Die DeichStube besucht Werders Ex-Kapitän in Salzburg

Junuzovic und der Zauber großer Ziele: „Es ist inspirierend“

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Anfang Mai gab der damalige Werder-Kapitän Zlatko Junuzovic den Wechsel zu RB Salzburg bekannt. Das neue Ziel ist seine alte Heimat.

Salzburg - Pünktlich ist er, der Zlatko Junuzovic. Und lässig sieht er aus in seinem grau-weißen Trainingsanzug mit dem Red-Bull-Logo. Die Hosenbeine hat er ein bisschen die Waden hochgeschoben, das wirkt schön sommerlich.

Und tatsächlich findet die Begrüßung mit seinen Besuchern auch unter Palmen statt. Die stehen allerdings nicht dort, wo man sie grundsätzlich erwarten würde. Nämlich an einem langen Sandstrand, sondern vor einem Fußballstadion, wo sie einigermaßen deplatziert wirken. Denn das Stadion passt in der Farbgebung gut zu Junuzovics Outfit. Viel Grau. Karibik-Feeling? Eher nicht. Wir befinden uns ja auch in Salzburg, der neuen Heimat des ehemaligen Werder-Kapitäns. Die DeichStube hat den 30-Jährigen dort getroffen und exklusive Einblicke in seine neue Welt bekommen.

Was bei den meisten deutschen Bundesligisten undenkbar wäre, ist hier kein Problem. Junuzovic führt seinen Besuch in die Teamkabine. Es ist kein Raum, der Ahs und Ohs provoziert, eher zweckmäßig. Schön aufgereiht hängen in schmalen, offenen Spinden die Trikots. Das von Alexander Walke, der vor mittlerweile sehr vielen Jahren in der U23 des SV Werder das Tor gehütet hatte, ist natürlich dabei, der 35-Jährige ist schließlich der Kapitän des Teams. Junuzovic ist der Neue, aber keiner der gewöhnlichen Sorte.

Junuzovic soll führen und leiten

Zum Konzept des FC RB Salzburg gehört es, junge Spieler zu finden und zu Stars zu machen. Einen Ü30er wie Junuzovic zu verpflichten, ist die Ausnahme. Und hat einen tieferen Sinn. Junuzovic soll das Team, das aus Spielern aus 15 verschiedenen Nationen besteht, führen, leiten, er soll Chef sein. „Es ist für mich eine Herausforderung, hier am und abseits des Platzes zu helfen", verspricht er: „Es ist ein interessanter Weg, und ich freue mich drauf.“

Zlatko Junuzovic zeigt uns seinen Platz in der Mannschaftskabine von RB Salzburg.

Junuzovic sitzt auf dem Platz mit der Nummer 16 vor dem Trikot mit der Nummer 16. Diese Zahl ist seine Zahl, er trug sie auch bei Werder, und er wollte sie unbedingt behalten, „Sie begleitet mich durch meine ganze Karriere, sie gefällt mir einfach“, sagt er. Und um die 16 zu bekommen, hat er ausnahmsweise auch mal den Star-Bonus genutzt. Denn eigentlich war die Nummer besetzt und vergeben, einer der jungen Spieler musste sie aber rausrücken. „Ich habe mal angefragt wegen der Nummer, dann habe ich sie bekommen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen“, grinst der Mittelfeldspieler, der sich ansonsten aber keine weitere Sonderbehandlung wünscht. 

