Nach „Totalversagen“

Kevin Möhwald verspricht ein anderes Werder-Gesicht

Bremen – Schon komisch, dass die Wahl ausgerechnet auf ihn fiel. Denn Kevin Möhwald war nicht dabei gewesen, als sich der SV Werder Bremen am Samstag gegen Union Berlin ins Büßerhemd gespielt hatte.

Trotzdem schickte Werder Bremen ihn nach vorne, um in einer Online-Medienrunde die Gründe und die Folgen des 0:2 zu besprechen. „Ich mache das gerne“, sagte Möhwald, und es war nicht der Auftritt eines folgsamen Gehaltsempfängers, der macht, was man ihm sagt, sondern der eines Mannes, der Botschafter der Mannschaft sein will – „auch wenn es schönere Aufgaben gibt, als sich nach einer Niederlage vor die Kamera zu stellen“. Kevin Möhwald hat es gemacht und dabei versucht, zwei Punkte nach vorne zu rücken. Erstens: Gegen Union Berlin hat das Team nicht sein wahres Gesicht gezeigt. Zweitens: Gegen Bayer Leverkusen wird das nachgeholt.

„Ich hoffe, dass jeder Einzelne es in sich trägt, jetzt eine Reaktion zeigen zu wollen“, erklärte Möhwald mit Blick auf die Partie in Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr) und wechselte nur wenige Sätze später vom Hoffen zum Glauben: „So wie ich unsere Mannschaft kenne, ist jeder selbstkritisch genug, um zu wissen, was jetzt nötig ist.“ Was ja auch nicht so schwer ist. Denn wer in einem Spiel „von Anfang bis Ende nichts“ geliefert und sich ein „Totalversagen“ (Aussagen Möhwald) geleistet hat, der sollte im nächsten Spiel von Anfang bis Ende alles geben. Vor allem um liegengelassene Punkte zurückzuholen und einen Eindruck zu revidieren, der so tiefgreifend negativ war, dass im Umfeld des SV Werder Bremen schon wieder schlimmste Befürchtungen geäußert und düsterste Szenarien gemalt werden.

Werder Bremen: Kevin Möhwald fiel gegen Union Berlin krankheitsbeding aus

Kevin Möhwald, der keinen Anteil an dem ultimativ schlechten Samstag von Werder Bremen hatte, weil er mit einem Magen-Darm-Virus ausgefallen war, saß am Dienstag aber auch deshalb in der Videokonferenz, um die Schwarzseher wieder ein bisschen ins grün-weiße Licht zu ziehen. Das 0:2 nicht als krachende Niederlage zu sehen, konnte zwar auch er niemandem abverlangen, aber die Einordnung, die war ihm dann schon wichtig. Das liest sich dann so: „Bis zu diesem Spiel waren wir in unseren Leistungen – mit Ausnahme der Partie gegen Hertha BSC (1:4 am ersten Spieltag, d. Red.) – ziemlich stabil. Natürlich war das kein Fußball, der nach Kaviar geschmeckt hat, aber wir sind konkurrenzfähig gewesen.“ Und Union müsse jetzt eben als zweite Ausnahme gesehen werden. Macht im Schnitt alle sieben Spiele einen Aussetzer. Kann man damit leben?

Tabellarisch ginge es noch, meinte Mittelfeldmann Kevin Möhwald. Als 14. mit 14 Punkten fühle er einen „normalen Druck“, aber Abstiegspanik sei nicht dabei. Sicherlich seien „alle Antennen an“, sagte der 27-Jährige, aber mit der Erfahrung der Vorsaison „wissen wir die Situation besser einzuschätzen“. Nämlich so: Bei vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang „ist es nur ein kleiner Schritt bis zur Abstiegszone, aber wir wissen auch, dass wir an jedem Wochenende die Chance haben, einen großen Schritt in die andere Richtung zu machen.“

Gegen Union Berlin wurde diese Chance leichtfertig weggeworfen („Und wir hatten das Glück, dass alle anderen hinter uns auch verloren haben“, so Möhwald), bei Bayer Leverkusen bietet sie sich erneut – auch wenn der Gegner zu jenen Kalibern gehört, gegen die der SV Werder Bremen bislang nichts beschicken konnte. Mit Ausnahme des 1:1 bei Bayern München – und vielleicht liefert der kommende Samstag den zweiten positiven Ausreißer.

Kevin Möhwald will bei Werder Bremen wieder Verantwortung übernehmen

Möhwald wird dann auf jeden Fall wieder helfen. Den Magen-Darm-Virus hat er überwunden, wird also spielen können. Und hat sich vorgenommen, an den persönlichen Aufwärtstrend aus der Vorweihnachtszeit anzuknüpfen. Bis zum Fest lief seine Eingewöhnungszeit nach der 14-monatigen Verletzungspause. Beim 1:0 gegen Mainz 05 spielte der gebürtige Erfurter das erste Mal über 90 Minuten, im anschließenden DFB-Pokalspiel gegen Hannover 96 (3:0) wurde er geschont. Die kurze Zwangspause zum Jahresbeginn gegen Union hat dann gestört, aber hoffentlich nicht sehr. Denn Kevin Möhwald soll und will ab sofort nicht nicht nur in Medienrunden Verantwortung übernehmen, sondern auch auf dem Platz wieder mit voller Kraft vorangehen. Wobei: Die hundert Prozent Fitness, von denen Fußballer nach langen Pausen immer reden, habe er immer noch nicht erreicht, „aber ich bin nahe dran“. Am Samstag wird sich zeigen, ob das erarbeitete Level reicht, um dem eigenen Führungsanspruch („mein Naturell“) gerecht werden zu können. Möhwald über sein Potenzial: „Ich kann torgefährlich sein, habe eine hohe Ballsicherheit, ein gutes Passspiel – und kann, wenn ich richtig fit bin, auch wieder diese dynamischen Aktionen zeigen.“ Also viel von dem, was Werder Bremen gegen Union Berlin gefehlt hatte. (csa)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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