Der Grieche über seinen Karriereplan – und eine große Ausnahme für Werder

Kapino im Interview: „Meine Chance wird kommen“

+
Stefanos Kapino im Gespräch mit DeichStube-Reporter Daniel Cottäus (l.).

Bremen – Verpflichtet, trainiert – und schon verletzt: Der Start bei Werder Bremen hätte für Torhüter Stefanos Kapino im Sommer gar nicht schlechter laufen können. Anstatt sportlich auf sich aufmerksam zu machen, musste der Grieche erstmal einen Sehnenriss im Adduktorenbereich auskurieren, keine dramatische Verletzung zwar, aber eine ziemlich langwierige.

Ein halbes Jahr lang fiel Kapino aus. Pünktlich zum Start der Rückrunde hat sich der 24-Jährige nun wieder fit gemeldet. Im Interview mit der DeichStube spricht Kapino über die schweren ersten Monate in Bremen, seine Rolle als Nummer zwei hinter Stammkeeper Jiri Pavlenka – und über einen Rekord, der ihm sehr viel bedeutet.

Herr Kapino, am Samstag saßen Sie in Hannover zum ersten Mal für Werder in der Bundesliga auf der Bank – ein halbes Jahr, nachdem Sie in Bremen unterschrieben hatten. Wie ist das Gefühl, endlich Teil der Mannschaft zu sein?

Das war ein sehr wichtiger Moment für mich nach der langen Verletzung. Ich musste ja lange genug darauf warten, endlich so richtig nah bei der Mannschaft sein zu können. Dann war es auch noch ein kleines Derby, und wir haben es gewonnen. Es war also ein sehr schöner Tag.

Wie hart war das halbe Jahr zuvor für Sie? Sie waren mit großen Erwartungen nach Bremen gekommen und wurden dann von einer Verletzung jäh ausgebremst.

Es war sehr hart. So etwas wünscht sich ja niemand. Die Leute im Verein haben mir in dieser Phase aber wirklich geholfen, sie waren für mich da und haben mir Mut gemacht. Deswegen habe ich mich trotz der Verletzung sofort wohlgefühlt bei Werder. Es war definitiv eine harte Zeit, aber auch eine gute Zeit.

Was war denn gut?

Zum Beispiel, dass ich in diesen Monaten sehr viel über meinen Körper gelernt habe. Es ging darum, was ich in Zukunft vor und nach dem Training tun kann, damit sich solche Verletzungen nicht wiederholen.

Während des Trainingslagers in Südafrika haben Sie dann Ihr Comeback gefeiert. Sind Sie wieder vollkommen beschwerdefrei?

Ja, jetzt ist alles perfekt. Das Trainingslager lief gut, und ich fühle mich sehr wohl. Ich komme mir fast vor wie ein Winter-Neuzugang, weil ich die Mitspieler sportlich jetzt erst so richtig kennengelernt habe (lacht).

In Südafrika ist Ihnen im ersten Testspiel gegen die Kaizer Chiefs ein grober Fehler unterlaufen, im zweiten Spiel gegen Bidvest haben Sie dann mit spektakulären Paraden geglänzt. Wie nahe sind Sie schon an Ihrer Bestform?

Ich bin auf einem guten Weg. Es ist aber ganz normal, dass man Zeit braucht, um wieder voll da zu sein, wenn man so lange gefehlt hat wie ich. Ich muss mich jetzt erstmal an Werders Spielstil gewöhnen. Das wird mit der Zeit besser. Das hat man ja schon in Südafrika gesehen.

Keeper Stefanos Kapino glaubt fest an seine Chance, sich beim SV Werder beweisen zu können.

Nun ist die Situation bei Werder zwischen den Pfosten mehr als eindeutig: Jiri Pavlenka ist gesetzt, Sie sind der zweite Mann dahinter. Können Sie damit leben?

Ich wusste ja schon im Sommer, noch bevor ich meine Entscheidung für den Wechsel zu Werder getroffen habe, dass Jiri spielen wird. Er hat in der letzten Saison starke Leistungen gezeigt und macht in dieser Saison damit weiter. Da war es völlig klar, dass ich erstmal als Nummer zwei komme.

Können Sie sich mit dieser Rolle denn dauerhaft anfreunden? Sie sind erst 24 Jahre alt, da muss es doch Ihr Anspruch sein, Stammtorhüter zu werden, oder?

Natürlich möchte ich immer spielen, aber so einfach ist das nicht immer. Mein Plan ist es jetzt, 100 Prozent zu geben und die Mannschaft zu unterstützen. Irgendwann kommt dann meine Chance, und die muss ich nutzen. Man weiß ja nie, was passiert.

Das heißt, Sie hoffen darauf, dass Pavlenka im Sommer zu einem Topclub wechselt und Sie dann nachrücken können?

