Werders Freistoßspezialist Junuzovic

Zauberfuß mit Rückgrat

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Werder-Profi Junuzovic

Bremen – Von Michael Baltes. Die Euphorie in Bremen ist nach dem fünften Liga-Sieg in Serie riesengroß. Maßgeblichen Anteil daran hat Zlatko Junuzovic. Sein Zauberfuß ist eine Waffe, seine Vertragsverlängerung ein deutliches Zeichen. Abheben will an der Weser trotzdem niemand – auch der 27-Jährige nicht. „Unser Ziel bleibt der Klassenerhalt“, sagt Junuzovic.

Das Spiel war noch gar nicht angepfiffen, als am Sonnabend das erste Mal tosender Applaus im Weserstadion aufbrandete. Der Grund: Noch einmal wurde die Vertragsverlängerung von Zlatko Junuzovic vom Vortag verkündet. Der Österreicher hat mit seinem Ja-Wort ein deutliches Zeichen gesetzt. Gegen das große Geld, für Werder. Das ist selten in der heutigen Fußballwelt. Das kommt an. Es ist ein zusätzlicher Auftrieb für die in Bremen nach der Siegesserie ohnehin existierende Euphorie – ebenso wie die Leistung, die die Grün-Weißen anschließend gegen Augsburg zeigten. Der Gegner wurde nicht niedergekämpft, er wurde niedergespielt. Einer der Hauptprotagonisten: Junuzovic.

Zwar gelang dem Österreicher an diesem Nachmittag kein eigener Treffer, dafür bereitete er zwei der insgesamt drei Werder-Tore mit seinen gefürchteten Standards mustergültig vor. „Ich hoffe, Standards werden eine Waffe von uns. Wir haben ja die Schränke dafür“, hatte der 27-Jährige nach dem ersten Saisonspieltag in Anspielung auf Werders baumlange und kopfballstarke Verteidiger gesagt. Rund sechs Monate und 20 Spieltage später lässt sich eindeutig sagen: sie sind eine Waffe. Sogar eine der stärksten, die Werder hat. Aber nicht allein wegen der „Schränke“ - vielmehr ist es Junuzovics Zauberfuß, der in dieser Spielzeit die Gegner das Fürchten lehrt.

Neben den Torvorbereitungen durch Standards hat der Österreicher bereits vier Freistöße direkt verwandelt. Einer schöner als der andere. Sein Geheimnis? Es gibt keins. Er legt sich den Ball auf eine ebene Stelle des Rasens, geht etwa viereinhalb Schritt zurück, läuft seitlich an und zirkelt den Ball mit der Innenseite über die Mauer. Ob ein Ball in den Maschen landet, merkt der Mittelfeldspieler direkt, wenn er das runde Leder getroffen hat. "Dann weiß ich, ob er gut getreten ist. Ob er drin ist, sehe ich dann anhand der Flugkurve.“

In Österreich sind seine Fähigkeiten als Freistoßspezialist schon länger bekannt. Unvergessen dabei die Szene, als er 2010 mit einem Teamkollegen von Austria Wien per Schnick-Schnack-Schnuck ausmachte, wer beim Spiel in Salzburg Sekunden vor Schluss beim Spielstand von 0:0 einen Freistoß von der Strafraumkante treten darf. Junuzovic entschied das Duell per „Stein“ gegen „Schere“ für sich, versenkte den Freistoß und hielt damit die Meisterchancen von Austria am Leben.

Junuzovic braucht "keine dicken Autos oder teure Klamotten"

In Bremen fanden die Künste des 27-Jährigen dagegen zunächst keine größere Beachtung. Das hat sich in dieser Saison geändert. „Jetzt darf ich die Freistöße halt auch schießen. Bislang war Aaron Hunt da, davor Kevin De Bruyne“, bringt es Junuzovic auf den Punkt. Trotz aller Euphorie, die mittlerweile um seine Person entstanden ist, hat der Österreicher die Bodenhaftung nicht verloren. Starallüren sucht man bei ihm vergebens. Für Junuzovic sind Werte wie Familie wichtiger als Materielles. Geprägt durch seine Vergangenheit – er flüchtete im Alter von vier Jahren gemeinsam mit seinen Eltern aus Bosnien – hat er laut eigener Aussage gelernt, andere Dinge mehr wert zu schätzen. Kurz nach seinem Wechsel an die Weser 2012 sagte er: „Als Fußballer verdiene ich sehr gut, aber ich brauche keine dicken Autos oder teure Klamotten.“ Auch große Veränderungen mag der 27-Jährige nicht.

Eigenschaften, die möglicherweise einen Teil zu seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung beigetragen haben. Zumal der Freistoßspezialist schon einmal bewiesen hat, dass Geld nicht alles für ihn ist. Salzburg soll ihn 2011 mit einem hoch dotierten Vertrag gelockt haben. Er blieb aber bei Austria, um ein Jahr später zu Werder zu wechseln – zu deutlich schlechteren Kondition, wie kolportiert wurde. Eine gute Entscheidung. Denn Junuzovic fühlt sich in Bremen wohl, „Werder ist für mich in den letzten Jahren eine zweite Heimat geworden“, sagte er nach seiner Unterschrift bis 2018.

Und auch für die Grün-Weißen ist der Verbleib von Junuzovic enorm wichtig. „Wenn er im Sommer gegangen wäre, hätte Bremen seinen wichtigsten Spieler verloren“, sagt der ehemalige Werder-Profi Andreas Herzog, um anzufügen: „Mit dem neuen Vertrag kann Junuzovic nun noch befreiter aufspielen.“

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