DeichBlick-Kolumne von Klaus Allofs

„An dem Frankfurt-Elfmeter ist Rashica gewachsen“

Der DeichBlick-Kolumnistenkreis von links nach rechts: Nils Petersen, Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl und Thomas Schaaf schreiben für die DeichStube über den SV Werder Bremen.

Von Klaus Allofs. Noch einmal zurück zu Sonntagabend. Frankfurt, Nachspielzeit, die Eintracht führt 2:1. Es gibt Elfmeter für Werder Bremen, doch in Davy Klaassen liegt der etatmäßige Schütze verletzt hinter der Torauslinie.

Jemand anderes muss nun schießen und verwandeln, um die Niederlage abzuwenden. Keine einfache Aufgabe. Milot Rashica übernimmt sie dennoch. Und ist erfolgreich. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: In diesem Moment ist Rashica ein ganzes Stück gewachsen – natürlich nicht körperlich, aber als Fußballer.

Denn sich den Ball in diesem besonderen Augenblick zu schnappen, zeigt, dass er bereit ist, Verantwortung für die Mannschaft zu übernehmen. Wenn der Elfmeter dann auch noch – wie in Frankfurt geschehen – reingeht, dann gibt das nicht nur jede Menge Selbstvertrauen für den Schützen, sondern sorgt auch für zusätzliche Akzeptanz innerhalb der Mannschaft. Die Mitspieler wissen jetzt noch mehr als vorher, dass sie sich in brenzligen Situationen auf Rashica verlassen können. Das Tor war ein Signal an ihn selbst, an die Kollegen, an die Öffentlichkeit. Und es war ein Schritt, der einen Spieler in der Entwicklung ein großes Stück voranbringt.

Werder Bremen: Milot Rashica entwickelt sich - Frankfurt war die nächste Stufe der Leiter

Milot Rashica macht diese Schritte. Das ist in den beiden Spielen nach seiner Adduktorenverletzung deutlich geworden. Er hat mit seinem Tor in Dortmund und dem verwandelten Elfmeter in Frankfurt gezeigt, dass er die gute Rückrunde der Vorsaison nicht nur bestätigen kann, sondern dass seine Entwicklung sogar weiter vorangeht. Was hat Trainer Florian Kohfeldt vor der Saison noch gefordert und geahnt? Rashica muss/wird mehr Verantwortung für die Mannschaft übernehmen? Bitte schön, hat er gemacht. Für ihn ist der Last-Minute-Strafstoß die nächste Stufe auf der Leiter gewesen. Das darf man nicht unterschätzen.

Ich weiß, wie es ist, wenn man zum Elfmeterpunkt schreitet und der Schuss das Spiel entscheiden kann. Eigentlich ist man sich ganz sicher, dass man verwandeln wird. Aber für eine Hundertstelsekunde schießt der Gedanke in den Hinterkopf: ,Mensch, was ist denn, wenn es schiefgeht?‘ Aber das muss man beherrschen. Milot Rashica hat gezeigt, dass er das kann.

Wer schießt den nächsten Elfmeter bei Werder Bremen? Milot Rashica könnte Ansprüche stellen

Die Frage, die man sich jetzt stellen kann, ist die, wer denn den nächsten Elfmeter für Werder Bremen schießen darf. Zur Erinnerung: Davy Klaassen hat zuletzt gegen Union Berlin zwar den ersten Elfer verwandelt, aber den zweiten verschossen. Rashica hat nun getroffen. Daraus könnte der 23-Jährige Ansprüche ableiten. Deshalb muss das Thema nun intern geklärt werden. Es gäbe nichts Schlimmeres, als wenn die Elfmeter-Frage unangesprochen bleibt und beim nächsten Strafstoß auf dem Platz ein Gerangel um den Ball entsteht. Das sieht nicht nur schlecht aus, sondern hilft auch dem Schützen nicht.

Wer die bessere Wahl ist, lässt sich nun wirklich nicht sagen. Aber ich tippe mal, dass bei nächster Gelegenheit wieder Davy Klaassen antreten wird. Es sei denn, er reicht das Elfmeterrecht freiwillig an Milot Rashica weiter. Doch das wäre – bei allem verdienten Beifall für die von Rashica demonstrierte Nervenstärke – überraschend und ungewöhnlich.

Klaus Allofs

Zur Person: Erst Profi, dann Manager – Klaus Allofs (62) hat im Fußball fast alles erlebt. Bei Werder Bremen war er auf beiden Seiten tätig, beim VfL Wolfsburg arbeitete er bis 2016 als Manager.

Mehr News zu Werder Bremen

Wann steht er wieder auf dem Platz? Und bleibt er bei Werder Bremen? Die Zukunft von Fin Bartels bleibt offen. Bundestrainer Joachim Löw hat Maximilian Eggestein, Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen, nicht in den Kader für die anstehenden Länderspiele berufen – und das trotz Absagenflut. Der Härtest vor den Härtetests – Philipp Bargfrede arbeitet weiter an seinem Startelf-Comeback für Werder Bremen. Der Manager hat sich „eine klare Deadline“ gesetzt – für Frank Baumann ist spätestens mit 50 Jahren Schluss bei Werder Bremen.

Quelle: DeichStube

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