ich die Mannschaft schon gegen Dortmund, einer Partie, in der die falsche Elf gewonnen hat.

Sind Sie von Peter Bosz überzeugt?

Er lässt einen guten Fußball spielen, der indes sehr riskant ist. Dies hat man schon in Dortmund gesehen, nun auch in Leverkusen. Bei der Offensive fehlt mitunter die Absicherung. Wenn die Spieler nach vorn schieben, können einfache Ballverluste schnell zu Gegentoren führen. Doch in Leverkusen scheint es schon besser zu funktionieren als in Dortmund.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Jung-Nationalspieler Julian Brandt und Kai Havertz?

Beide sind tolle Spieler, die zu Recht auch in der Ländermannschaft eine Rolle spielen. Wenn die Truppe insgesamt glänzt, kann auch jeder einzelne davon profitieren. Ich finde es nur schade, dass die Jungen heutzutage so schnell hochgelobt werden. Wenn sie danach mal leicht schwächeln, kriegen sie umso mehr auf die Mütze.

Stefan Beinlich spielte von 1997 bis 2000 bei Bayer Leverkusen.

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Spruch

„Die Benders sind für uns sehr wichtig. Ich habe schon gefragt, ob es keinen dritten Bender gibt.“

Trainer Peter Bosz über die Zwillingsbrüder bei Bayer

Trainerwechsel

Einen Tag vor Weihnachten erhielt Heiko Herrlich das Entlassungsschreiben. Zu diesem Zeitpunkt vor den Festtagen ziemlich überraschend. Im letzten Hinrundenspiel hatte Herrlichs Elf mit 3:1 gegen Hertha BSC gewonnen. Die Wende schien geschafft, nachdem Bayer enorm schlecht in die Saison gestartet war. Eine niederschmetternde Bilanz nach einem Drittel der Saison: elf Punkte nur nach elf Spielen. Herrlich stand in der Diskussion. Nur die Erfolge in den Pokalwettbewerben, national wie auch international, retteten ihm den Job.

Vor allem in der Europa League spielte die Truppe erfolgreich: erster Platz in der Gruppe, 13 Punkte erzielt. Doch es blieb bei einer Achterbahnfahrt in der Liga. Namen möglicher Nachfolger wurden gehandelt. Die Bilanz nach der ersten Saisonhälfte: Platz neun mit 24 Punkten. Dennoch sah sich die Führung um Rudi Völler gezwungen, Herrlich freizustellen. Die Begründung: In einer „insgesamt nicht befriedigenden Halbserie“ habe eine „Stagnation in der Entwicklung des Teams“ stattgefunden. Peter Bosz übernahm.

Der Neue: Peter Bosz

„Ich freue mich, endlich wieder auf dem Platz zu stehen“, meldete sich Peter Bosz zurück. In Dortmund war der Niederländer, der überragende Arbeit bei Ajax Amsterdam geleistet und so sich für die Bundesliga interessant gemacht hatte, frühzeitig entlassen worden. Anfangserfolge bei der Borussia, doch dann der verhängnisvolle Einbruch mit defensiver Instabilität bei dem von ihm praktizierten Offensivstil. Die Borussia-Bosse handelten, tauschten Bosz aus, Peter Stöger übernahm.

„Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort“ sei der Coach gewesen, kommentierte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke diese Personalie. Der Holländer schien für die deutsche Liga verbrannt, doch er bekam eine neue Chance. Selbstbewusst verkündete der 55-Jährige, nachdem ihn Bayer berufen hatte: „Die Menschen in Deutschland haben noch nicht den richtigen Trainer Bosz gesehen.“ Rasant legte er los, so wie in Dortmund. Vier Siege in Serie, zu diesem Zeitpunkt das beste Team in der Rückrunde. Nach dem bemerkenswerten 5:1 in Mainz strahlte der neue Mann: „Es war sehr wichtig, wir sind wieder dabei.“

Unter Bosz hat sich Bayer wieder ins Vorderfeld katapultiert, nimmt in der Rückrundentabelle nach dem 2:1 in Hannover am vergangenen Sonntag mit 18 Punkten den zweiten Platz hinter den überragenden Bayern (21 Punkte) ein. 42 Punkte nach dem 25. Spieltag bedeuten einen Rang, der zur Qualifikation zur Europa League berechtigt. Für Jungstar Kai Havertz noch nicht genug: „Wir wollen in die Champions League.“

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Die Gewinner: Brandt, Havertz und Bailey

Eine neue Spielidee, ein neues System: Peter Bosz, ein Freund der Offensive, der einen Mix aus Umschaltspiel und Ballbesitz bevorzugt, setzt auf ein Spielmacher-Duo. Bestehend aus den beiden Nationalspielern Julian Brandt und Kai Havertz. Vor allem Brandt profitiert von seiner neuen Rolle. Bei Heiko Herrlich zumeist auf den Flanken eingesetzt, agiert er nun zentraler, hat dadurch mehr Spielanteile und blüht an der Seite von Havertz regelrecht auf.