Nein, nein, ich hoffe nicht, dass er geht. Ich weiß um meine Rolle in der Mannschaft und kann damit im Moment gut leben. Aber natürlich habe ich auch einen Plan und möchte nicht für immer die Nummer zwei sein. Jetzt konzentriere ich mich erstmal auf den Rest der Saison. Dann sehen wir, was passiert. Es ist auf jeden Fall mein großes Ziel, eines Tages die Nummer eins bei Werder zu sein.

Wenn wir auf Ihre vorherigen Stationen zurückblicken, dann waren Sie noch nie für einen längeren Zeitraum die Nummer eins. Mal waren Verletzungen der Grund dafür, mal Konkurrenten. Sind Sie inzwischen zur perfekten Wahl bei der Suche nach einem Ersatztorhüter geworden?

Nein, das denke ich nicht. Ich denke eher, dass ich die perfekte Wahl als Nummer eins bin. Ich bin noch nie zu einem Verein gewechselt, um dort nur der Ersatztorwart zu sein. Nur bei Werder war es im Sommer etwas anders.

Warum diese Ausnahme?

Weil ich an den Plan der Mannschaft, an den Plan des Vereins glaube. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl, sodass ich mir gesagt habe: Bei Werder kann ich damit leben, erstmal nur der zweite Torhüter zu sein und eine Zeit lang auf meine Chance warten zu müssen.

Sie haben früher schon einmal in der Bundesliga gespielt, in der Saison 2014/2015 standen Sie in zwei Spielen für Mainz 05 im Tor. Warum hat es damals nicht zur Nummer eins gereicht?

Damals war Loris Karius noch in Mainz. Es war nach der Saison lange nicht klar, ob er bleiben oder den Verein verlassen würde. Er hat dann seinen Vertrag verlängert, und da habe ich entschieden, dass ich lieber wechseln sollte. Ich war noch sehr jung. Es war für mich keine Option, auf meine Chance zu warten.

Sie sind dann zurück nach Griechenland gegangen und haben mit Olympiakos Piräus zwei Meisterschaften gewonnen...

Ja, das waren tolle Erlebnisse. Aber wenn du zu einem Team wie Piräus wechselst, weißt du, dass du jedes Jahr den Titel holen musst. Auch diese Erfahrung ist viel wert.

Angelos Charisteas hat 2004 mit Werder das Double gewonnen, Sokratis wurde einige Jahre später zum Publikumsliebling – es gab vor Ihnen bei Werder schon Griechen, die im Club sehr gut zurechtgekommen sind. Haben Sie sich Tipps geholt?

Ich habe mit Sokratis gesprochen, bevor ich den Vertrag bei Werder unterschrieben habe. Ich kenne ihn gut aus der Nationalmannschaft. Er hat mir gesagt, dass Werder ein wichtiger Schritt in seiner Karriere war und dass ich es machen soll.

Stichwort Nationalmannschaft: In Griechenland halten Sie den Rekord als jüngster Spieler, der jemals für die A-Nationalmannschaft gespielt hat...

Ja, ich habe mein Debüt mit 17 Jahren gegeben. Darauf bin ich stolz, das bedeutet mir sehr viel. Ich hoffe, dass ich eines Tages wieder für mein Land spielen kann. Dafür muss ich mich aber erstmal hier bei Werder durchsetzen.

Was auffällt: Obwohl Sie noch jung und „nur“ der Ersatztorhüter sind, scheinen Sie im Team bestens integriert zu sein. Auch die älteren Spieler wie Max Kruse und Claudio Pizarro schätzen Sie sehr. Was sind Sie für ein Typ abseits des Fußballplatzes?

Ich bin ein guter Typ, lustig, und ich unterhalte mich sehr gerne. Für mein Alter habe ich ja auch schon viel Erfahrung gesammelt. Das hilft mir dabei, mit den älteren Kollegen ins Gespräch zu kommen. Nur in der Ecke zu sitzen, und nichts zu sagen, war noch nie mein Ding. Ich möchte einfach Teil der Familie sein.

