DeichBlick-Kolumne: Klaus Allofs schreibt für die DeichStube

„Bitte über die Spieler sprechen, nicht über den Trainer“

Der DeichBlick-Kolumnistenkreis von links nach rechts: Nils Petersen, Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl und Thomas Schaaf schreiben für die DeichStube über den SV Werder Bremen.

Von Klaus Allofs. Eigentlich hatte ich mir für diese Kolumne vorgenommen, nicht den Trainer zum Thema zu machen. Aber natürlich habe ich mitbekommen, dass meine Aussage im „kicker“ in der vergangenen Woche zu Diskussionen im Werder-Umfeld geführt hat.

Ich bleibe dennoch dabei: Es wäre falsch, eine Trennung von Florian Kohfeldt als Möglichkeit grundsätzlich auszublenden. Als Plädoyer für einen Trainerwechsel sollte das allerdings nicht verstanden werden. Sondern nur als Hinweis, dass es in der aktuellen Situation keine Denkverbote geben darf.

Was wiederum nicht dazu führen darf, dass jetzt ausschließlich darüber geredet wird, ob der Trainer der richtige ist. Viel wichtiger ist es jetzt, elementare Dinge im Werder-Spiel zu verbessern. Neben den Trainern sind da die Spieler besonders gefordert und in der Verantwortung. Für bessere Resultate und schließlich den Klassenerhalt muss Werder Bremen unbedingt das Defensivverhalten verbessern. Beim 0:3 in Leipzig war wieder einmal zu beobachten, wie anfällig die Defensive bei Standardsituationen ist.

Werder Bremen: Standard-Gegentore machen Willen messbar

Genau das darf im Abstiegskampf aber nicht sein. Das kann jeder einzelne Werder-Spieler viel besser, als er es in der laufenden Saison gezeigt hat. Man muss erwarten dürfen, dass sich die Bremer Spieler mit vollem Einsatz und allem, was sie haben, bei Standards wehren. Meine Beobachtung ist jedoch, dass die letzte Konsequenz und der Durchsetzungswille noch nicht zu sehen sind. Siehe das 0:2 durch Patrik Schick, der sich vorher mit einem Schubser gegen Milos Veljkovic Luft verschafft hat. Schick wollte das Tor mit aller Macht, und Werder lässt es über sich ergehen.

Ich finde, die Anzahl der Gegentore nach ruhenden Bällen macht den unbedingten Willen einer Mannschaft in gewisser Weise messbar. Und dass Werder jedes dritte Gegentor – mittlerweile sind es 17 von 51 – in Folge einer Standardsituation kassiert, sagt entsprechend viel aus. Ich will der Mannschaft gewiss nichts unterstellen, und es wäre auch verrückt, den Bremer Profis den grundsätzlichen Willen abzusprechen, aber es fehlen eben diese Kleinigkeiten, die kaum spürbar, aber doch so wichtig sind.

Klaus Allofs: Bei Werder Bremen muss jetzt ein Ruck durchs Team gehen

Deshalb: Bitte nicht über den Trainer diskutieren, sondern darüber, was die Spieler einbringen können und müssen. Jeder muss verstehen, dass auch eine abgewehrte Ecke, ein geblockter Freistoß oder ein gewonnener Zweikampf einen Push bringen kann. An solch simplen Dingen kann sich jeder Spieler und damit die gesamte Mannschaft aufrichten.

Das muss jetzt aber schnell passieren. Fünf Punkte Rückstand auf Platz 15 sind für Werder sicher noch aufzuholen, die Mannschaft kann das. Aber dafür muss jetzt ein Ruck durch das gesamte Team gehen, sonst ist es bald zu spät.

Klaus Allofs

Zur Person: Erst Profi, dann Manager – Klaus Allofs (63) hat im Fußball fast alles erlebt. Bei Werder Bremen war er auf beiden Seiten tätig, beim VfL Wolfsburg arbeitete er bis 2016 als Manager.

Quelle: DeichStube

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