Zuvor war Brandt, der in Bremen geboren wurde und in der Jugend des SC Borgfeld und des FC Oberneuland spielte, bevor er ins Nachwuchsleistungszentrum des VfL Wolfsburg wechselte, auf dem Flügel ein wenig isoliert. Die beiden Löw-Schützlinge, die auch beim Neuaufbau der Nationalelf eine tragende Rolle spielen sollen, harmonieren prächtig, wobei neuerdings Havertz schon mal auf der Seite postiert wird. Ein weiterer Bayer-Profi, der als Gewinner gelten darf, seitdem der Holländer Bosz das Kommando führt: Leon Bailey, der Aufsteiger aus der Vorsaison, in der Hinrunde formschwach. Nun knüpft der Jamaikaner langsam wieder an sein bereits gezeigtes Leistungsvermögen an.

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Wirbel um Leon Bailey

Seit dem Sommer herrscht Wirbel um Leon Bailey. Immer wieder kursierten Gerüchte über einen vorzeitigen Transfer des Himmelsstürmers, der durch fantastische Leistungen in der Saison 2017/18 auf sich aufmerksam gemacht hat. Vor allem Clubs aus der Premier League schienen interessiert an dem 21-Jährigen, der Anfang 2017 für zwölf Millionen Euro aus dem belgischen Genk gekommen war. Auch in der Winterpause war lange Zeit nicht sicher, ob der trickreiche und flinke Außenstürmer bleiben würde. Zumal er immer wieder mit Wechselabsichten kokettierte und vornehmlich die britische Insel als Wunschziel angab.

Bailey blieb schließlich, ist nunmehr langfristig an Bayer gebunden dank eines bis 2023 datierten Kontrakts, der ihm, wie kolportiert wird, gut drei Millionen Euro Jahresgehalt einbringen soll. „Chippy“, wie Bailey gerufen wird, sorgte auch darüber hinaus für Unruhe. Sein geplantes Debüt in der Nationalelf Jamaikas sagte er kurzfristig ab. Der Grund: Sein Halbbruder Kyle, nicht annähernd so talentiert wie er, war nicht nominiert worden. Als Drahtzieher dieser Posse wird Craig Butler vermutet, sein Stiefvater, ein Fußballunternehmer in der Karibik, der nicht den besten Ruf genießt und in Jamaika mal sechs Jahre lang für alle Transferangelegenheiten gesperrt war.

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Simon Rolfes, früher Spieler bei Werder Bremen, ist seit Kurzem Sportdirektor bei Bayer Leverkusen.

Der Aufsteiger: Simon Rolfes

Ein Traum ginge in Erfüllung, sagt Simon Rolfes. So charakterisierte der frühere Bremer, der bis 2004 im Aufgebot bei Werder stand, allerdings in der Profiliga nicht zum Einsatz kam, seinen Eintritt in die Führungsriege bei Bayer Leverkusen. Erst im Juli des letzten Jahres war der 37-Jährige als Nachwuchsleiter eingesetzt worden. Nun steigt der Ex-Nationalspielers als Sportdirektor in das Topmanagement der Bayer GmbH ein. „Simon hat den Stallgeruch, ist international gut vernetzt und besitzt alle Fähigkeiten, um Bayer nach vorn zu bringen“, stellt Rudi Völler dem rasanten Aufsteiger in der Führungsetage ein fabelhaftes Zeugnis aus.

Auch Fernando Carro, der Vorsitzende der Geschäftsführung, stimmte ein und verteilte Vorschusslorbeeren, indem er den früheren Kapitän der Werkself als „allseits respektierte Identifikationsfigur“ würdigte: „Die Entscheidung für Rolfes ist ein klares Bekenntnis zur DNA von Bayer 04.“ Unterdessen deutete Völler, dem nun mit Stefan Kießling ein früherer Mitspieler von Rolfes als Assistent zur Seite steht, seinen baldigen Rückzug an. Es gibt womöglich unterschiedliche Auffassungen, wie der Verein als Tochter des Bayer-Konzern geführt werden soll.

Hinspiel

Es setzte eine derbe Pleite: 2:6 ging Werder im Hinspiel gegen eine furiose Bayer-Elf unter. Ohne Abwehrchef Niklas Moisander hielt die Bremer Deckung dem Sturmwirbel der Rheinländer nicht stand. Im der neuformierten 3-5-2-Ordnung, mit dem überforderten Friedl auf der linken Seite, ließ sich Werder regelrecht auskontern. Kevin Volland, Julian Brandt und Karim Bellarabi sorgten für die klare 3:0-Pausenführung. Der eingewechselte Claudio Pizarro sowie Yuya Osako verkürzten und ließen nochmals Hoffnung keimen, ehe Kai Havertz, Aleksandar Dragovic und nochmals Havertz erfolgreich waren.

Quelle: DeichStube

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