Stefanos Kapino: Seine Karriere in Bildern

Stefanos Kapino hat die U18- bis U21-Teams von Panathinaikos Athen durchlaufen und im Jahr 2011 den Sprung zu den Profis geschafft.
Stefanos Kapino hat die U18- bis U21-Teams von Panathinaikos Athen durchlaufen und im Jahr 2011 den Sprung zu den Profis geschafft. © ima go
Am 15. November 2011 feierte Kapino sein A-Elf-Debüt in der griechischen Nationalmannschaft und ist damit der jüngste Nationalspieler des Landes.
Am 15. November 2011 feierte Kapino sein A-Elf-Debüt in der griechischen Nationalmannschaft und ist damit der jüngste Nationalspieler des Landes. © imago
Kapino kam zwischen 2011 und 2014 bei Panathinaikos Athen auf 46 Spiele in der ersten griechischen Liga.
Kapino kam zwischen 2011 und 2014 bei Panathinaikos Athen auf 46 Spiele in der ersten griechischen Liga. © imago
2014 zog es den Griechen für ein einjähriges Intermezzo in die Belle Etage des deutschen Fußballs. Beim 1. FSV Mainz 05 kam er nur auf zwei Einsätze - an Loris Karius war kein vorbeikommen.
2014 zog es den Griechen für ein einjähriges Intermezzo in die Belle Etage des deutschen Fußballs. Beim 1. FSV Mainz 05 kam er nur auf zwei Einsätze - an Loris Karius war kein vorbeikommen. © imago
Es ging wieder zurück in heimische Gefilde: Für Olympiakos Piräus lief Kapino zwischen 2015 und 2018 26-mal in der Liga auf.
Es ging wieder zurück in heimische Gefilde: Für Olympiakos Piräus lief Kapino zwischen 2015 und 2018 26-mal in der Liga auf. © imago
Nach einem halbjährigen Gastspiel beim englischen Club Nottingham Forest gab Werder die Verpflichtung von Kapino bekannt.
Nach einem halbjährigen Gastspiel beim englischen Club Nottingham Forest gab Werder die Verpflichtung von Kapino bekannt. © imago
Kapino bei seiner offiziellen Vorstellung in Bremen.
Kapino bei seiner offiziellen Vorstellung in Bremen. © gumzmedia
Nach seiner schweren Verletzung zu Beginn und dem monatelangen Ausfall des Griechen, konnte er die Wintervorbereitung 2019 in Südafrika wieder komplett absolvieren.
Nach seiner schweren Verletzung zu Beginn und dem monatelangen Ausfall des Griechen, konnte er die Wintervorbereitung 2019 in Südafrika wieder komplett absolvieren. © gumzmedia
Kapino ist, auch nach dem Abgang von Jaroslav Drobny im Januar 2019, die klare Nummer Zwei hinter Stammkeeper Pavlenka - hier beim Testspiel in Johannesburg gegen die Kaizer Chiefs.
Kapino ist, auch nach dem Abgang von Jaroslav Drobny im Januar 2019, die klare Nummer Zwei hinter Stammkeeper Pavlenka - hier beim Testspiel in Johannesburg gegen die Kaizer Chiefs. © gumzmedia

Stefanos Kapino: Erst 24 Jahre alt – und schon sehr viel erlebt

Fünf Vereine in drei Ländern, mit zarten 17 Jahren das erste A-Länderspiel und dazu 2014 die WM-Teilnahme mit Griechenland: Stefanos Kapino hat in seiner Karriere wahrlich schon einiges erlebt – dabei ist er erst 24 Jahre alt. Im Sommer 2014 wechselte der Torhüter als frischgebackener griechischer Pokalsieger von Panathinaikos Athen in die Bundesliga zu Mainz 05, wo er allerdings an Loris Karius nicht vorbeikam. Nur ein Jahr später auch deshalb die Rückkehr in die Heimat, zu Olympiakos Piräus – und dort lief es besser: Kapino gewann mit dem Team zwei Meistertitel (2016 und 2017), wenn auch nicht als unangefochtene Nummer eins. 

Im Winter 2018 ging es für den Schlussmann für ein halbes Jahr zu Nottingham Forest in Englands zweite Liga, im Sommer sicherte sich dann Werder Bremen Kapinos Dienste. Nachdem sich der Grieche in einer seiner ersten Trainingseinheiten verletzt hatte und ein halbes Jahr lang ausfiel, ist er nun wieder fit und als Nummer zwei hinter Jiri Pavlenka eingeplant.

Schon gesehen?

Quelle: DeichStube

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

David Garrett in der Bremer Stadthalle

David Garrett in der Bremer Stadthalle

100 Liter pro Quadratmeter: Straßen im Süden unter Wasser

100 Liter pro Quadratmeter: Straßen im Süden unter Wasser

Ein Königspaar auf dem Bauernhof

Ein Königspaar auf dem Bauernhof

Fotostrecke: Werder-Profis verabschieden sich in den Sommerurlaub

Fotostrecke: Werder-Profis verabschieden sich in den Sommerurlaub

Meistgelesene Artikel

Werder macht ernst: Gregoritsch soll kommen!

Werder macht ernst: Gregoritsch soll kommen!

Bremer Blitztor beim 4:1 in Papenburg

Bremer Blitztor beim 4:1 in Papenburg

Mögliche Aufstellung gegen Leipzig: Mit Klaassen nach Europa

Mögliche Aufstellung gegen Leipzig: Mit Klaassen nach Europa

Zukunft noch immer ungeklärt: Werder setzt Kruse unter Druck

Zukunft noch immer ungeklärt: Werder setzt Kruse unter Druck

Kommentare