Und den Star, der er als 55-facher österreichischer Nationalspieler auch in einer Mannschaft, die zuletzt fünfmal in Folge den Titel in der Alpenrepublik gewonnen hat, fraglos ist, will er schon gar nicht rauskehren. Junuzovic gibt sich sogar zurückhaltend schüchtern. „Am Anfang schaut man sich erstmal alles genau an. Wie die Mannschaft tickt, wie jeder mit dem anderen umgeht. Natürlich ist da noch eine gewisse Zurückhaltung, man versucht sich einzufügen.“

Seit zwei Wochen erst trainiert Junuzovic, der Werder Bremen nach sechseinhalb Jahren ablösefrei verlassen hatte, mit den „Red Bulls“. Er sagt, die neue Umgebung, die neuen Menschen um ihn herum würden ihm guttun. „Ein Wechsel bringt auch immer neue Eindrücke, neue Ziele, neue Perspektiven – das kommt ja von ganz alleine, das macht es ja auch interessant. Das hat schon etwas“, erklärt er. Zwischen Red Bull Salzburg und Werder Bremen zu vergleichen, ist trotzdem seine Sache nicht. So etwas sei „immer schwierig“, sagt er und sieht keinen Sinn in der Hin-und-her-Guckerei. Sein Urteil: Bremen war super, Salzburg ist es auch. „Die Lebensqualität mit der schönen Altstadt und den vielen Seen im Umland ist hier ein Traum. Es lässt sich hier sehr gut leben.“

Und arbeiten auch. Vermutlich. Red Bull Salzburg ist der FC Bayern Österreichs. Serienmeister und Dauerfavorit auf den Titel. Nur in die Gruppenphase der Champions League hat es der Club seit 1994 nicht mehr geschafft. Zlatko Junuzovic wurde auch deshalb verpflichtet, um die unheilvolle Serie gescheiterter Qualifikationsanläufe zu beenden. Am 7./8. und 14./15. August ist es wieder so weit. Der Gegner für die dritte Qualifikationsrunde steht zwar noch nicht fest, das Ziel aber schon. Als „ersten Step“ in der Saison bezeichnet Junuzovic das Erreichen der Gruppenphase: „Das wird ein hartes Stück Arbeit. Aber so etwas kann dich auch nach vorne peitschen. Die Jungs in der Mannschaft haben nach ihrer tollen Saison alle viel Selbstvertrauen.“ Meister Salzburg schaffte es zuletzt immerhin bis ins Halbfinale der Europa League.

Nach sechseinhalb Jahren verabschiedete sich Zlatko Junuzovic nach der Saison 17/18 aus Bremen. Sein großer Wunsch am letzten Heimspieltag: Sohn Clemens sollte sein Einlaufkind sein.

Das zu toppen, ist die Aufgabe der neuen Saison. Mit Erfolgen in der Champions League und dem nächsten Meistertitel wäre es geschafft. Für manchen mag gerade Letzteres ob der Dominanz der letzten Jahre als selbstverständlich erscheinen, Junuzovic aber warnt: „In Stein gemeißelt ist das alles nicht. Uns wird nichts geschenkt. Jeder wird versuchen, Salzburg zu schlagen.“

So ist das eben, wenn man der Gejagte und das Maß aller Dinge ist. Für Zlatko Junuzovic ist das jetzt so. Er hat Werder Bremen und die deutsche, die große Bundesliga verlassen, um in der kleineren, der österreichischen Bundesliga Größeres zu erreichen. Endlich einen Titel gewinnen, endlich in der Königsklasse spielen – es sei „inspirierend, dass du dir diese Ziele stecken und hinter ihnen stehen kannst. Einen Titel oder einen Pokal zu holen, das sind meine Ambitionen, das motiviert mich. Für mich ist das sehr aufregend.“

Der Faden nach Bremen reißt nie ab

Bei Werder lautete die Ambition in den vergangenen Jahren, bloß nicht abzusteigen. Dass das auf Dauer nicht glücklich macht, ist nachvollziehbar. Junuzovics Wechsel also auch. Allerdings hat er die Verbindungen zu Werder noch nicht ganz gekappt. Zum einen fährt er auch in Salzburg immer noch seinen Werder-Dienstwagen mit HB-Kennzeichen. Doch der geht in den kommenden Tagen zurück, wenn die Bremer im Zillertal, zwei Autostunden von Salzburg entfernt, ihr Trainingslager beziehen. „Vielleicht bringe ich den Wagen vorbei, vielleicht lasse ich ihn abholen. Das bekommen wir schon organisiert“, meint Junuzovic. Im Urlaub hat er sich unter anderem bei seiner Familie in Graz erholt und in Salzburg eine Wohnung gesucht und gefunden. Doch der Kopf war noch oft in Bremen, sagt Junuzovic und verspricht: „Der Faden dahin wird auch nie abreißen.“

