Gegen den 1. FC Köln

Kein Harakiri und auch keine Träumereien

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Letztes Training in Bremen, bevor es nach Köln geht.

Bremen - Von Björn Knips. Viktor Skripnik blickt mit drastischen Worten zurück. „Nach einem perfekten Spiel gab es oft ein Desaster“, sagt der Werder-Coach. Diese unschöne Tradition soll, nein sie muss jetzt nach dem fulminanten 6:2 gegen den VfB Stuttgart beendet werden, will der SV Werder Erstligist bleiben.

Helfen soll dabei wieder ein Kurztrainingslager – diesmal nicht in Verden, sondern in Köln, wo dann am Samstag sogar schon der vorzeitige Klassenerhalt gefeiert werden könnte. „Ich glaube nicht, dass nach diesem Spieltag irgendetwas geklärt ist“, würgt Sportchef Thomas Eichin das Thema sofort ab. Nur nicht zu weit denken oder sogar träumen. Das ist in dem „Abstiegskampf, der hier so noch nicht da war“ (Eichin), absolut verboten. Zu viele Teams, die sich in Sicherheit wähnten, sind längst wieder total verunsichert. Siehe Stuttgart.

Auch Werder siegte sich schon oft an den vermeintlichen Wendepunkt, um dann doch wieder in den Keller zu blicken. „Diesmal passiert das nicht“, versichert Claudio Pizarro: „Ich bin total davon überzeugt, dass wir ein gutes Spiel machen werden und Punkte holen.“ Warum? Da kommt die Psyche ins Spiel. „Ich habe gemerkt“, sagt der 37-Jährige, „dass unsere Konzentration und Motivation vor dem letzten Spiel sehr gut war.“ Das Kurztrainingslager in Verden hat offenbar gewirkt – vor allem auch die Arbeit mit Sportpsychologe Prof. Dr. Andreas Marlovits.

Der ist auch in Köln wieder dabei, wird Einzel- und Gruppengespräche führen. Der Experte für den Kopf kommt bei den Profis richtig gut an. „Dass du auf dem Platz alles raushaust, muss sowieso der Fall sein“, sagt Zlatko Junuzovic: „Aber du musst auch eine gewisse Cleverness und Coolness erlangen. Das geht nur, wenn du frei im Kopf bist. Und du musst dich auf den anderen verlassen können. Es ist wichtig, einem das noch mal bewusst zu machen.“ Dafür ist Marlovits da. Er redet die Mannschaft stark, will den Profis den Spaß am Fußball zurückbringen – und damit die Angst nehmen. Gegen Stuttgart hat es geklappt. Werder spielte frech auf und zögerte keine Sekunde, den Gegner zu attackieren.

Ganz so mutig geht es in einem Auswärtsspiel dann aber wohl doch nicht. „Wir wollen da kein Harakiri machen und von der ersten Minute an nach vorne rennen“, kündigt Skripnik eine gewisse Zurückhaltung an – aber eben nur eine gewisse, wie er sogleich betont: „Wir wollen nicht nur hinten stehen und den Ball nach vorne bolzen.“ Schließlich liegt in der Offensive Werders Stärke. 32 Tore erzielten Pizarro und Co. seit Jahresbeginn. In der Bundesliga war nur Borussia Dortmund mit 33 Toren erfolgreicher. Und Köln gilt zwar als defensivstark, hat aber daheim mehr Tore kassiert (18) als selbst geschossen (16) – und sieben Mal verloren.

Folgt nun Niederlage Nummer acht, dann könnte es den ganz großen Bremer Jubel geben, wenn gleichzeitig Frankfurt (gegen Dortmund) und Stuttgart (gegen Mainz) punktlos bleiben. Das wäre der vorzeitige Klassenerhalt. Doch Werder macht da (noch) nicht mit – und so betont Junuzovic ganz deutlich: „Die Geschichte ist noch nicht zu Ende.“

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