Werder-Tore aberkannt

Aufholjagd endet im Frust

ABGEKÄMPFT und maßlos enttäuscht: So wie Eljero Elia schleppten sich alle Bremer nach dem späten Siegtreffer der Hannoveraner vom Platz.

Hannover / Bremen - Von Carsten Sander - Ein Last-Minute-Treffer von Szabolcs Huszti hat Werder Bremen gestern um den Lohn einer großartigen Aufholjagd gebracht.

Die Einzelkritik

Hannover gegen Bremen: Einzelkritik der Werder-Spieler

In der letzten Sekunde der Nachspielzeit jagte der vor der Saison zu Hannover 96 zurückgekehrte Ungar den Ball per Seitfallzieher ins Bremer Tor – es war das 3:2 für die Niedersachsen und der Schlusspunkt eines wieder einmal dramatischen „kleinen“ Nordderbys.

Bilder vom Spiel

Hannover 96 gegen Werder Bremen - 3:2

Nach zehn Minuten hatten die Gastgeber vor 49 000 Zuschauern in der ausverkauften AWD-Arena durch Tore von Huszti (7./Freistoß) und den Ex-Bremer Leon Andreasen bereits mit 2:0 geführt. Den

Werder-Tore aberkannt

kapitalen Fehlstart bügelte Werder jedoch aus. Aaron Hunt per Handelfmeter (27.) und Kevin De Bruyne mit seinem ersten Bundesliga-Tor (74.) egalisierten den Rückstand, ehe es „drastisch formuliert tragisch wurde“, so Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs. Erst erkannte Schiedsrichter Deniz Aytekin (Oberasbach) ein Kopfball-Tor von Sokratis wegen einer Abseitsstellung zu Recht nicht an (81.). Dann traf Assani Lukimya, aber wieder pfiff Aytekin (83.). Er wollte zuvor im Luftkampf ein Foul von Sokratis gegen 96-Verteidiger Karim Haggui gesehen haben – eine Szene, die reichlich Diskussionsstoff lieferte.

„Ich habe ihn nicht berührt“, beteuerte Sokratis. „Da wurde uns ein Tor geklaut“, beklagte auch Lukimya, der für den kurzfristig wegen muskulärer Probleme ausgefallenen Sebastian Prödl in die Startelf gerutscht war. Aber die Bremer Proteste prallten an Aytekin ab. „Ich habe das sehr gut gesehen. Der Spieler Sokratis legt den Arm auf die Schultern des Spielers Haggui. Und das reicht aus, um ihn zu behindern“, sagte er gegenüber Sky. Allerdings belegen die TV-Bilder nicht, dass Sokratis wirklich gefoult hat. Weshalb Werder-Coach Thomas Schaaf auch eine Stunde nach Spielende mit bitterer Ironie feststellte: „Nach dem Grund für den Pfiff suchen wir immer noch.“

Nach dem Grund, weshalb Werder zum dritten Mal in Folge in Hannover verlor, musste dagegen nicht lange gefahndet werden. Jeder im Stadion hatte es gesehen: Die Bremer, von der Aufholjagd extrem beflügelt, gingen in den Schlussminuten ein zu hohes Risiko. Das hätte – siehe die beiden aberkannten Tore sowie eine weitere Großchance durch Marko Arnautovic (86.) – zwar fast zum Ziel geführt. Führte letztlich aber zur Niederlage. Die entscheidende Szene: Aaron Hunt verlor in der gegnerischen Hälfte den Ball an Huszti, Hannover schaltete blitzschnell um, von der linken Seite kam die Flanke, die der nach vorne gesprintete Huszti artistisch verwandelte. Doppeltes Pech jedoch für Werder: Clemens Fritz war zuvor ausgerutscht, konnte Huszti so nicht stören und fälschte den Ball dann auch noch unhaltbar für Torhüter Sebastian Mielitz ab. „Das kann man sich gar nicht vorstellen, dass so viele Dinge zusammenführen, damit wir dieses Spiel verlieren“, seufzte Allofs.

Kurios: Huszti zog sich beim Torjubel das Trikot aus und sprang „oben ohne“ vor den Fans auf den Zaun. Aytekin reagierte darauf humorlos, aber regelkonform: Gelb für die „Trikottat“, Gelb-Rot für den Zaunjubel. Der zweifache Torschütze wird Hannover also am kommenden Wochenende in Hoffenheim fehlen.

Bilder vor dem Spiel

Hannover 96 gegen Werder Bremen - Bilder vorm Spiel

Wäre er nur gestern nicht dabei gewesen, werden die Bremer denken. Nach dem 1:2 bei Borussia Dortmund zu Saisonbeginn kassierte Werder im zweiten Auswärtsspiel die zweite unglückliche Niederlage. Dennoch befürchten die Werder-Bosse keinen nachhaltigen Schaden. „Heute tut das Ergebnis sehr weh. Aber auch aus diesem Spiel nehmen wir viel Gutes mit“, sagte Allofs und versuchte sogleich, die Spieler aufzurichten: „Wir dürfen da jetzt kein zu großes Ding draus machen. Nach einem 0:2 kommt man in Hannover normalerweise nicht mehr zurück.“

Werder kam aber – und das war durchaus bemerkenswert. Schaaf bezeichnete die Leistung seiner Mannschaft nach total verschlafenem Start sogar als „sensationell“. Viel fehlte tatsächlich nicht, dann wäre die stolze 96-Serie von 19 Heimspielen ohne Niederlage zu Ende gegangen. Nun steht die Marke bei 20 – und Clemens Fritz glaubte, dass Hannover darüber nicht nur glücklich, sondern auch erstaunt ist: „Die wissen doch selbst nicht, warum sie dieses Spiel heute gewonnen haben.“

Stimmen zum Spiel

Mirko Slomka (Hannover 96): „Das war eine irre Partie und ein ziemliches Spektakel. Ich muss zugeben, dass wir ein glücklicher Sieger sind. Nach dem Anschlusstor haben wir ein wenig den Faden verloren, am Ende aber wieder Gas gegeben.“

Thomas Schaaf (Werder): „Es war ein klasse Spiel, in dem alles drin war. Die ersten 20 Minuten haben wir verschlafen. In der Tabelle hängen wir ein bisschen hinterher, aber ich bin sicher, dass in den nächsten Spielen die richtigen Ergebnisse kommen werden.“

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