Zlatko Junuzovic: Seine Karriere in Bildern

Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovics Karriere begann in seiner Heimat Österreich. Nach seiner Jugendzeit in Graz wechselte „Zladdi“ im Sommer 2007 zu Austria Kärnten. Dort blieb er zwei Jahre.  © imago
Zlatko Junuzovic
Dann schloss er sich dem 24-fachen Meister Austria Wien an, wo er für drei Jahre spielte. © imago
Zlatko Junuzovic
Im Januar 2012 holten Trainer Thomas Schaf und Manager Klaus Allofs den Mittelfeld-Allrouner an die Weser. Bei Werder unterschrieb Junuzovic bis Sommer 2015. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Der Österreicher war bei Werder direkt gefordert... © nordphoto
Zlatko Junuzovic
...und stand in der Rückrunde der Saison 15 Mal auf dem Platz - meistens über die volle Spielzeit. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
In der Saison 2013/14 schoss der Österreicher den 1:0-Siegtreffer im Nordderby gegen den Hamburger SV. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Im Februar 2015 verlängerte Junuzovic seinen Vertrag vorzeitig bis 2018. Werder-Anhänger machten sich zuvor mit Sprechchören und Plakaten für den Verbleib von Junuzovic stark. Unter dem Hashtag #JunobleibtBremer fanden viele Fans zusammen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Seine wohl beste Saison bei den Grün-Weißen spielte der Mittelfeldspieler 2014/15. Am Ende dieser Spielzeit standen sechs Treffer und 16 Torvorlagen auf Junuzovics Konto. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Der österreichische Nationalspieler biss immer auf die Zähne und zählt zu den Führungsspielern in Bremen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Nach dem Karriereende von Clemens Fritz wurde Junuzovic von Cheftrainer Alexander Nouri zum Kapitän ernannt. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Seit der Saison 2017/18 trägt er nun die Binde als neuer Spielführer. Ganz neu ist das für den Profi aber nicht. Zuvor war er schon Vizekapitän gewesen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Am 13. Oktober 2017 gab Junuzovic überraschend sein Karriere-Ende in der österreichischen Nationalmannschaft bekannt. Er kam auf 55 Einsätze in der ÖFB-Elf. © imago
Zlatko Junuzovic
In der Rückrunde der Saison 2017/18 hat Junuzovic trotz Kapitänsbinde seinen unangefochtenen Stammplatz verloren und musste das eine oder andere Mal - besonders bei Auswärtsspielen - auf der Bank Platz nehmen. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Ein ganz wichtiges Tor für Werder schoss Junuzovic gegen Schalke 04, als er in der Nachspielzeit den Ball zum 2:1-Auswärtssieg über die Linie stocherte. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Dank Junuzovics Treffer bejubelte Werder einen ganz wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenerhalt. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Nach Jahren voller Wechsel-Spekulationen geht im Sommer 2018 das Kapitel Junuzovic bei Werder zu Ende. Dass der Kapitän von Bord geht, teilte der SV Werder am 23. April 2018 mit. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Junuzovic wurde beim letzten Heimspiel der Saison im Weserstadion offiziell verabschiedet. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Der 30-Jährige genoss die letzten Momente im Weserstadion gemeinsam mit Sohn Clemens. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Die Werder-Fans bescherten Junuzovic einen schönen Abschied. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Junuzovic wechselt zurück in seine österreichische Heimat. Ziel ist Serienmeister RB Salzburg. © gumzmedia

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Quelle: DeichStube

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